Wochenspruch

Worte zum Tag

Wie wir auf einen Schlag jünger wurden

07.07.2017

Zur Einführung Laura Artes' als Pfarrerin in Bötzingen und Gottenheim

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Wann gibt es das noch, einen Tag mit lauter freundlichen, erwartungsvollen Gesichtern? Sie wissen es nicht? Ich schon. Das gibt es, wenn eine neue Kollegin eingeführt wird. Wenn eine längere Vakanz zu Ende geht und alle das Gefühl haben: Zwischen uns, der neuen Pfarrerin und der Gemeinde, stimmt es einfach.

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Dabei hat so ein Tag durchaus seinen Ernst, wie uns die Lesungen bei der Einführung zeigten: Den »Elenden« solle sie »gute Botschaft« bringen und das »nicht gezwungen, sondern freiwillig«, wird Laura Artes mit auf den Weg gegeben. Dekan Rainer Heimburger suchte dann in seiner Ansprache nach einer typischen Handbewegung der neuen Pfarrerin, was die Älteren - für dieses eine Mal - viel schneller verstanden als die Jungen, ging es doch um Robert Lembke und die Frage nach dem Schweinderl. Da es der erhobene Zeigefinger, die tippenden und auch die betenden Hände nicht sein sollen, bietet er die einladenden Hände als typische Handbewegung an, denn die Zeit des autoritären Handelns seien längst vorbei (auch wenn das noch nicht an jedem Ort der Welt bemerkt wurde). Damit traf er die Wirklichkeit genau, denn offen, freundlich und einladend ist sie, die neue, den meisten dürfte ihr freundlich-einladenes Lächeln im Gedächtnis bleiben.

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In ihrer Predigt erzählte sie von einem Trekking - Urlaub und der Erfahrung, wie schwer ein Rucksack werden kann, wenn man ihn nur lange genug trägt - um dann das Jesuswort auszulegen: »Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken…« Nach einer langen Ausbildung, die auch manche »Druckstellen« verursachte, habe sie das Gefühl, jetzt am rechten Ort zu sein. Was nun noch stattfinden müsse, sei die »Zähmung«, wie sie der Fuchs im kleinen Prinzen beschreibt, denn nur, was wir uns vertraut machen, sei für uns einzigartig.

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Voll war es in der Kirche und warm, trotzdem wurde es nicht zuviel, denn die Redner der Grussworte wussten sich zu beschränken und die Worte wohl zu setzen. Was auffiel: Bürgermeister Schneckenburger hiess Laura Artes in »unserer (!) evangelischen Kirchengemeinde« willkommen, das hört man nicht so oft. Und die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Irmgard Kanzinger, freute sich mit allen Ältesten »mächtig« über Laura Artes Entscheidung, hier zu bleiben.

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Danach traf man sich im Gemeindehaus, um die neue Pfarrerin persönlich willkommen zu heissen. Es wurde eine fröhliche Runde für Jung und Alt, viele blieben da und gratulierten.

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Wir aber, die Kolleginnen und Kollegen im Bezirk, sind an diesem Tag, was unseren Altersdurchschnitt betrifft, merklich jünger geworden. Dass wir das noch erleben dürfen…

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Laura Artes heissen wir in unserem Kreis herzlich willkommen. Ein irisches Sprichwort (es gibt dort nicht nur Segensworte) meint: »Gott hat dir ein Gesicht gegeben, lächeln musst du selber.« Aber das kann sie ja schon, und wie. Philipper 4,5 bekommt da plötzlich ein Gesicht.

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Hellmuth Wolff

 

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