Wochenspruch

Worte zum Tag

In neun Tagen ist Weihnachten.

15.12.2015
Oh Schreck!, mag mancher denken, der mit den Vorbereitungen noch lange nicht so weit ist. Der Countdown läuft. Die passenden Präsente müssen in völlig überfüllten Einkaufsmeilen der Städte ebenso noch besorgt werden wie der Weihnachtsbaum oder die Weihnachtsgans, die schon lange vorbestellt ist. Schließlich soll zum Fest alles da sein. Es soll uns an nichts fehlen. Schon wegen der Kinder.

Klar. Schließlich feiert man ja nur einmal im Jahr Weihnachten. Dabei ist die Sorge, es könnte uns an kulinarischen Köstlichkeiten, an Geschenken oder an die vielen anderen Äußerlichkeiten etwas fehlen, völlig unbegründet. Wir haben mehr als genug. Wie gesagt: das Äußerliche und Materielle. Mehr als genug ist davon vorhanden. Fehlen tut uns hingegen was anderes: die innere Ruhe und Gelassenheit, sich auf das Wunder der Weihnacht einzulassen. “Seid bereit, seid bereit, denn der König des Friedens ist nicht mehr weit“, so singe ich es öfter mit den Kindern des Kindergartens. Aber sind wir bereit? Sind wir fähig, unser Herz zu öffnen für den, der uns entgegenkommt? Vielleicht denken wir, dass wir zu Gott hin unterwegs sind.

KrippeAber Weihnachten stellt die Suchbewegung auf den Kopf. Es ist umgekehrt: Gott setzt sich zu uns in Bewegung. Er hat in Jesus menschliche Gestalt angenommen, um als Mensch erkannt zu werden. Er hat sich in „niedere Hüllen“(EG 14,1) gekleidet, um als Mensch Seite an Seite mit denen zu leben, die vom Leben nicht viel zu erwarten haben, die auf der Schattenseite der Erde leben und denen das Nötigste fehlt. Auch wenn in der Weihnachtsgeschichte des Lukas von einem Stall nicht ausdrücklich die Rede ist, so ist der Futternapf für die Tiere, die oft mit den Menschen unter einem Dach lebten, doch ein anschauliches Symbol für die Einfachheit menschlichen Lebens. Und die Engel verkündigen die Botschaft vom Retter der Welt nicht zuerst den Aufsichtsräten, Ministern oder Medienmogulen.

Die Weihnachtsgeschichte berichtet von Hirten, die die Botschaft vernehmen, also von den Menschen, die in der sozialen Hierarchie ganz unten standen. Die hören genau hin und setzen sich dann in Bewegung. Dabei kann es ihnen gar nicht rasch genug gehen. In V16 der Geburtsgeschichte steht ausdrücklich, dass die Hirten die Beine unter den Arm nahmen, rannten und sich „beeilten“. Warum? Um das Entscheidende im Leben nicht zu verpassen. Weihnachten hilft uns Abgelenkten, Gestressten und oftmals auch völlig Überforderten, das Lebensentscheidende nicht aus dem Blick zu verlieren. Darum: “Seid bereit!“ -und das nicht nur zur Weihnachtszeit!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein segensreiches und bewegendes Weihnachtsfest!

Ihr Pfarrer Dr. Gernot Schulze-Wegener, Auggen

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