Wochenspruch

Worte zum Tag

Fastenzeit - Verzicht ohne Überforderung

01.03.2014
OP Portrait 2011-1Wir haben Anfang März. Der Beginn des neuen Jahres liegt bereits zwei Monate zurück. Die Erinnerungen an den Jahreswechsel verblassen langsam. Und damit wohl auch die zahlreichen guten Vorsätze, mit denen wir im Allgemeinen das Jahr beginnen. Was haben Sie sich so vorgenommen, was wollten Sie unbedingt gleich noch im Januar auf den Weg bringen oder erledigen? Wollten Sie etwas für Ihre Gesundheit tun?

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass gerade die ersten Monate im neuen Jahr rasch verfliegen, die Tage sind ausgefüllt, das Jahr durchgeplant. Der Urlaub auch. Oder komme ich gar nicht dazu, einen längeren Urlaub am Stück wirklich zu genießen? Manchmal ist die Zeit eine Diebin. Gut, dass im März mit dem Aschermittwoch die Passionszeit beginnt. Die guten Vorsätze haben jetzt eine zweite Chance!

Die sieben Wochen vor Ostern sollen uns innerlich vorbereiten auf das Leiden und Sterben Jesu Christi. Sie sollen uns helfen, innezuhalten, bewusster zu leben. Langsamer, achtsamer, sparsamer. Bewusstes Fasten vor Ostern kann da helfen. Nicht nur aus medizinischen oder ökologischen Gründen. Auch unsere Seele braucht hin und wieder eine Ruhezeit und muss gepflegt werden.

pussy-willow-245247 640Die spirituellen Angebote in und außerhalb der Kirchen sind vielfältig. Manche nutzen die Möglichkeit, sich mit anderen regelmäßig zu treffen, damit sie sichergehen, die Zeit auch durchzuhalten und das gesteckte Ziel zu erreichen. Denn auf etwas, was zur selbstverständlichen Gewohnheit geworden ist, zu verzichten, kann schwierig sein. Verzicht muss eingeübt werden. Und damit niemand überfordert wird, können es kleine Schritte der Veränderung sein.

Ich habe beschlossen, unter der Woche auf jeglichen Fleischgenuss zu verzichten. Das hört sich gar nicht so großartig an, lässt sich aber gut durchhalten und braucht keinen großen Aufwand. Man muss nur irgendwann damit anfangen. Bewusstseinsveränderung ohne Veränderung gibt es nicht. Verzicht ohne Verzicht auch nicht. Und davon reden, planen, ankündigen, reicht nicht. Wirkung zeigt das, was wir tun.

In diesem Sinne verstehe ich die Rede Jesu vom Baum und seinen Früchten in der Bergpredigt (Matthäus 7,17). Dort heißt es kurz und einprägsam: „Ein guter Baum bringt gute Früchte, ein fauler Baum faule Früchte.“ Ja, so ist es, werden wir sagen. Eine Allerweltsweisheit? Ja, aber mit hohem Anspruch an unsere Glaubwürdigkeit im Verhältnis zu anderen Menschen. Ich muss mich daran immer wieder erinnern lassen. Die bevorstehende Fastenzeit bietet dafür eine gute Gelegenheit.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit!

Gernot Schulze-Wegener, Pfarrer in Auggen und Schliengen

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