Wochenspruch

Worte zum Tag

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein.

15.11.2016
weinendes Kind rundUnd Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen: Tränen der Trauer und des Schmerzes, der Verzweiflung und des Leids.

Ein Bild, das sich mir tief einprägt, mir mehr sagt als viele Worte. Wenn ich mir als Kind wehgetan hatte, lief ich weinend zu meiner Mutter und wurde von ihr getröstet. Sie nahm mich in den Arm, wischte mir die Tränen ab und meistens putzte sie mir noch kräftig die Nase und alles war wieder gut.

Und wie viel mehr als in Kindertagen tut es mir als Erwachsener gut, wenn ich diesen handgreiflichen Trost spüren darf, wenn mich einer oder eine in die Arme nimmt, wenn es eine Schulter gibt, an der ich mich ausweinen darf. Wenn es jemanden gibt, der mir die Tränen abwischt aus meinem Gesicht. Eine Geste, die mehr tröstet als alle Worte.

Tränen abwischen, das ist eine ganz persönliche Zuwendung. Um mich als einzelner kümmert sich einer. Trostworte können an viele Menschen zugleich gerichtet werden, aber die Tränen abwischen, das kann immer nur bei einem einzelnen Menschen geschehen.So wird mir das Bild vom Abwischen der Tränen zu einer Bürgschaft dafür, dass Gott immer wieder mich ganz allein im Blick hat, dass Gott immer wieder von meinem ganz persönlichen Schicksal betroffen ist und daran Anteil nimmt.

Ich gehöre zu einem Gott, der sich dafür nicht zu schade ist, mir meine Tränen abzuwischen.

Ich gehöre zu einem Gott, dem wirklich nichts entgeht, der nicht nur aus der Ferne auf meinen Kummer schaut und meine Klagen hört, sondern mich berührt, mich anrührt, mir zärtlich begegnet.

Gott nimmt eure Sorgen ernst. Gott nimmt euren Kummer und euer Leid nicht auf die leichte Schulter. Auch diese Botschaft steckt für mich in unserem Vers vom Abwischen der Tränen. Ihr dürft weinen. Ihr dürft euren Kummer und Schmerz zeigen. Nein, Christen müssen nicht immer stark sein. Sie dürfen schwach sein, sich ihrem Schmerz und ihrer Trauer hingeben. Jetzt darf geweint werden, geklagt werden.

Ermutigung zur Trauer, gerade auch das mag der Vers aus Offenbarung 21 bedeuten. Und auch Ermutigung, Trauer und Tränen anderer Menschen auszuhalten, mitzuerleben, nicht wegzuschauen, sondern vielmehr zu begleiten und menschlichen Trost zu geben. Ermutigung zur Trauer, Ermutigung Trauernde zu begleiten, weil die Zukunft heißt: Gott wird einmal abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Denn: Der Tod wird nicht mehr sein.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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