Wochenspruch

Worte zum Tag

„In dem rasenden Getümmel

31.05.2015

schenk uns Glaubensheiterkeit...“ (EG 137,8)

haefele-100pxSie hätten sich ja gleich Ziele setzen und diese tatkräftig umsetzen können. Also keine Zeit vergeuden, sondern sofort ans Werk gehen. Stattdessen erlauben sie sich den Luxus in Klausur zu gehen. Sie ziehen sich zurück - und warten. Es steht nämlich noch was aus, was sie nicht selber machen können und doch dringend brauchen. Denn ohne diese verheißene „Kraft aus der Höhe“ können sie ihren Auftrag gar nicht erfüllen, sondern erzählen den Leuten vielleicht mit kraftlosen Worten recht nette Geschichten.

Und so warten sie – in Klausur. Der Heilige Geist scheint kein eiliger Geist. Es pressiert ihm nicht. Er steht nicht unter Druck – und setzt niemanden unter Druck. Er hat Zeit - bis es die rechte Zeit ist. Uns nervt das – auch in der Kirche. Denn wir stehen unter Druck – unter Erfolgsdruck. Und wir setzen unter Duck – auch einander. 

Doch erst als sie erfüllt sind mit der „Kraft aus der Höhe“, treten sie in die Öffentlichkeit und erzählen freimütig und heiter die Geschichte dieses Einen - und lösen damit Betroffenheit unter den Menschen aus. Ihre Botschaft kommt an. -

Und das alles beginnt damit, dass sie sich zurückziehen - und nicht mal wissen, wie lange sie warten und wie geduldig sie sein müssen. Schon seltsam, dass es denen nicht langweilig wurde oder sie sich nicht auf den Keks gingen…?

Wenn Pfingsten nicht einmalig und also nicht nur damalig ist, dann auch nicht dieses dazugehörige Warten in Klausur auf die „Kraft aus der Höhe“. Sonst werden kirchliche Auftritte in der Öffentlichkeit selber ein Teil im rasenden Getümmel. Denn die latente Gefahr ist auch in der Kirche, dass immer etwas laufen muss – und zugleich vom Leerlauf bedroht ist. Darum immer noch und immer wieder die Bitte: „Komm, heiliger Geist. Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.“

Ihr Werner Häfele
Pfarrer im Kaiserstuhl

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