Wochenspruch

Worte zum Tag

"Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit ..."

15.07.2016
Heimburger RainerJetzt wird dieses Lied wieder in den Gottesdiensten gesungen. Denn: Jetzt ist sie wieder da - die Sommerzeit, in der wir uns an bunten Sommerwiesen und rauschenden Bächlein, zwitschernden Vögeln und prächtigen Blumen freuen.

Ob sich alle so am Sommer freuen können? Wie ist das, wenn einem gerade in diesen Wochen das Herz schwer ist? Paul Gerhardt, der unser Lied im Jahr 1653 gedichtet hat, wußte etwas von dieser Traurigkeit. Für seine Frau soll er dieses Lied geschrieben haben. Sie litt seit vielen Wochen an einer grundlosen Traurigkeit, die wir heute Depression nennen würden. Für sie ruft er nun in jeder einzelnen Strophe ganz unmittelbar die kleinen, alltäglichen Wunder des Lebens ins Gedächtnis.

Mit Liebe malt er alles aus. Die kleinste Blume wird ihm zum Sinnbild des überströmenden Lebens, das uns geschenkt wurde. Ganz unverdient. Wir riechen, hören, sehen, was er beschreibt. Vielleicht hat Paul Gerhardt um das große Geheimnis gewusst, dass wir durch unsere Sinne zum Sinn zurückfinden können. Dieser Sinn kann nur bedeuten, mit Liebe zu antworten auf das Leben in uns und um uns, das uns geschenkt ist.

Traurigkeit und Schmerzen gleichen dann einer harten Schale, die aufbrechen will, um uns mit den Worten Paul Gerhardts für die Bitte zu öffnen: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Wurzeln, die tief hinabreichen und Gewissheit schenken, dass Gott mich liebt.

Einen guten Sommer mit vielen kleinen und großen Entdeckungen wünscht Ihnen Ihr

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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