Wochenspruch

Worte zum Tag

Das Wort Gottes ist lebendig

30.01.2016
Schulze-WegenerDie ersten christlichen Gemeinden hatten es nicht leicht. Es gab keine Institution Kirche, keine theologischen Fakultäten, keinen festgelegten Feiertagskalender und auch noch kein klares Bekenntnis, das als Richtschnur in strittigen Glaubensfragen hätte gelten können. Deshalb wurde in den Gemeinden unterschiedlich geglaubt und unterschiedlich christlich gelebt. Nur eines gab es: das Wort Gottes. Im Hebräerbrief heißt es dazu: „Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidiges Schwert.“ (Hebräerbrief 4,12a) Daran hatten sich alle zu halten. Wobei viele darauf angewiesen waren, dass ihnen andere das Wort Gottes vorlasen, weil sie oft nicht lesen und schreiben konnten.

In dieser Woche jährt sich zum 110. Mal der Geburtstag des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (4.Februar). Da passt der Bezug zum Hebräerbrief gut, denn auch für Bonhoeffer war allein das Wort Gottes richtungsweisend. Mit nur 39 Jahren wurde er am 9. April 1945 auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers hingerichtet. Neben vielen theologischen Schriften hat Bonhoeffer uns einer der schönsten Lieder hinterlassen, die im Gesangbuch stehen und welches zum Jahreswechsel 1944/45 entstanden ist. Zunächst geriet es nach Kriegsende in Vergessenheit, wurde dann aber weltberühmt, vor allem wegen seiner siebten Strophe: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“ (EG 65).

Warmherziger kann man den Glauben an einen gütigen Gott nicht in Worte fassen. Ich staune über solche Gelassenheit, schließlich wurden die Zeilen im Gefängnis geschrieben. Woher kommt ein derartig tiefes Gottvertrauen und auch eine solche Sprachkraft, diesem Glauben Ausdruck zu verleihen? Es wird das „Vertrauen ins Wort“ sein, das auch in schweren Tagen trägt. Ohne Vertrauen gäbe es kein gelingendes Leben. Täglich vertrauen wir dem, was andere uns sagen. Wer seinen Worten allerdings keine passenden Taten folgen lässt, verliert das Vertrauen. Das seiner Angehörigen, seiner Freunde oder auch der Wählerinnen und Wähler. Bonhoeffer hat zum Wert des Wortes Gottes beigetragen, weil er seine Grundüberzeugungen nicht verraten hat, sondern bezeugt hat: Ja, Gottes Wort kann auch in schwerster Zeit ein stabiles Fundament, kann Licht am Ende des dunklen Weges sein. Es ist „lebendig und kräftig“ (Hebräerbrief), weil Gott lebendig und kräftig ist.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine segensreiche Passionszeit!

Ihr Pfarrer Dr. Gernot Schulze-Wegener, Auggen

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