Wochenspruch

Worte zum Tag

Vom „gerechten Krieg“ zum „gerechten Frieden“

14.11.2009

Die Bezirkssynode berät auf ihrer Herbsttagung den Entwurf einer Internationalen Ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden.

Es soll ein Wort der Kirchen aus der ganzen Welt an die ganze Welt werden. Zum Millennium hatte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), dem weltweit über 340 christliche Kirchen angehören, die Dekade zur Überwindung von Gewalt ausgerufen. Im Mai 2011 wird diese mit einer Friedensversammlung in Kingston, Jamaika, abgeschlossen. Bei dieser Versammlung soll die Erklärung zum gerechten Frieden verabschiedet werden. Ein erster Entwurf liegt vor und Kirchen und Gemeinden in aller Welt sind aufgerufen, dazu Stellung zu nehmen.

Auf ihrer Herbsttagung befasste sich die Synode mit dem Entwurf. Peter Widdess, Kurseelsorger in Bad Krozingen und seit vielen Jahren in der Ökumene tätig, gab zu Beginn einen Überblick über die Geschichte und den Aufbau der Erklärung. Einer ihrer wesentlichen Inhalte ist der Begriff des „gerechten Friedens“, der weit mehr als die Abwesenheit von Krieg meint. Er umfasst heilvolle Beziehungen sowohl der Menschen untereinander als auch zwischen Mensch und Natur. Das ältere Konzept eines „gerechten Krieges“, das bereits auf die Einschränkung kriegerischer Mittel abzielte, soll dadurch abgelöst werden.

In fünf Arbeitsgruppen wurde der Entwurf unter verschiedenen Fragestellungen diskutiert. Nach einem einleitenden Referat des evangelisch-methodistischen Pfarrers Hans-Martin Renno ging die erste Gruppe der Frage nach dem Auftrag der Kirche nach. „Der Gottesdienst in der Kirche und der Gottesdienst in der Welt (z.B. Friedensarbeit) müssen aufeinander bezogen sein“ wurde als ein Ergebnis festgehalten. Kai Thierbach von der evangelisch-lutherischen Kirche hat in der Versöhnungsarbeit in Nordirland praktische Erfahrungen gemacht. In dieser Arbeitsgruppe wurde die Notwendigkeit der Erinnerung an alle Opfer betont und die Aufgabe formuliert, Möglichkeiten für geschützte Begegnungen zu schaffen. Eine Gruppe mit Landesjugendreferent Jürgen Stude befasste sich mit der Friedenserziehung, die nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft. Friedensfördernde Projekte wie z.B. Streitschlichterkurse sollen im Bezirk und in den Gemeinden verstärkt angeboten werden. Ein Bezirkskonfirmandentag im kommenden Januar zum Thema „Umgang mit Konflikten“ trägt dieser Forderung bereits Rechnung. Die römisch-katholische Kirche hat im ÖRK beratenden Status. Barbara Henze, Dozentin an der katholischen theologischen Fakultät in Freiburg, stellte in ihrer Gruppe gleichwohl fest, dass große Teile der katholischen Kirche der Erklärung zustimmen. In der letzten Gruppe formulierte Ulrich Schmidt, Pfarrer in Sulzburg, Anfragen an die Erklärung, die darauf abzielten, ob sie nicht zu optimistisch sei. Doch bei aller Notwendigkeit von Bescheidenheit und Selbstkritik sollen Erfolge in der Friedensarbeit und die Beiträge der Kirchen dazu nicht kleingeredet werden. Der Weg zum gerechten Frieden ist mühsam aber unumgänglich.


Im zweiten Teil der Synode stellte Schuldekan Uwe Hauser den Haushaltsplan für die Jahre 2010 und 2011 vor. Dem Verwaltungs- und Serviceamt und dem Finanzausschuss ist es gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Dazu braucht die Umlage, die die Kirchengemeinden an den Bezirk abzuführen haben, auch in den kommenden zwei Jahren nicht angehoben zu werden. Bis 2015 muss eine Regelung für den Amtssitz des Dekans (bisher Müllheim) vorgelegt werden. In den nächsten Jahren will der Kirchenbezirk die finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen. Dieses Ziel wird von den Synodalen im Januar 2010 beraten. Der Haushalt wurde ohne Gegenstimme und mit einer Stimmenthaltung angenommen.


Schließlich beschloss die Synode mit großer Mehrheit, dass der Kirchenbezirk dem Trinationalen Atomschutzverband (TRAS) beitritt. Damit wurde dem Anliegen der ökumenischen Erklärung Rechnung getragen, dass für einen gerechten Frieden der sorgsame Umgang mit der Schöpfung eine unerlässliche Voraussetzung ist.

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