Wochenspruch

Worte zum Tag

Was Gott alles wachsen lässt...

15.04.2015

Herr Geyer, DekanEr hat Krieg erlebt, 30 Jahre lang; er hat um seine Frau und um seine Kinder getrauert. Als Gegenmittel gegen Frust gibt er sich und uns einen Rat: „Geh aus mein Herz und suche Freud“.

Der leidgeprüfte Mann schaut sich im Dorf und auf den Feldern um. Er sieht: Die Bäume bekommen Blätter, Narzissen und Tulpen blühen. Der Weizen kommt für die neue Ernte aus dem Boden, die Nachtigall singt und die Lerche vollführt Flugkunststücke. So Paul Gerhardt in seinem Lied, das Sie im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 503 finden.

Jeder Spaziergänger, der auf's Detail achet, staunt, auch Paul Gerhardt: „Des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen“. Seine Begeisterung lässt ihn singen (Strophe 8).

Der Spaziergang ist für den Witwer mehr als eine Flucht in eine heile Welt, in die Welt des Frühjahrs und Frühsommers. Er sieht: Gott lässt diese geschundene Welt und ihre Menschen nicht im Stich – Gott lässt das Leben aufblühen. So geht sein Blick noch weiter: „Ach, denk ich, bist du hier so schön auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden“ (Strophe 9).

flower-234982 1280Diese Aussicht auf eine Welt ohne Tod und Schmerzen lockt den Dichter; sein Leid verleitet ihn zum Gedanken, aus dieser Welt zu fliehen „O stünd ich schon, du süßer Gott, vor deinem Thron“ (Strophe 11). Aber er nimmt die Kurve: Er schaut und achtet Gott, der geschaffen hat, was er bestaunt. Er merkt: Auch ihm hat Gott das Leben gegeben. So bittet er: Er möchte selbst ein Teil der aufblühenden Erde werden, die Gott die Ehre gibt.

„Mach in mir deinem Geiste Raum,

dass ich dir werd ein guter Baum,

und lass mich Wurzel treiben.

Verleihe, dass zu deinem Ruhm,

ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben.“ (Strophe 14).

Ich wünsche Ihnen gelungene Spaziergänge mit dem Lied von Paul Gerhardt

−    durch die Dörfer und Felder

−    und durch seine Gedanken vom Aufblühen der Gärten hin zu Gott und seiner Zukunft sowie zurück zum Leben, in dem er ein „Gewächs Gottes“ sein möchte – so seine Bitte.

Ihr
Friedrich Geyer

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