Lernschlaf - persönliche Randnotizen

Frustrierte Lehrer? Reizüberflutete, handysüchtige Schüler, die nur noch müde sind? Vergessen Sie’s, denn hier kommt der Lernschlaf. Man nehme: müde Schüler, einen ratlosen Lehrer, für 10 Minuten macht der den Unterricht allein, stellt seine Fragen und beantwortet sie gleich selbst, die Schüler dürfen inzwischen schlafen. Was passiert? Einige schlafen wirklich, andere sagen, sie hätten noch nie so gut zugehört! 
Das Leben ist widersprüchlich, das Lernen auch. Wenn ein Lehrer nur das hören will, was er vorher gesagt hat, dann bekommt er eben nur ein Echo, aber wenn die Schüler etwas verarbeiten und selber sagen können, dann bekommt er Resonanz. 
So eine Klasse ist ein bunter Haufen (na ja, wissenschaftlicher wäre Heterogenität, ich weiss) mit den unterschiedlichsten Schülern, dem Durchschnitt, denen, die voraus sind von ihrer Entwicklung her und denen, die (noch) hinterherhinken. Wie soll man denen allen auf einmal gerecht werden? Nun, es fängt mit besagter Resonanz an, dass Lehrer darauf hören, was da mitschwingt bei den Schülern. 
Wie man diese Resonanz überhaupt erst bemerkt und zulässt und sie dann fruchtbar macht, das brachte uns an diesem Tag Wolfgang Endres aus St. Blasien nahe, der zusammen mit dem Soziologen Hartmut Rosa ein Buch darüber geschrieben hat. 

Rosa meinte dazu in einem Interview mit SWR2 auf die Frage: 
Aber wie soll der Lehrer eine Stimmgabel sein, er ist doch zumeist überlastet, vielleicht genervt von 35 Schülern? 
Natürlich ist Schule häufig Entfremdungszone, in der Lehrer das Gefühl haben, sie erreichen die Schüler nicht, ihnen sagt der Stoff nichts mehr. Ja, das gibt es, aber auch die umgekehrte Erfahrung: Lehrer lassen sich auf das ein, was die Schüler ihnen erzählen, was sie fragen. Es ist eine große Kunst, auch im Unterricht das Abwegige, Plötzliche zuzulassen, da lässt sich der Lehrer ein auf die Stimmung und die Bedürfnislage des Schülers, er wird zur Stimmgabel, und das ist eine große Kunst. Als Lehrer sollte man nicht immer nur auf die richtige Antwort setzen, sondern man sollte solche Freiräume für Resonanz schaffen.


Dazu gibt es weitere, einfache Regeln, die wir »eigentlich« kennen und doch nicht immer präsent haben oder beherzigen, wie z.B.:

Nie öffentlich kritisieren, aber immer öffentlich loben und Kritik nur unter 4 Augen und in gedämpfter Tonlage… Da wäre dann auch Kritik leichter zu hören. 
Ein weiteres »Geheimnis« gelingenden Unterrichts besteht nach Endres darin:
Das A und O ist die Erwartung, selbst etwas bewirken zu können, das gelingt, wenn das, womit ich mich beschäftigen soll, verstehbar, mir wichtig und handhabbar ist. 

Und da wären noch ein paar Weisheiten, die nicht zu vergessen wären: 


»Der grosse Weg ist einfach, aber Menschen lieben Umwege« (Laotse)
»Wichtig ist, dass Menschen nie aufhören zu fragen« (Einstein) 
und, für manche völlig überraschen: 
»Wohlbefinden und Verbundenheit werden gesteigert, wenn es uns gelingt, dankbar zu sein.«

Wer neugierig geworden ist, lese einfach mal nach bei: Rosa / Endres, Resonanzpädagogik

Ich aber bedanke mich einfach bei unserem Schuldekan für diese gelungene Fortbildung.

Hellmuth Wolff, Hinterzarten 

 

Noch was? Klar doch: 

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.
Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.
Denn schliesslich:
Die können sollen, müssen wollen dürfen.

 

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