Wochenspruch

Worte zum Tag

Gott ist wie ein Turnschuh

15.03.2016
Es ist 21 Uhr. Der Jugendkreis neigt sich dem Ende zu. Heute haben wir uns über die Gestaltung der Osterkerze für die Kirche Gedanken gemacht. Ich bin zufrieden. Von den Jugendlichen kamen tolle Ideen und ich bin gespannt, wie sich alles umsetzen lässt. Daran wollen wir in der nächsten Woche experimentieren. Ich bin müde. Jetzt nur noch schnell einige Jugendliche für den Küchendienst motivieren und den Gruppenraum aufräumen. Dann ab nach Hause!

Doch wie so oft passiert genau in dem Moment, in dem ich eigentlich schon innerlich auf dem Heimweg bin, das Highlight des Abends:

AnnikaNickelIch bekomme eine Unterhaltung zwischen zwei Heaventeenslern und einer Teamerin mit, die in ihrer Heimatpfarrei in Freiburg-Haslach Firmunterricht macht. Sie erzählt von einem Erlebnis aus ihrer Firmgruppe. Ihrer Gruppe stellte sie die Frage: „Wer ist Gott für mich? Und wie stelle ich mir Gott vor?“ Nachdem einige klassische Antworten wie „Hirte“, „Vater“ oder „weiches Bett“ gefallen sind, sagte ein Firmling: „Also ich stelle mir Gott vor wie einen Turnschuh. Turnschuhe sind bequem und ich nutze sie fast täglich. Ich kann lange darin laufen und ich bekomme keine Blasen an den Füßen. Sie sind super weich und manchmal merke ich gar nicht, dass ich sie trage, weil sie so gut am Fuß sitzen. Kleine Steinchen oder so was spüre ich nicht, ich kann einfach drüber laufen. Mit Gott ist es genauso: Er ist immer da, auch wenn ich ihn nicht spüre. Hindernisse kann ich mit ihm an meiner Seite gut überwinden. Gott ist alltagstauglich und mit ihm kann ich leicht durchs Leben gehen.“

TurnschuhIch war genauso sprachlos wie die fünf Jugendlichen, die sich mittlerweile um die Teamerin versammelt hatten. Ein 16-Jähriger bringt es auf den Punkt: Gott ist wie ein Turnschuh – alltagstauglich und immer an meiner Seite, auch wenn ich ihn nicht spüre! Nicht einmal 30 Sekunden hat das Statement gedauert. Wahnsinn! Lisa findet ihre Sprache als erste wieder: „Und was ist, wenn seine Füße stinken? Stinkt dann Gott auch?“ Daraufhin kurze Stille. Ich erwarte Lachen, doch nichts kommt. Schließlich sagt einer der Jugendlichen: „Aber dagegen gibt’s ja Fußdeo. Und bei Gott: ein Gebet.“

„Amen!“ sage ich und schicke die Jugendlichen nach Hause – es ist 21.45 Uhr.

Annika Eva Nickel, Gemeindediakonin in Umkirch

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