Wochenspruch

Worte zum Tag

"Was Theologie heute zu sagen hat"

15.09.2017

Festakt zum 60. Geburtstag von Landesbischof Cornelius-Bundschuh mit Grußwort des Ministerpräsidenten

LandesbischofCorneliusBundschuhBei einem Festakt aus Anlass des 60. Geburtstags von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Stuttgart) in Karlsruhe an die Kirchen appelliert, „unsere Gesellschaft für Herausforderungen oder Gefährdungen zu sensibilisieren und Impulse für notwendige Veränderungen zu setzen“. Im Rahmen eines Symposiums diskutierten Theologen mit Kulturschaffenden, Politikern und Juristen unter dem Motto „Was Theologie heute zu sagen hat“ über das Verhältnis von Kirche und Öffentlichkeit. Leitend waren die Aspekte des Rechtes, der Kultur und der Digitalisierung.

Der Gesellschaft wünschte Kretschmann im Karlsruher Staatstheater „Kirchen, die sich auch zukünftig kraftvoll und mäßigend, kritisch und konstruktiv, selbstbewusst und nachdenklich einbringen“. In einer „kooperativen Trennung von Staat und Kirche“ könnten und müssten die Kirchen „ein wichtiger Motor für gesellschaftliche Lern- und Veränderungsprozesse“ sein. Den Landesbischof würdigte der Ministerpräsident mit den Worten, er melde „sich überall dort zu Wort, wo er die Bewahrung der Schöpfung, humane Werte und soziale Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit in Gefahr sehe und gehe selbst mit gutem Beispiel voran.“

Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs, Bettina Limperg (Karlsruhe), verwies im Symposium auf den „weiten Schirm des Begriffs der Gerechtigkeit“, an dem sich Theologie und Recht treffen würden. Das gemeinsame Anliegen von Kirche und Recht sei es, für lebensförderliche und gerechte Strukturen Sorge zu tragen.

Der Theologe Hans-Martin Gutmann (Hamburg) ermutigte im Dialog mit dem Intendanten des Staatstheaters Karlsruhe, Peter Spuhler, die Kirchen dazu, auch im kulturellen Kontext der Massenmedien mit deren Unterhaltungsangeboten positiv „auf die Sehnsüchte der Menschen nach Heimat, Überschaubarkeit und Zugehörigkeit einzugehen und zugleich gegen jede Abwertung und Ablehnung des Fremden anzugehen“. Gutmann äußerte die Hoffnung, dass auch kirchliche Rituale zur Heimat werden und dazu beitragen, „dass Menschen ihren Lebensort als Heimat empfinden können.“ Wichtig sei es, die Menschen in ihrer Emotionalität zu erreichen. Insbesondere kirchliche Räume könnten durch „ihre Anmutung und ihr architektonisches Gesicht“ dazu beitragen, dass sich Menschen zu Hause fühlen, „sich beheimaten und über alle Krisen hinweg getragen fühlen können“.

Im Gespräch mit dem Heidelberger Theologen Philipp Stoellger zu den Folgen der Digitalisierung betonte der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Mölln), es brauche Institutionen des Vertrauens wie die Kirchen, um diese Veränderungen menschenfreundlich und gerecht zu gestalten. „Der digitale Wandel bringt Orientierungslosigkeit und Ängste auch im kirchlichen Raum mit sich. Doch zugleich wirft er ethische Fragen auf, auf die gerade Kirche und Glauben Antworten und Halt bieten,“ sagte der Sprecher für Netzpolitik der Bundestagsfraktion der Grünen. Bereits die Reformation habe die öffentliche Debatte „vielstimmiger, widersprüchlicher und damit zwar unübersichtlicher und anstrengender, aber auch interpretierbar, gestaltbar und grenzübergreifend“ gemacht.

In seiner Moderation des Festakts dankte Synodalpräsident Axel Wermke (Ubstadt-Weiher) Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh für die „stets gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit der Landessynode der badischen Landeskirche. Grüße überbrachten unter anderem der Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart), der Kirchenpräsident Christian Albecker (Strasbourg) und die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel (Berlin).

Der heutige badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh war nach seinem Theologiestudium zunächst Hochschulassistent im Fach Praktische Theologie an der Universität Göttingen, wirkte als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Fuldabrück und leitete das Predigerseminar in Hofgeismar (Hessen), bevor er 2009 als Leiter der Abteilung Theologische Ausbildung und Prüfungsamt zum Evangelischen Oberkirchenrat nach Karlsruhe wechselte. Seit 1. Juni 2014 ist er Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden. Ein wichtiges Anliegen ist ihm eine „Kommunalisierung des Evangeliums".
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