Wochenspruch

Worte zum Tag

E bsundre Schatz

16.02.2016
WolffNo nit lang han i e Lied gfunde, wo’s nümmi in unsi Gsangbüecher gschafft het. Me cha au verstoh, wäge warum: S’ goht um’s älter werde. Wer will denn an so öbbis erinneret werde? Aber de Philipp Hiller het dört mit eifache Wort b’schriebe, um was es goht. Läse Sie emol die zwei Vers:

Wenn dem Verstand, den Augen
die Schärfe nun gebricht,
daß sie nicht viel mehr taugen,
sei Jesus noch mein Licht.

Will mein Gehör verfallen,
so laß dies Wort allein
mir in dem Herzen schallen:
ich will dir gnädig sein!

Wenn me des liest, cha me eigentlich numme no d’ Hildegard Knef zitiere: »Von nun an ging’s bergab!« Git’s denn kaine, wo sich degege stellt? Doch, dä git’s. Im Buech Deuteronomium het me em alte Mose nonemol e Sege in de Mund glegt, wie’s de Jakob doch schon emol für sini Chinder gmacht het. Do heissts für de Asser: »Dein Alter sei wie deine Jugend!«
Won i des gläse ha, han i denkt: Will i des wirklich? Wenn mi Alter wie mini Jugend isch, dann muess i au mit 70 no ne Zahnspange ha, ha mit 75 rätselhafti Stimmigsschwankunge, ha mit 80 no die Logik vo der Pubertät, wo dodemit ufhört, dass i d’ Tür zuknall un rief: »Ihr verstönt mi nit!« Nai, so öbbis muess nit si.

Friener het me gsait: »Du chasch nit de Fünfer uns Weckli ha.« So isch’s mit em älter werde halt au. Me het nit die Chraft vo de Jugend un d’ Weisheit vom Alter. We me cha, wie me will, duet meistens de Chopf no nit, Wenn dä funktioniert, dann cha me nümmi, wie me will. S’ git wohl numme ei Lösig: Dass mir is gegesittig unterstütze und e jed’s Alter öbbis zum Läbe bitrait, e jede, was er oder sie cha. Säll isch allwil besser als warte, das die andere öbbis mache. Me sot villicht dä alti Sege e bitzeli umändere. Nümmi »Dein Alter sei wie deine Jugend«, aber eso: »Au in dim Alter sollsch du di mit de Junge verstoh, demit ihr gegesittig euie Läbe riich mache chönnet.«

’S het jo eine geh, wo für d’ Versönig gläbt het, auch für die Versönig vo de Generatione, vo de Starke un de Schwache, vo de Aggressive und de Liidende, Für dä isch’s am End wirklich bergab gange. De Priis het er aber gern uf sich gno, au ohni, dass er vorher scho gwüsst het, dass des no nit s’ letzte Wort gsin isch über sim Läbe. I mein, s’ dät is alli guet, in de nöchschte Zit wieder neu an en z’denke. Denn goht’s nit bergab un nit degege, sondern »berguff«, halt eso, wie’s zu unserem Alter passt. Do dermit iverstande z’ si, des wär e grosse Schatz.

Ihr Hellmuth Wolff, Hinterzarte

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