Wochenspruch

Worte zum Tag

Das Gehör der Menschen aufnahmefähig erhalten

24.11.2011

Die Synode informiert sich auf ihrer Herbsttagung über den geplanten Ausbau der Rheintalbahn und unterstützt die Kernforderungen der Bürgerinitiativen für eine „Europa-Trasse Baden 21“.

„Es ist eine gute Tradition, dass sich die Synode mit Themen befasst, die die Menschen in ihren Gemeinden bewegen.“ Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende Norbert Rieflin den zentralen Tagesordnungspunkt der Herbstsynode in Bad Krozingen ein.

Dekan i.R. Manfred WahlIn einem ersten Referat berichtete der frühere Offenburger Dekan, Manfred Wahl, wie es zu seiner Mitarbeit in der Bürgerinitiative Bahntrasse in Offenburg kam. „Ab dem Jahr 2000 mehrten sich bei meinen Hausbesuchen die Klagen“ erzählte er. Bei einem Taufgottesdienst sei ihm aufgegangen, dass es bei diesem Thema um die Verantwortung der Kirchengemeinden für die Zukunft der Kinder gehe. Er habe sich zu einem Leserbrief veranlasst gesehen und sei postwendend zur Mitarbeit in der Bürgerinitiative aufgefordert worden, die sich zu dieser Zeit gerade konstituierte. Die „ökumenische Doppelspitze“ aus ihm und einer katholischen Ordensschwester sorge nach seinem Erleben bei den Menschen für eine zusätzliche Glaubwürdigkeit der Initiative. Landesbischof Ulrich Fischer und Erzbischof Robert Zollitsch, die beide ebenfalls das Anliegen unterstützen habe er einmal gesagt: „Die Kirchen bringen den Menschen das Evangelium zu Gehör. Wir Bürgerinitiativen sorgen dafür, dass das Gehör der Menschen aufnahmefähig bleibt.“

Entscheidend sei die Vernetzung der Bürgerinitiativen. In der IG BOHR (Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein) arbeiten acht Initiativen zusammen, die für die verschiedenen Streckenabschnitte der Rheintalbahn stehen. Dabei zeichne sich das Handeln der IG BOHR durch vier „KO-Kriterien“ aus: Es sei kommunikativ, kompetent, konstruktiv und konsequent. Das mache es den Verantwortlichen bei der Bahn AG unmöglich, die Vorschläge der Bürgerinitiativen einfach vom Tisch zu wischen. Mit Blick auf die mittlerweile achtjährige kontinuierliche Arbeit und die wechselnden Gesprächspartner auf Seiten von Bahn und Politik meinte Wahl: „Politische und planerische Verantwortliche kommen und gehen; Baden 21 aber bleibt.“ Ziel sei es, die Würde des Menschen zu wahren und unsere Kulturlandschaft zu hegen und zu pflegen.

Gerhard KaiserAuch Gerhard Kaiser, Gründungsmitglied der Initiative MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland), betonte, dass es ihm viel bedeute, sich in seinem Engagement von der Kirchengemeinde mitgetragen zu wissen. In seinem Referat stellte er die technische Seite dar. Anhand einer Präsentation führte er die Belastung der von der Bahn AG geplanten Trassenführung eindrücklich vor Augen. So könnten zum Beispiel in 12.000 Wohnungen die Lärmgrenzwerte nur durch Schallschutzfenster eingehalten werden – bei geöffneten Fenstern im Sommer also nicht. Insgesamt seien 1,7 Millionen Menschen von den Planungen betroffen. Die alternative Trasse „Baden 21“ sei möglich und unumgänglich.

Nach wenigen Rückfragen an die Referenten beschloss die Synode mit überwältigender Mehrheit eine Resolution. Darin bittet sie die politisch und planerisch Verantwortlichen, die sechs Kernforderungen der IG BOHR zu „Baden 21“ ihren Entscheidungen zugrunde zu legen. Ausdrücklich genannt werden die Kernforderungen 3 und 4, die das Gebiet des Kirchenbezirks direkt betreffen. Die Gemeinden des Bezirks werden um Unterstützung dieses bürgerschaftlichen Engagements gebeten.

Im ersten Teil der Tagung war der Haushaltsplan des Kirchenbezirks für die kommenden zwei Jahre beraten worden. Trotz steigender Kosten kann der Haushalt ausgeglichen und die Belastung der Gemeinden konstant gehalten werden. Die Rücklagen entwickeln sich positiv, so dass die Planungen für ein geistliches und organisatorisches Zentrum des Kirchenbezirks weiter vorangetrieben werden können. Die Fortsetzung dieser Planungen sowie der Haushaltsplan selbst wurden von der Synode nahezu einstimmig beschlossen. Auch die Jahresrechnung des Diakonischen Werks wurde zustimmend zur Kenntnis genommen und Vorstand sowie Geschäftsführung entlastet.

Daniela HammelsbeckMit dem Amtsantritt von Dagmar Zobel als Prälatin des Kirchenkreises Südbaden ist Dekan Hans-Joachim Zobel aus der Landessynode ausgeschieden. Der Bezirkssynode standen drei Kandidaten für die Nachfolge zur Auswahl. Gewählt wurde die Müllheimer Pfarrerin und stellvertretende Synodenvorsitzende, Daniela Hammelsbeck.

Nach drei Jahren Betrieb gab es einen Relaunch für die Homepage des Kirchenbezirks (www.ekbh.de). Pfr. Fritz Breisacher führte der Synode die wichtigsten Neuerungen dieser vergleichsweise gut besuchten Internetseite vor.

Auf ihrer Frühjahrstagung hatte die Synode einen Antrag zur Neuorientierung der evangelischen Friedensethik an den biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens an die Landeskirche weitergeleitet. Im September haben sich Mitglieder der Synode auf einem Studientag eingehend mit dem Thema befasst. Auf Landeskirchenebene befasst sich eine Arbeitsgruppe weiter mit dem Thema und wird es in eine der kommenden Landessynoden einbringen. Offenbar ist es gelungen, einen Impuls zu setzen, der weitere Kreise zieht.


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