Wochenspruch

Worte zum Tag

Ein kleines Zeichen...

01.01.2013

alohfAuf der Autobahn: Das Radio läuft, die Gespräche auch und die Landschaft zieht nur so an uns vorbei. Aber dann leuchten plötzlich viele rote Lichter vor uns und fangen an zu blinken. „Oh nein“ höre ich schon von der Rückbank.

Wir stehen und auch unsere Stimmung scheint stehengeblieben. Aber nicht nur uns geht es so, auch in den Autos neben, vor und hinter uns sehe ich in genervte, wütende und pessimistische Gesichter.

Stehenbleiben fällt uns oftmals schwer. Vielleicht weil uns dort vieles deutlicher wird. Wie eine Kamera können wir dann sehr gezielt einzelnes betrachten. Wir können heranzoomen. Alltägliches, Kleines wieder wahrnehmen: Vielleicht der noch ausstehende Rückruf bei einem Kollegen/einer Kollegin. Eine Pflanze die schon länger auf das Umtopfen wartet. Oder eine Freundschaft, in der das Erzählen immer schwerer fällt.

Das Jahr hat gerade erst begonnen. Vieles nehmen wir aus dem letzten Jahr mit. Vielleicht noch Erinnerungen an die Festtage, Menschen die uns tragen, Begegnungen die uns gut taten und nachwirken. Aber auch Schmerzen die uns nicht loslassen, Geld das fehlt, Beziehungen die kriseln, fehlende Perspektiven.

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht schein jetzt!“ (1. Johannes 2,8)

Im Stehenbleiben kann unsere Seele auftanken. Wir können mehr sehen als unsere unerledigten Aufgaben: Das Lächeln der Verkäuferin an der überfüllten Kasse. Ein Frühstück, bei dem ich Gemeinschaft genießen darf. Eine SMS die mich zum Lachen bringt. Kleine Zeichen, ein kleines Licht.

SeifenblasenWenn ich im Stau stehe, dann lehne ich mich zurück, öffne die Fenster und lasse alle meine Mitfahrenden Seifenblasen pusten. Diese fliegen zu einem Einzelnen auf dem Weg zur Arbeit, der jede Sekunde zählt. Zu dem älteren Ehepaar, das von der Klinik auf dem Weg nach Hause ist und gar nicht weiß was wird. Und besonders viele lasse ich zu dem am Straßenrand pusten, der in seiner Warnweste auf das Abschleppauto wartet und bis jetzt nur genervte Blicke erntete. Oft lachen die Menschen, wenn sie unsere Seifenblasen sehen und dann kann ich es sehen: Das Licht in der Finsternis.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen,
Anna Lohf (Öffentlichkeitsbeauftragte)

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