Wochenspruch

Worte zum Tag

Im Warmen und in Sicherheit?

27.03.2017

Bezirkssynode in Staufen 

Die Fahrt zur Bezirkssynode im März 2017 nach Staufen führte noch durch den Frühnebel, doch während des die Tagung eröffnenden Gottesdienstes lichtete sich der Nebel und die noch etwas verhaltene Frühlingssonne tauchte alles in ein freundliches Licht. Ob das an diesem Tag auch so sein würde, wenn über das Liegenschaftsprojekt der Landeskirche gesprochen wird, würde sich noch zeigen müssen.

MG 0486 Herr Gekeler stelle die Gemeinde Staufen vor 

MG 0490 Gottesdienst zum Auftakt

Den Auftakt bildete der Vortrag des bald nach Württemberg emigrierenden Oberkirchenrates Stefan Werner über das »Liegenschaftsprojekt der Landeskirche«. Dabei geht es um die zentrale Frage: Welche kirchlichen Gebäude benötigen wir für die inhaltliche Arbeit und können wir uns nachhaltig leisten? Darauf eine gute Antwort zu finden sei für ihn eine Frage der Generationengerechtigkeit, denn die heutige Generation solle nicht den kommenden Generationen ihre Lasten auferlegen. Das Liegenschaftsprojekt ist auf 5 Jahre angelegt.

MG 0493 Oberkirchenrat Werner

Werner begann mit der These, dass die Kirche nicht im Geld schwimme, trotz der guten Konjunktur, jedenfalls dann nicht, wenn die Zahlen inflationsbereinigt seien. Tatsache sei, dass die Kirchensteuer mit der Entwicklung der Personalkosten und auch der Baukosten nicht standhalten könne. Verschärfend käme noch der Mitgliederschwund hinzu, wobei hier die demografische Entwicklung viel dramatischer wäre als die Verluste durch Kirchenaustritte. So verliere die badische Landeskirche derzeit jährlich ca. 10.000 Mitglieder.

Ein hoher Anpassungsdruck rühre daher, dass viele Gemeinden ihre Haushalte nicht mehr ausgleichen könnten. Wenn sich die Gemeinden nun von Gemeindehäusern trennen müssten, würde aber nicht das »Tafelsilber verscherbelt«, da das Geld nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werde, sondern dafür, dass Gemeinde ihre Sitauation so verändern sollen, dass sie ihren Haushalt wieder selbst bedienen könnten.

Auch der Reformator Luther lieferte ihm Argumente für sein Programm, denn Luther meinte in seiner »Thorgauer Predigt«, dass es keinen Grund gebe, Kirchen zu bauen, als dass Christen zum Gottesdienst zusammenkommen. Wenn es diesen Grund nicht mehr gebe, solle man die Häuser abbrechen.« Das gelte für Werner sinngemäss auch für die Gemeindehäuser.

Nun werde in jedem Bezirk ein sog. Gebäudemasterplan erstellt. Dafür würden genaue Gebäudedaten erhoben. Auch die Raumplanungsdaten des Landes würden berücksichtigt. Diese Daten werden als Entscheidungsgrundlage dem Kirchenbezirk übergeben.Der Bezirk erstelle dann den Gemeindehausflächenplan und kann dabei Schwerpunkte setzen, an welchen Orten Flächen über dem Soll gebraucht würden. Grundsätzlich sei es sinnvoll zu kooperieren, mit anderen Gemeinden und auch mit den röm.-katholischen Gemeinden.

Im Stich lassen will die Landeskirche ihre Gemeinden nicht, der ganze Gebäudeprozess werde moderiert, dafür stünden qualifizierte Leute zur Verfügung. Dabei soll das Fachwissen der Christen vor Ort, im Bezirk genutzt werden, die an den Bedürfnissen ihrer Region näher dran seien als die Verwaltung im Oberkirchenrat. Immerhin, Christen in anderen Regionen unserer Welt wären froh, wenn sie nur unseres Probleme hätten. So kann dieser Veränderungsprozess, auch wenn er schmerzhaft werden wird, doch im Warmen und Trockenen geschehen.

MG 0494Dietmar Bader, Vorsitzender der Bezirkssynode

Neben diesem grossen Thema gab es noch anderes für die Synode zu erledigen: Pfarrer Friedricht Geyer aus Stegen wurde für Pfr. Stefan Boldt in den Bezirkskirchenrat gewählt.

MG 0506Friedrich Geyer

Pfarrerin Drape-Müller aus Breisach berichtet über den bevorstehenden Besuch aus der Partnerkirche in Kamerun. Hier werden noch Übernachtungsquartiere gesucht.

MG 0498Frau Drape-Müller

Der Diakon und Beauftragte für die Flüchlingsarbeit, Detlev Theobald, stellte seine Arbeit vor. Am 13. Mai soll in Krozingen die Gründung des »Forums Courage« erfolgen, damit nicht nur die lautstarken von Rechtsaussen gehört werden, sondern auch die, die geflohenen Menschen bei uns integrieren wollen.

MG 0504 Herr Theobald

Kein Glück hatte Detlev Theobald indes mit einer Resolution gegen die Abschiebung nach Afghanistan, das neuerdings von der Politik als »sicheres Herkunftsland« bewertet werde. Da die Resolution direkt in die Verhandlungen der Synode eingebracht wurde, monierten einige Synodale, dass diese Entscheidung nicht richtig vorbereitet wurde und sie zu wenig Argumente und Informationen bei der Hand hätten, was ihnen eine Entscheidung jetzt verunmögliche. So blieb nichts anderes übrig, als die Abstimmung über die Resolution, die unserer Landesregierung überreicht werden sollte, zu vertagen. Dabei wurden die unterschiedlichen Meinungen nicht unter den Teppich gekehrt. Eine Synodale sprach es laut aus: Wir leben hier in Sicherheit und sitzen in einem warmen Gemeindehaus, aber da draussen sterben Menschen oder müssen fliehen. Wie könne man da so eine Resolution verschieben? Immerhin schlugen die, die sich überrumpelt fühlten, einen Kompromiss vor, nachdem eine überarbeitete Resolution in den Gemeinden beraten werden solle.

MG 0507Frau Rau

Schliesslich stellte sich noch Lydia Rau, Lehrerin und Inklusionsberaterin des Dekanates vor. Sie wollen gerne unterstützen, wo es Probleme mit Kindern gebe, die einen »erhöhten Förderbedarf« hätten. Sie wolle helfen, dass wir die Signale der Kinder deuten können und lernen, wie wir richtig auf sie eingehen könnten.

MG 0508Herr Schwerer

Herr Schwerer vom Diakonischen Werk informierte über den Diakonieverband, der nun bald gegründet werden könne.

MG 0509Herr Zulauf

Und schliesslich informierte uns Oliver Zulauf noch einmal, wie mit neuen Massnahmen, die Kinder und Jugendliche vor Übergriffen schützen sollen, umzugehen sei.

Am Ende der arbeitsreichen Sitzung kehrten sie Synodalen an einem freundlichen Tag wieder in ihre Gemeinden zurück, auch wenn sich anders als beim Wetter, nicht alle Nebel gelichtet hatten. Warm und sicher haben sie es dabei allemal.

hw

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