Wochenspruch

Worte zum Tag

Es kommt darauf an, was man daraus macht ...

01.08.2013

 Vielleicht kennen Sie den Satz »Da musst du hin!!!« Ich bekomme ihn manchmal zu hören, wenn ich jemand von meinen Urlaubsplänen erzähle. Dann wird rasch aufgezählt, was es in besagter Gegend alles zu besichtigen gäbe. Ich bräuchte mir gar keine eigenen Gedanken mehr zu machen ... Aber unverhofft kommt oft und so gibt es hin und wieder einen »Treffer« unter den gar nicht so sehr erbetenen Tipps.

Das Bild (zum Vergrößern bitte anklicken) ist ein Hinweis darauf. Wer in die Schweiz fährt und dort ins Wallis und sich dann noch in ein Seitental »verirrt«, der kann etwas sehr Überraschendes entdecken: Die Kirche St. Nicolas von Hérémence, fertiggestellt 1971. So etwas würde man an dieser Stelle kaum erwarten und der Neubau war auch nicht unumstritten. Der Architekt meinte, er habe sich einen wie »vom Himmel gefallenen Felsen« vorgestellt, den er nun begeh- und benutzbar machte.

St.NicolasvonHeremenceZwar ist der damals moderne Baustoff Beton heute schon längst wieder abgelöst worden durch Stahl und Glas, aber diese Kirche wirkt immer noch neu und überraschend (»Da müssen Sie hin!!!«). Sie ist zu einem Sinnbild geworden für das, was Christen immer wieder beschäftigt: Der eigenen Tradition - ohne ihren Inhalt preiszugeben - neue Gestalt zu geben. So etwas ist immer umstritten - und oft auch zeitgebunden, trotzdem geht es nicht ohne diese Versuche. Es ist ja auch sonst im Leben so, dass wir nicht alles, was wir an Erfahrungen und Überzeugungen angesammelt haben, konservieren können für den Rest unseres Lebens. Auch hier muss immer wieder an- oder umgebaut, vielleicht auch erst etwas abgerissen oder aufgegeben werden.

Das schaffen wir nicht einfach so, oft braucht es viel Zeit und Mühe. Manchmal ist es erst möglich, wenn wir herausgerissen werden aus unserem Alltag. Vielleicht haben Sie in diesem Sommer Zeit dazu und lassen sich darauf ein. Von dieser Dynamik erzählt auch ein barockes Gedicht. Es stammt von Paul Gerhard (im EG Nr. 503) und dort schreibt er: »Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens werte Blum und Pflanze möge bleiben.« Es geht darum, was in uns wachsen, reifen und Gestalt gewinnen kann. Ob wir Sie dabei als Gemeinden begleiten können - vielleicht finden Sie es heraus.

Gottes Segen für diesen Sommer,
Ihr Hellmuth Wolff, Pfarrer in Hinterzarten (1.8.13)

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