Wochenspruch

Worte zum Tag

November ...

01.11.2012

kleinAGH100903„Nothing lasts forever, even cold November rain“ – „Nichts währt ewig, nicht einmal kalter Novemberregen“ sang Axl Rose im gleichnamigen Stück der Guns n‘ Roses, ihrer vielleicht erfolgreichsten Hymne. Offenbar haben sie damit einen Nerv getroffen. Manche würden den November am liebsten aus dem Kalender streichen oder einfach überspringen – direkt in die Adventszeit hinein. Oder der November sollte wenigstens das Gewand des goldenen Oktober anbehalten. Doch nothing lasts forever …


NovemberIrgendwann kommen sie unweigerlich, die kühlen, grauen Tage, die Feuchtigkeit, die überall hineinkriecht, der Nebel, der sich auf die Stimmung legt, die Düsternis, die dem Tageslicht immer weniger Raum lässt. Irgendwann kommt sie, die Stille, die nicht willkommene Ruhe oder Melancholie, sondern eher Ahnung von Leere und Tod ist.

Auch im Kirchenjahr bildet sich diese düstere Zeit ab: Katholiken beginnen den November mit Allerheiligen, Protestanten begehen an seinem Ende den Buß- und Bettag und den Toten- oder Ewigkeitssonntag. Und dazwischen liegt der Volkstrauertag, der zwar kein kirchlicher Feiertag ist, aber doch in vielen Gemeinden die Gottesdienste prägt. Alles keine besonders fröhlichen Veranstaltungen.

Aber es ist gut, dass es sie gibt. Ich bin froh, dass auch meine niedergeschlagenen und düsteren Stimmungen im Glauben und im Kirchenjahr ihren Ort haben. Dass das Christentum keine Happy-Go-Lucky-Religion ist, in der ich nicht wüsste wohin mit Trauer, Angst oder Einsamkeit.

Der Glaube lässt all dem Raum, aber er bleibt nicht dabei stehen. Nothing lasts forever … Ein Licht scheint in die Finsternis. Jesus Christus wurde in eine düstere Zeit hineingeboren. Die Menschen sehnten sich nicht von Ungefähr nach einem Retter. Mit seiner Geburt ist die Ewigkeit angebrochen, die am Ende des Kirchenjahres in den Blick genommen wird. Ende des alten und Anfang des neuen Kirchenjahres verschränken sich, verbunden durch Gottes heilvolle Zuwendung. Nothing lasts forever? – Doch: Die Liebe Gottes.

Arnold Glitsch-Hünnefeld
Pfarrer in Britzingen (01.11.12)


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