Wochenspruch

Worte zum Tag

Die Blätter fallen wie von weit ...

01.10.2012

Jörg Wegner, PfarrerHerbst ist so eine Zeit; da kehrt etwas mehr Ruhe ein. Da nehme ich gern die große Teetasse, lege beide Hände um sie, damit die Finger die Wärme aufnehmen. Das sind beste Bedingungen für gute Gespräche.

Manchmal fallen dann die Worte ebenso gelassen wie vorm Fenster die Blätter.

Stille - Ruhe, das sind Sehnsuchtswörter, die immer wieder in solchen Gesprächen auftauchen.

Ich will jetzt nicht auch das stereotype Reden von unserer „schnelllebigen und hektischen Zeit“ im Munde führen. Und ich weiß auch: wenn sich wirkliche Ruhe und Stille einstellen, ist das kein einfaches Geschäft. Für viele sind die Bremswege lang, die in die Stille führen.

WeinlaubUmschalten und Abschalten verwirklicht sich nicht einfach durch weiße Seiten im Terminkalender. Oft begegne ich gerade dann der Unruhe, die nicht durch meinen Alltag verursacht wird. Sie scheint vielmehr zu meinem ureigenen seelischen Inventar zu gehören.

Stille und Ruhe muss darum eingeübt werden. Oft braucht das eine lange Zeit. Ich wünsche mir darum Inseln, wo wir in den Gemeinden das üben können: Stille Zeiten im Gottesdienst, in Andachten, in Sitzungen ...

Was wäre das Ziel? Dass sich von diesen Inseln aus die Stille ausbreitet, nicht jenseits aller Pflichten und Termine, sondern mitten hinein in all mein Tun und Lassen. Wo es mir gelingt, spüre ich, wie mein Alltag eine neue Farbe bekommt - wie das herbstliche Weinlaub vor meinem Fenster, tiefrot und leuchtend.

Jörg Wegner
Pfarrer der Versöhnungsgemeinde Stegen (01.10.2012)


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