Wochenspruch

Worte zum Tag

... er blüht am liebsten im Menschen

15.09.2015
Daniela Hammelsbeck„In sich muss man ihn suchen, er blüht am liebsten im Menschen.“ Mit diesem Satz beginnt die jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler einen Brief, in welchem sie blumig-blaue Ausführungen über den Himmel macht. Nicht nur in der Weltliteratur steht der Himmel oft für das, was wir nicht sehen, aber ahnen können. Für Weite und Ewigkeit, die wir nicht fassen, aber hoffen können. Auch die Bibel erzählt von diesem Himmel, der weiter reicht als unsere Erfahrungen von Begrenztheit und Trauer. „Heaven“ sagt die englische Sprache zu diesem Himmel, der mit Liebe, Hoffnung und Gott assoziiert wird. Der profane Himmel, aus dem Regen fällt, den Flugzeuge durchkreuzen und in den Hochhäuser ragen, heißt „sky“.


Manchmal bin ich neidisch auf diese Möglichkeit zur Differenzierung, die unsere deutsche Sprache nicht bietet. In diesem Sommer aber habe ich oft gedacht: Wie schade wäre es, wenn jeder Blick in den Himmel über uns, wenn jeder Blick nach oben nur mit Flugzeugen oder Wolken rechnete. Wie schön ist es doch, wenn Himmel (heaven) und Himmel (sky) zusammenfallen. In den zurückliegenden Sommerwochen habe ich den Himmel ab und zu offen gesehen und eine Weite gespürt, die in mir manches Eingefahrene aufgelockert und sogar verändert hat. Ein offener Himmel, der Leichtigkeit zurückbringt oder Neugierde weckt auf das, was kommt. Ein Himmel, der zugleich weit weg und ganz nahe sein kann. In den Himmel gucken kann schwindlig machen oder ich fühle mich geborgen darunter.

Himmel über Müllheim800x600Vielleicht haben Sie in diesem Sommer ja auch solche Himmelsschau-Erfahrungen gemacht. Am Meer oder über den Bergen, womöglich ist es aber auch schlicht der Himmel hier bei uns zu Hause, der mit seiner blauen Farbe einen Hunger nach Mehr in Ihnen geweckt hat. An manchen Tagen kommt der Himmel zu mir und ermutigt mich, wärmt mich, klärt meine Gedanken, nährt meine Sehnsucht. Ganz bestimmt brauchen wir den Himmel für unser Leben auf der Erde. Und manchmal ist er gar nicht so unerreichbar. „In sich muss man ihn suchen, er blüht am liebsten im Menschen.“

Ihre Daniela Hammelsbeck, Müllheim

Zum Archiv

Druckansicht