Wochenspruch

Worte zum Tag

„weil jeder von uns einmal Hilfe braucht“,

15.06.2015

Rolf lachend 2Es ist ein Moment, der berührt, weil er die Würde des Menschen preist. Das Plakat der diesjährigen Woche der Diakonie hält ihn fest.

Zwei Frauen kommen da einander nahe. Von alterswegen könnte die eine mühelos die Mutter der anderen sein. Ihre rechte Hand liegt in der der jüngeren, die sie stützt – und sie lächelt ...

Ich möchte dieses Bild gerne all denen zeigen, deren größte Angst es ist, einmal auf Hilfe angewiesen zu sein. Die Selbstständigkeit – daran allein messen viele den Wert des Lebens insbesondere im Alter.

Wo wir doch alle miteinander zutiefst bedürftige Wesen sind vom ersten Atemzug an - und es bleiben bis zum letzten. Zeichnet das nicht unsere von Gott geschenkte Würde aus ...?

 Die ältere Frau jedenfalls scheint sich in diesem Moment in den Händen der anderen gut aufgehoben zu fühlen. Denn die wendet sich ihr zu, bietet die Hand an, schenkt ihr buchstäblich Ansehen ... und lächelt ihrerseits. Weil wichtig ist, was sie tut; weil sie Halt geben, stützen und begleiten kann; weil sie´s gerne tut - und „weil jeder von uns einmal Hilfe braucht“, wie´s auf dem Plakat in großen Lettern zu lesen ist. Wie wahr ...!

So setzt diese Momentaufnahme auch das Selbstverständnis diakonischen Handelns in der Nachfolge Jesu anrührend ins Bild, wohlwissend, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht immer deckungsgleich sind. Die Frau, die die Hand reicht, steht dabei nicht nur für die hauptamtlich Tätigen, sondern auch für die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich für die Diakonie engagieren, weil im Geben großer Segen liegt.

Unwillkürlich denke ich an einen Satz, der auf dem Kirchentag in Stuttgart zitiert wurde, die Bilanz eines Lebens: „Das einzige, was mir geblieben ist, ist das, was ich verschenkt habe.“

Rolf Kruse,
Pfarrer in Bad Krozingen


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