Wochenspruch

Worte zum Tag

Die Stadt der Liebe ...?

15.01.2015

 MG 0072„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“ (Heinrich Heine)

An diesem Zitat von Heinrich Heine ist mit Sicherheit viel Wahres dran. Es gibt wohl wenige Städte auf der Welt die so umtriebig sind wie Paris. Das durfte ich zu Beginn des Jahres erleben, als ich zum ersten Mal die französische Hauptstadt besuchte. An den Knotenpunkten der Stadt tummeln sich Menschen aller Kulturkreise. Es werden Fotos geschossen, Souvenirs gekauft, es wird durch Geschäfte flaniert und Schlange gestanden.

An besagtem erstem Wochenende im Januar war das Wetter leider trist und grau, die Spitze des Eiffelturms meist wolkenverhangen. Trotzdem habe ich mich nicht in die Schlangen vor dem Louvre oder Notre Dame eingereiht. Ich war viel zu Fuß unterwegs und habe versucht schöne Plätze abseits des touristischen Trubels zu finden. Ob es nun am Wetter, an der Stadt oder an mir lag, die Stimmung und Atmosphäre die man Paris nachsagt kam bei mir irgendwie nicht an. So trat ich dann nach dem Wochenende die Heimreise mit vielen neuen Eindrücken, aber auch ein wenig enttäuscht an.

Zwei Tage später Eilmeldungen in allen Medien. Terroranschlag ... mindestens 12 Tote ... Grundwerte der Demokratie erschüttert...

charlie-hebdo-anschlag-twitter-solidaritaet-je-suis-charlie-540x304Die Bilder und Nachrichten erschüttern mich und machen mich zutiefst traurig. Diese Ereignisse unweit des Hotels in dem ich noch zwei Tage vorher übernachtet habe sind unbegreiflich. Sie machen sprachlos.

Als ich am Abend des 7. Januar nach einem langen Arbeitstag durch die sozialen Netzwerke surfe, entdecke ich natürlich die Welle der Solidarität aus aller Welt mit den getöteten Redakteuren des Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Unter dem Motto „Je suis Charlie“ bekunde schließlich auch ich noch an diesem Abend meine Solidarität und mein Mitgefühl.

In den folgenden Tagen versammeln sich überall auf der Welt Menschen in stiller Trauer, sie halten Plakate und Bleistifte hoch. Sie schüren nicht den Hass gegen Andersgläubige und Flüchtlinge. Dort stehen Gläubige aller Religionen und Atheisten nebeneinander und zeigen, dass es für solche Gewalt in unserer Welt keinen Platz und keine Rechtfertigung gibt. Sie leben in diesen Momenten das was die Jahreslosung uns aufträgt:

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (Röm 15,7 (L))

Sie zeigen, dass in unserer Welt die Werte Meinungsfreiheit, Nächstenliebe, Toleranz und Akzeptanz nicht nur hohle Phrasen sind und ich hoffe, dass es das ist was von diesen schrecklichen Ereignissen in Erinnerung bleibt. Die weltweite Solidarität von Menschen aller Nationen und Glaubensrichtungen, die für die Erhaltung dieser Werte auf die Straße gegangen sind.

Ihr Oliver Münch 

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