Wochenspruch

Worte zum Tag

High Noon mit Gott

01.12.2014

oliverzulaufEine Geschichte im Alten Testament berührt mich besonders und ich möchte Sie mit Ihnen teilen. Es ist Jakobs Kampf mit Gott am Jabbok. Jakob ist für mich das Paradebeispiel eines ehrgeizigen Mannes. Einer, der alles unter Kontrolle haben möchte.

Und dann geschieht etwas Ungewöhnliches. Plötzlich stellt sich ihm ein Mann entgegen und kämpft mit ihm bis zum Morgengrauen. Das ist doch interessant: Jakob (übersetzt: Greifer) hat es nötig, zuerst kaputt und am Ende zu sein, um zu Gott zu kommen. Er fühlt seine Schwachheit erst in der direkten Konfrontation mit dem Unbesiegbaren. Der Greifer muss erst selbst ergriffen werden. In diesem „Ergriffenwerden" entdeckt Jakob, dass Gott sich nicht manipulieren lässt. Bei Gott kommt ein Mann an das Ende all seiner Kraft. Und er muss feststellen, dass es viel wichtiger ist, mit Gott statt dem Leben zu kämpfen.

Im Rahmen meinen Jungen-Coach Ausbildung habe ich diesen Sommer auf der Jugendfreizeit ein Boxtraining für Jungs angeboten.

Eine Erfahrung möchte ich mit Ihnen teilen als die Jungs gegen mich oder mit ihren Boxpartnern kämpften. Ich sah in Gesichter, die von Ernst und Entschlossenheit gezeichnet waren, ebenso von etwas Angst und Zögern. Mich ließ der Gedanke nicht los: „Die kämpfen da gerade gar nicht gegen mich. Das ist gerade mehr als eine nachmittagliche Freizeitbeschäftigung.“

IMG 7714Es lag auf der Hand. Hier ging es um wirkliche Kämpfe, die von den Jungs ausgetragen wurden. Den Kampf mit dem Vater, der - in welcher Form auch immer - abwesend ist. Den Kampf um die eigene Rolle in Schule und Alltag und den damit verbundenen Pflichten und Aufgaben. Den Kampf mit den eigenen Unzulänglichkeiten und den Fragen, warum kann ich nicht über meinen eigenen Schatten springen und wer bin ich überhaupt? Enttäuschungen im Familien- und Freundeskreis kamen hier zum Ausdruck und manchmal hatte ich den Eindruck, dass da irgendwie auch mit Gott gerungen wurde.

Eines möchte ich Ihnen noch mitgeben: Diese Momente mit den Jungs sind für mich heilig. Ich sehe sonst nirgendwo in so viele leuchtende Augenpaare und lachende Gesichter, bei allem Ernst, die diese Übungen mit sich bringen. Die Jungs liegen sich erschöpft und stolz in den Armen. Bevor sich der Tag dem Ende neigt, kann ich dann auch meine Botschaft an die Jungs weitergeben: Unser Gott ist ein Gott der Beziehung. Er ist sich nicht zu schade mit uns zu kämpfen. Und vor allem hält er das aus, genauso wie eine deutliche Sprache im Gebet. Ich darf Gott kritisieren, ich darf mit ihm Ringen. Gott will uns fordern, damit wir selbst aktiv werden. Dieser Weg ist nicht immer einfach - aber das hat auch niemand behauptet. Und bei all diesen Kämpfen, bei all dem Wirrwarr bleibt Gott an meiner Seite. Indem er sich mir stellt, mit mir kämpft und mir nicht ausweicht, hilft er mir mein Leben (selbst-)bewusst zu leben.

Wenn ich es schaffe, ein klein wenig dieser Botschaft „meinen Jungs“ zu vermitteln, dann bin ich ganz zufrieden mit meiner Arbeit.

Ich diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Mut eifrig mit Gott „zu rangeln“. :)

Ihr Oliver Zulauf

Bezirksjugendreferent Breisgau-Hochschwarzwald

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