Wochenspruch

Worte zum Tag

Die Kirche bleibt im Dorf

01.09.2012

 ein Film, eine Komödie, eine schwäbische noch dazu. So wird das Filmereignis angekündigt und beworben. Ob man damit heutzutage noch Geld verdienen kann und ob man damit abends gar Zuschauer vom Biergarten abhalten kann? Kirche war sich in der letzten Zeit der Aufmerksamkeit sicher, wenn es um Skandale ging, um Missbrauch, um einen ergebnislosen Papstbesuch – Negativschlagzeilen.

Hier jedoch wird geschwäbelt, gestritten – mit wenig Ernst, um den Verkauf einer Kirche an einen Amerikaner, der glaubt, darin einen geheimnisvollen Schatz zu finden. Komik, Slapstick, Witz – alles kommt darin vor. Und am Schluss nach 100 Minuten bleibt die Kirche wirklich im Dorf, wenn auch an anderer Stelle.

"Nur wenn das Dorf in der Kirche bleibt, bleibt die Kirche auch im Dorf" - so hat ein Bischof einen Vortrag überschrieben, keine schwäbische Komödie, sondern das Nachdenken über die kirchlichen Räume. Ein Blick in unsere Städte und Dörfer zeigt eine große Vielfalt. Da gibt es Kirchen, alt und ehrwürdig, wahre Kulturdenkmäler, Symbole evangelischer Tradition und neuere Gebäude, die in den Jahren starken evangelischen Zuzugs errichtet wurden. Es sind Orte, an dem sich die Gemeinde sonntäglich, regelmäßig und verlässlich trifft. Wo die Glocken auch denen, die nicht kommen, sagen, dass jetzt dort gesungen, gepredigt und auch für sie gebetet wird.

"Nur wenn das Dorf in die Kirche geht, bleibt die Kirche auch im Dorf" - doch was ist, wenn viele diese Einladung nicht mehr annehmen? Was hätte das zur Konsequenz, vor allem dann, wenn man mit den zur Verfügung stehenden Kirchensteuergeldern nicht mehr alle Kirchen in allen Dörfern in einem gleichermaßen guten Zustand halten kann? Soll die Kirche dann geschlossen und ihrem Schicksal überlassen werden, wie man es vor Jahrhunderten gemacht hat? Oder sollen sie doch erhalten bleiben, etwa so, dass für sie ein anderer angemessener Verwendungszweck gefunden wird? Sollen Kirchenbesucher längere Wege in Kauf nehmen, um möglichst viele, aber letztlich weniger Kirchen in einem guten Zustand zu erhalten? Wird es dann einen flächendeckenden Abholdienst zu diesen Kirchen geben? Oder werden sich vor Ort Vereine gründen, die für den beständigen Erhalt der Kirchen sorgen werden und so das bisher dichte Netz aufrecht erhalten bleibt?

In der Filmkomödie haben die Dorfbewohner auf unterhaltsame Weise um ihre Kirche gekämpft – mit Erfolg. Denn wenn das Dorf und die Stadt verstärkt in die Kirche geht, dann ist mir nicht bange. Oder welcher Meinung sind Sie? Schreiben Sie mir doch Ihre Gedanken an meine e-mail Adresse, ich werde sie gerne im Kirchenbezirk und in der Landeskirche weitergeben: dekan@ekbh.de

Mit vielen freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Zobel (1. September 2012)

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