Wochenspruch

Worte zum Tag

"Die Bedeutung des Tages zu spät erkannt"

01.04.2013

 bad news are good news - da verstehen die Pressemenschen schon ihr Handwerk. Schlechte Nachrichten erregen immer größere Aufmerksamkeit, ob es nun um eine Drogenabhängigkeit eines Promis geht oder um eine Massenkarambolage auf der Autobahn. Was hat sich wohl der geneigte Leser bei dieser Überschrift auf der Müllheimer Lokalseite der Badischen Zeitung gedacht? Ein Blick in den Artikel brachte dann die Aufklärung. Der ortsansässige Gewerbeverein hat nicht erkannt, dass zwei Dinge wohl nicht gut zusammenpassen: die Autoschau der neusten Modelle von Genfer Autosalon in der Innenstadt und in der Fußgängerzone verbunden mit einem verkaufsoffenen Sonntag und der Palmsonntag. Erklärend wird ergänzt: "Der Zeitraum sei durch den Frühlingsanfang und die internationale Autoschau definiert, ein Ausweichen nur begrenzt möglich."

Haben Sie vom Osterhasenfest schon einmal etwas gehört? Am Gründonnerstag war im Radio eine Reportage aus Mainz zu hören. Eine Gruppe junger Menschen, eine Schauspielerin darunter mit einem auffallenden Osterhasenkostüm, feierte öffentlich. Sie verbanden ihren Auftritt mit der Aufforderung, aus der Kirche auszutreten. Man wolle sich nämlich von dieser Institution nicht weiter gängeln lassen - sie setzen bewusst einen Gegenakzent: nicht Ostern und Auferstehung, sondern Ostern mit Hasen.

Die Bedeutung des Tages rechtzeitig erkennen - wozu ist das nötig und warum hat das Sinn? Die einen werden sagen: unsere Gesellschaft ist längst nicht mehr vom Christentum geprägt, deshalb ist es nicht nötig, auf den christlichen Festkalender Rücksicht zu nehmen. Viele nutzen den Sonntag gerne zu einem Einkaufsbummel mit geöffneten Geschäften, für sie gibt es keinen Unterschied ob Feiertag oder nicht.

Eine andere Stimme erinnert an die Sinn eines Kalenders, an die Jahreszeiten, an die nicht nur kirchlichen Gedenktage; ihr Rhythmus legt ein Grundmuster in den Jahreslauf, das wie eine äußere und innere Uhr Menschen orientiert und ihnen sagt, was die Stunde geschlagen hat.

Und dann - so sagen die Kirchen - gibt es ein Kirchenjahr und sie halten daran fest: Weil sich darin nicht nur ein wiederkehrender Ablauf findet mit den großen Festen Weihnachten, Ostern oder Pfingsten und weiteren Feier- und Gedenktagen; hierin spiegeln sich zugleich die großen Lebensthemen im Horizont des Glaubens, in der Verbindung mit Gott: Vom Geborenwerden bis zum Sterben - vom Heiligabend bis zum Karfreitag; hier wird die Frage beantwortet: Wie geht es nach dem Tod weiter - vom Karfreitag bis zum Ostersonntag. Woher bekommt man als Gemeinde Inspiration - siehe Pfingsten.

Es ist gut, in einem festen Rhythmen an diese Themen erinnert zu werden - und diese Tage zu stärken, auch einen Palmsonntag, der an den Einzug von Jesus in Jerusalem erinnert und bewusst macht, wie nahe Triumph und Leiden beieinander liegen können, und besondere Tauftage zu feiern und ebenso fest der Verstorbenen im Gottesdienst zu Gedenken.

In diesem Monat werden in vielen Gemeinden die Konfirmationen im Mittelpunkt stehen. Das ist eine gute Nachricht; junge Menschen entscheiden sich dafür, den Weg im Glauben und in der Kirche weiterzugehen - und auf diese Berichte aus allen Regionen unseres Kirchenbezirks freue ich mich schon heute.

Den jungen Menschen und ihren Familien wünsche ich einen unvergesslichen Tag!
Ihr Hans-Joachim Zobel, Dekan
Müllheim, 01.04.2013

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