Wochenspruch

Worte zum Tag

Advent: was anderes einläuten

01.12.2012

 Die keksverkrümelte Adventszeit war ursprünglich so was wie vor Ostern: Fastenzeit. Loslassenzeit, Sich-befreien-Zeit, Neue-Wege-wagen-Zeit. Mit dem ersten Advent könnte also nicht nur eine neues Kirchenjahr eingeläutet werden, sondern auch eine neue Sicht auf mein Leben.

Beim Blättern eines evangelischen Magazins bin auf ein seltsames Motto gestoßen: Leben statt kleben. Das hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Denn, wenn ich in unseren Keller schaue ...

Was hat der Advent mit meinem Keller zu tun?

Es geht um die vielen Sachen, die ich im Grunde nicht (mehr) wirklich brauche. Die kann ich natürlich im Keller und in den Schränken stapeln. Dann liegen sie halt dort. Wie sagt man: sie fressen ja kein Brot. Aber sie nagen an meiner Seele! Ich muss mich damit beschäftigen, mir Gedanken machen, weil ich immer wieder auf diesen Ballast stoße.

Manchen Menschen fällt ausmisten und weggeben leicht. Doch ich finde immer wieder ein Argument, warum ich an vielen Sachen hänge:

-    wer, weiß, wann ich es doch brauche.
-    das ist ein Stück Erinnerung.
-    das ist doch ein Geschenk.

Die Chefin der Agentur „Unbeschwert leben“, Birgit Medele, sagt klar, worum es geht:

„Es geht nie um Dinge. Es geht um die Geschichten, die sie erzählen, um Erinnerungen, um Zukunftspläne ... Gegenstände sind Requisiten im Theater unseres Lebens. Wenn wir die Lebensbühne nie abräumen, sind wir dazu verurteilt, alte Vorstellungen zu wiederholen“ (Chrismon 11.2012, S. 13)

Jedes Jahr im Advent sind wir eingeladen, die Bühne unseres Lebens frei zu räumen für eine neue Spielzeit. Das neue Kirchenjahr bietet den Boden dazu, die Bretter, die die Welt (be-)deuten. Darum werde ich das Gefühl nicht los, es muss zuvor aufgeräumt werden. Denn ich möchte leben und nicht kleben. Kleben an Dingen, die meine Seelenkräfte beanspruchen und meine Aufmerksamkeit immer wieder einfordern. Ballast, der meinem Leben die Leichtigkeit nimmt.

Die Krippe im Stall ist das Symbol für einen Ort, der auf das Notwendigste reduziert ist.
Und damit ist er bereit, sich mit dem Neuen erfüllen zu lassen, das in Christus anbricht.

Eine gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen auch im Namen des Bezirkskirchenrates
Ihr Jörg Wegner
Pfarrer in Stegen, 01.12.2012

Zum Archiv

Druckansicht