Wochenspruch

Worte zum Tag

Meinen verzagten Mut in die Sonne halten

01.07.2014

DH2-3943Das Licht und die Wärme, die langen Tage und die lauen Nächte, die Farben und die Früchte, das Zirpen und das Zwitschern, die Düfte und Aromen, die unglaubliche Fülle: Mir kommt es jedes Jahr wieder so vor, als ob im Sommer Gottes Liebe überfließt. Als ob sich Gott im Sommer an uns verschwendet. Was für ein Wunder!

Und ist nicht genau der Sommer die Zeit, um Gottes verschwenderischer Liebe nachzuspüren, achtsam hinzuschauen, aufmerksam hinzuhören, genau hinzuriechen? Meinen vielleicht kleinen und verzagten Mut in die Sonne zu halten?

Ich versuche, mir dafür ganz bewusst Zeit und Raum zu nehmen – am besten jeden Tag. Innezuhalten da, wo ich gerade bin, sei es draußen oder drinnen mit geöffnetem Fenster. Zu sitzen oder zu stehen in einer aufrechten Körperhaltung. Zu spüren, wie die Erde mich trägt. Meine Aufmerksamkeit auf den Atem zu richten, wahrzunehmen, wie der Atem einströmt und wieder ausfließt, ohne ihn zu beeinflussen. Die Gedanken und Bedenken einfach einmal auf die Seite stellen – so gut es eben gerade geht. Und dann meine ganze Achtsamkeit auf die Sinne richten: Was sehe ich, was höre ich, was rieche ich, was schmecke ich, was spüre ich – jetzt in diesem Augenblick?

sunflower-296006 1920Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich solche Achtsamkeitsübungen regelmäßig tue, dann geschieht nicht nur, dass ich mich entspanne und gelassener werde. Dass die Gedanken und die Alltagssorgen für einen Moment zur Ruhe kommen. Sondern dann kann auch geschehen, dass ich ins Staunen gerate über die Großartigkeit der Schöpfung. Dass ich mich – für einen kleinen Augenblick – zutiefst verbunden fühle mit Gott und der Weite und Vielfalt seiner Schöpfung. Und auf einmal gehe ich ganz voller Muße mit den Augen spazieren, statt alles mit einem Blick erfassen zu wollen. Lausche den sanften, den leisen Geräuschen. Schnuppere genussvoll auch die zarten Düfte.

Das ist Sommer, das ist Leben, das ist Gottes verschwenderische Liebe, und ich bin mitten drin. Und so mag es sein, dass mein kleiner Mut, derart in die Sonne gehalten, langsam wächst und gedeiht!

Vielleicht haben Sie ja Lust, das auch einmal auszuprobieren?! Aber bitte nicht nur ein einziges Mal, sondern – sagen wir – mindestens 14 Tage lang!

Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim


Zum Archiv

Druckansicht