Wochenspruch

Worte zum Tag

"Wisst ihr noch, wie es geschehen?

15.01.2014

haefele-100pxNatürlich ist schon wieder einiges geschehen – im neuen Jahr. Obwohl erst vor ein paar Wochen, scheint die Hürde „Jahreswechsel“ schon ziemlich hinter uns zu liegen. Und wie der Jahreswechsel, so erst recht Weihnachten. Fast schon wieder vergessen. Oder war da überhaupt etwas - Entscheidendes? 

Nach dem Karussell der Feiertage fordern die Dinge des Alltags wieder ihr Recht und nehmen in Beschlag – und lassen kaum Raum und Zeit, um etwas nachklingen zu lassen. Es müssen ja nicht unbedingt Hiobsbotschaften sein, die sich einander abwechseln. Aber meist überlagert und verdrängt eins das andere – im zunehmend schneller fließenden Fluss der Zeit. Versinkt und verliert sich im Vergessen. Müssen wir deshalb so viel „festhalten“ und zwanghaft „dokumentieren“?

Zugleich gibt es Geschehnisse, die sich tief eingraben in unser Leben und uns so schnell nicht oder gar nie mehr loslassen. Sie belasten oder beflügeln. Sie geben zu denken oder machen zu schaffen. Sie sind vielleicht längst vergangen – und doch immer gegenwärtig. Dazu gehören Geschehnisse, die mich unmittelbar berühren oder auf die ich mich bewusst einlasse - und die dann zu Begegnungen werden. Sind nicht sie das Entscheidende in meinem Leben?

Ganz gewiss hat dies meist mit Menschen zu tun – für mich darum auch mit der Menschwerdung Gottes in der Geschichte des Menschen Jesus von Nazareth. Deren Beginn haben wir an Weihnachten „erinnert“ - wie jedes Jahr. Wohl auch deshalb jedes Jahr, damit dadurch etwas immer mehr in unser Menschsein eingeht und unsre Menschwerdung bestimmt. Ganz gewiss in Konkurrenz zu vielem anderen, was sonst alltäglich in uns eingeht und über uns bestimmt. Aber wenn wir uns nur dem überlassen…?

Natürlich liegt auch Weihnachten als Termin schon wieder einige Wochen zurück – und doch ist dies Geschehen der Menschwerdung Gottes an keinen Termin gebunden - auch nicht in der Vergangenheit. Hat es sich doch an unser menschliches Leben gebunden – und ist darum bleibende Gegenwart. Auch wenn wir's immer wieder vergessen – über vielem, was auch dieses Jahr noch geschehen wird!

Werner Häfele, Pfarrer im Kaiserstuhl

 

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