Wochenspruch

Worte zum Tag

Anderscht halt

30.08.2015

WolffD’ Ferie sin bald umme. Mir sin die Letzschte, aber numme fascht. S’ git no d’Bayern, die sin die Allerletzschte (nai, nit s’ allerletzscht), also wenn’s um d’ Ferie goht, suscht sin sie gern die Erschte. Me waiss nit, warum sie zwei Täg länger Ferie mien mache wie mir. Aber schients muess es so si. Schient’s goht’s ne ums Prinzip.

Was mi Wunder nimmt, wil sie gern Politiker wähle, wo keini Prinzipie hän, sondern sottigi, wo all Nas lang ihri Meinig ändere: Für d’ Stromtrasse, gege d’ Stromtrasse un so witer. Villicht meint me dört, wenn sie öbbis anderscht mache als alli andre, dann sin sie öbbis B’sundres.

Wege zwei Täg? I frog mi jetz, ob me denn wirklich öbbis Bsundres isch, wil me öbbis anderscht macht als andri. I denk nit. Oder villicht doch? Passe Sie mol uf: Am 6. September isch d Todestag vom Matthias Waibel. Vor 490 Johr ischer gstorbe (worde). Was, dä chenne Sie nit? Also denn:

Matthias Waibel war Priester in Kempten. In seinen Predigten vertrat er immer deutlicher die Lehren von Martin Luther und wandte sich gegen den Ablass. Nachdem aufrührerische Bauern das Kloster geplündert, dessen Bibliothek vernichtet, dazu die Altäre der Kirche zerstört hatten, sollte er seines Amtes enthoben werden, aber die Gemeinde stützte ihn. Schließlich wurde er unter einem Vorwand aus der Stadt gelockt und gewaltsam ins Gefängnis im Unteren Tor nach Leutkirch verschleppt. Aus dem Fenster hielt er die ersten evangelischen Predigten in der Stadt, die sich erst 1546 der Reformation anschloss und schon 1548 nach dem Augsburger Interim wieder rekatholisiert wurde. Der Rat der Stadt wollte Waibel aber schon 1525 nicht verurteilen, deshalb wurde er vom Hauptmann des Schwäbischen Bundes aus der Stadt gebracht und an der St.-Wolfgang-Kapelle bei Reichenhofen ohne Gerichtsverfahren erhängt.

So stohts in mim Heiligekalender. Dä Ma het wirklich öbbis anderscht gmacht. Er het Grundsätz gha. Er isch ne treu bliibe. Wenn er eifach zur rechte Zit s’ Muul ghalte het, wärem nüt passiert. Het er aber nit. Usem Gfängnis use ne evangelischi Predigt halte! E Striezi ischer au no gsi, werde sini Fiind denkt ha. Un hen drum churze Prozess mit em gmacht.

Unse Glaube isch kai Prinzip. Aber me fallt uf dermit. Me eckt a. Mängi meine, mir sin wege dem die Letzschte oder s’ Allerletzscht. Me überchunnt Beifall un Schimpf. Churz: Wer glaubt (ob evangelisch oder katholisch), isch anderscht. Aber nit wege zwei Täg Ferie, wie z’ Bayern. Sondern wil mer dezue schtön und au emol e gueti Idee hen, wie de Matthias Waibel mit sällem Fenschter. Villicht hen Sie au emol e sottigi Idee? Un maches denn au no?!

B’ hiet Sie Gott!

Hellmuth Wolff, Pfarrer z’ Hinterzarte

Zum Archiv

Druckansicht