Wochenspruch

Worte zum Tag

Z’ schwierig?

01.09.2016
Wolff Hellmuth neuI weiss nit, was Sie in de Ferie gmacht hen. Villicht isch’s Ihne so gange wie mir. In eme Buech us eme Schwizer Verlag han i e Charte gfunde, wo druf gstanden isch: »Sie haben es geschafft, Sie lesen ein Buch.« E bitzeli frech, aber wer weiss, ob mir des nit au mängmol bruche. Immerhin sage no vieli, sie läse in ihrer freie Zit gern e guetes Buech (das eine au schlechti Biecher liest, han in no nie ghört, die werde numme verkauft). Wellewäg, hauptsach öbber liest und teilt uf die Art Gedanke mit öbber anderem. Zum Bispiel dä:

In sinem Buch ›Parlando‹ (wo alle Kirchzartener läse sotte, wil sie au drin vorchömme) losst de Bodo Kirchhoff e Staatsanwältin zum Beschuldigte, wo auch Drehbiecher schribt, sage: »Wie da ihr Detektiv …neben der Mädchenleiche steht, sich fragt, warum Gott so etwas duldet, und da ausgerechnet der Mörder hinzutritt, die Frage beantwortet: ›Gott liebt uns so sehr, dass er sich nicht einmischt‹ - ganz schön kühn.« … und ich sagte, Ursprünglich hieß die Antwort des Mörders Die Welt ist zu schwierig geworden für Gott - was auch meiner persönlichen Auffassung entspricht, aber dieser Satz wurde natürlich gestrichen, eine magere, kettenrauchende Redakteurin nahm ihn einfach heraus, und so schrieb ich etwas von Liebe, und zack, war es gut. (S. 66)

Mir lehre: Öbbis mit Liebi goht schint’s immer, au wenn eine de Liebi nümmi viel zuetraut. Mir lehre au, dass de Bodo Kirchoff meint, Gott sig überforderet. Aber mit was? Wil er nit genau des macht, was Mensche vo ihm wän, was nit numme denn schwierig isch, wenn zwei gegnerischi Mannschafte vor em Match bäte: »Gott, loss uns gwinne!« Jede het halt sie eigeni Vorstellig dervo, was Gott grad mache sott und wenn Gott ihm si Rueih lo sott. Aber solchi Gegesätz g’höre au zu unserem Läbe, wäge däm bätet die eine: Gott, loss morn schön Wetter si, mir wän go wandre und Buure bäte, loss doch wieder regne, de Mais isch scho ganz vertröchnet uf de Felder. Säll weiss i gwiiss, das es kompliziert isch, wenn mer für alles wot Gott verantwortlich mache.

Uf de andere Site wüsse Sie so guet wien i, dass es meischtens kei sinnvolli Antwort git uf die Frog, warum öbbis passiert oder au nit (warum Gott öbbis zuelosst). Wil i nit zu dene g’hör, wo immer wüsse, was »Gottes Wille« isch un was nit, muess i’s denn anderscht mache. Für mini Froge und Zwifel blibt mir s’ Gspöch mit Gott und dann halt säll alti, gueti Buch, wo vieli hän, wo aber die Charte nit finde würde, wo druf stoht »Sie haben es geschafft …«. Wer aber einewäg drin liest, wird dört unsi Welt un alli unsi Widersprüch ganz guet bschriebe finde, oftmols au ohni direkti Antwort oder Erklärig. Besser isch, me macht sich dann sini eigene Gedanke und schwätzt über die mit Gott. Un i ha gar kei Angscht, dass do nüt debi usechunnt. S’brucht halt e weng Zit (wo mir oft nit hän oder nit wän ha), wäge dem heisst’s in dem guete alte Buech au: »Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt (erobert)« (Sprüche 16,32). I denk, i cha nit alles wüsse und numme wenig Problem löse, aber i cha mit Geduld, mit Nochdenke und Vertraue e Weg für mi finde. Säll alti gueti Buech hilft mer derbi.

Herzlichi Griäss us Hinterzarte,

Hellmuth Wolff


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