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Synode setzt im nächsten Doppelhaushalt Zeichen für Familienzentren, KITAS und Integration

27.10.2017
Das „Leben aus der Quelle“ mit neuen Gottesdienstformaten, die Einrichtung von 50 evangelischen Familienzentren in Baden und ein bedarfsgerechter Kita-Ausbau sowie die Fortführung der Integrations- und Begleitangebote in der Flüchtlingsarbeit bis ins Jahr 2021 standen im Fokus der Herbsttagung der badischen Landessynode.

Die 75 Synodalen bewilligten die Ausgaben im Rahmen der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2018/19. Bereits am Mittwochabend hatte die Landessynode die für Finanzen verantwortliche Geschäftsführende Oberkirchenrätin Barbara Bauer verabschiedet, die zum Jahresende in den Ruhestand geht.

Mit 2,35 Millionen Euro wird die Evangelische Landeskirche in Baden in den Jahren 2018/19 den Auf- und Ausbau von Familienzentren fördern. „Dafür liegt uns ein gutes, ausführliches und fachkundiges Konzept vor“, lobte die Synodale Doris Daute, Kirchenbezirk Emmendingen. Die Familienzentren sollen die Begegnung von Menschen verschiedenen Alters, unterschiedlicher Herkunft, Biografie und Weltanschauung ermöglichen und auch Räume schaffen für spirituelle Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit Glaubensfragen. Wohnortnah soll so eine familienunterstützende Infrastruktur entstehen, die alle Menschen bis in ihren Alltag hinein fördert. Bereits im Frühjahr hatte die Landessynode 2,84 Millionen Euro für ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des evangelischen Profils in den Kindertageseinrichtungen der Landeskirche bereitgestellt. Dass entgegen früherer Prognosen die Zahlen von Kindergartenkindern in einigen badischen Regionen nach wie vor steigen, hat die Landessynode außerdem dazu veranlasst, 5,65 Millionen Euro zum Aufbau weiterer Kindergartengruppen für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung zu stellen.

Eine „Gottesdienstkonzeption für die Evangelische Landeskirche in Baden im 21. Jahrhundert“ verabschiedete die Landessynode auf dieser Herbsttagung nach einem mehr als zweijährigen Prozess. Erfreut habe die Synode festgestellt, „dass in unserer Kirche vieles in Bewegung ist, auch beim guten alten Gottesdienst“, sagte der Synodale Theo Breisacher aus Spielberg. Im Jahr 2015 war das damals sogenannte Perspektivpapier „Leben aus der Quelle“ erstmals vorgelegt worden. „Es fußt auf der Erfahrung und der Grundüberzeugung, dass unterschiedliche Intensitäten, Rhythmen und Orte der Teilhabe an Gottesdiensten allesamt sinnvolle Formen christlichen Lebens darstellen“, hatte der für Verkündigung verantwortliche Oberkirchenrat Matthias Kreplin bereits damals erläutert. Bezirkssynoden und Pfarrkonvente in ganz Baden erarbeiteten inzwischen weitere Maßnahmen und Bedarfe. Diese flossen in die neue Grundkonzeption ein. Die Synodalen seien sich darin einig, „dass es sich bei ‚Leben aus der Quelle 2.0‘ um ein richtig gutes Konzept handelt, das die Unterstützung aller verdient“, betonte der Synodale Breisacher. Als nächstes gehe es um eine angemessene Ausstattung für die Umsetzung.

Mit insgesamt 6 Millionen Euro bis 2021 verlängert die badische Landeskirche ihr Engagement für die Integration von Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind. Für die Jahre 2016 bis Ende 2018 hatte der Landeskirchenrat, ermächtigt von der Landessynode, 11,2 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit und die Begleitung ehrenamtlich Engagierter bewilligt. Die Arbeit in den Kirchenbezirken werde nun auch über 2019 hinaus nachhaltig gewährleistet“, begrüßte der Synodale Thomas Schalla aus Karlsruhe. Das nun neu bewilligte Maßnahmenpaket reagiere auf die veränderte gesellschaftliche Situation und nehme sowohl die Arbeit mit Geflüchteten als auch die dauerhafte Integration von Migranten „miteinander in den Blick“, so Schalla.

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh zeigte sich „dankbar, dass die Landessynode es den Gemeinden und diakonischen Initiativen ermöglicht, ihre intensive Flüchtlingsarbeit weiterzuführen“. Der Landesbischof betonte, die Kirche sei „sehr froh, wie viele Menschen sich in diesem Feld kompetent, geduldig und mit hoher Verbindlichkeit engagieren. Integration bleibt eine langfristige Zukunftsaufgabe, für die wir als Kirchen eine besondere Verantwortung tragen.“ Die badische Landeskirche werde sich außerdem dafür einsetzen, dass die Bedingungen für die Aufnahme von Flüchtlingen sich auch unter der neuen Regierung nicht verschlechtern. „Besonders wichtig für die Integration ist vor allem ein verlässlicher Familiennachzug“, so der Landesbischof.

Insgesamt hat der nun von der Landessynode verabschiedete Doppelhaushalt der badischen Landeskirche ein Volumen von 465 Millionen Euro für 2018 und 477 Millionen Euro für 2019. Rund 75 Prozent der Einnahmen tragen die 1,2 Millionen Mitglieder der badischen Landeskirche mit ihren Kirchensteuern bei. „Ihnen gebührt als erstes unser Dank dafür, dass sie so selbstverständlich Teile ihres Einkommens zur Verfügung stellen“, hatte Oberkirchenrätin Barbara Bauer bereits bei der Einbringung des Haushalts betont. Ihr wiederum dankte der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Ekke-Heiko Steinberg, bei der Verabschiedung des Haushalts 2018/2019 dafür, dass sie es „immer wieder verstanden habe, selbst komplexe Sachverhalte präzise darzustellen“. Dies habe der Synode stets die erforderlichen Entscheidungen erleichtert.

Die seit 2002 Geschäftsführende Oberkirchenrätin Barbara Bauer tritt zum Jahresende in den Ruhestand. Die Landessynode nutzte ihre Herbsttagung deshalb auch, um sie zu verabschieden. Im Namen der badischen Landessynode dankte Vizepräsidentin Thea Groß der Oberkirchenrätin für Transparenz, gute Beratung und „das Öffnen neuer Wege“. Synodalpräsident Axel Wermke betonte, Barbara Bauer sei „nicht immer bequem“ gewesen, aber das sei auch nicht zu erwarten von „Finanzministerinnen“. „Sie hatten stets das Wohl der ganzen Kirche im Blick“, dankte Vizepräsident Thomas Jammerthal.

Mit Blick auf den Start eines bereits bewilligten Projektes zum 1. Januar 2018 hatte die Landessynode sich in einem Studiennachmittag dem Thema Mitgliederorientierung gewidmet. Hintergrund ist das Bemühen, die Kontakte zu wenig aktiven Kirchenmitgliedern zu intensivieren. Oberkirchenrat Matthias Kreplin warb um Verständnis für diese „distanzierte Kirchlichkeit“. Viele Menschen würden zwar nicht an kirchlichen Angeboten wie Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen teilnehmen, fühlten sich in der Kirche aber dennoch beheimatet, sagte Gernot Meier, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Baden. Zudem sicherten sie die finanziellen Ressourcen der Kirche. Die Landessynode beriet das Thema in sieben Workshops zu unterschiedlichen Aspekten und plante weitere Schritte.

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