Wochenspruch

Worte zum Tag

Loslassen

01.03.2013

Arnold Glitsch-HünnefeldDie Wochen vor Ostern gestalte ich für mich als Fastenzeit, als eine Übung im Loslassen. Ich verzichte auf einige liebe Gewohnheiten und gewohnten Genüsse. Zum Beispiel die Kekse, die ich sonst zusammen mit dem Nachmittagskaffee an den Schreibtisch mitnehme. Gerade diese süßen Kleinigkeiten zwischendurch erinnern mich daran, dass jetzt Fastenzeit ist – immer dann, wenn ich den Impuls verspüre, etwas Süßes zu mir zu nehmen. So werden diese Impulse zu Hinweisen, dass jetzt etwas anderes Priorität hat, das sonst im Alltag leicht mal untergeht: Dem nachzudenken, was Gott in Jesus Christus für mich getan hat, wie er für mich eingetreten ist und immer wieder für mich eintritt. Und ganz nebenbei merke ich in diesen sechseinhalb Wochen: Es geht auch ohne – Süßes zum Beispiel.

Geht es auch ohne – mich? Meistens lebe ich so, als wäre das nicht der Fall. Oft meine ich, alles zusammenhalten zu müssen. In der Gemeinde mit ihren vielfältigen Arbeitsfeldern. Ich setze mich unter einen unguten – einen ganz unevangelischen – Leistungsdruck. Und ich frage mich: Ist das ein spezifisches Merkmal evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer, dass sie sich selbst für unentbehrlich halten? Geht das gar nur mir so oder anderen Menschen auch? Ihnen vielleicht?

Mich könnte meine Erfahrung das Gegenteil lehren: Als ich vor einigen Jahren einmal eine längere Zeit krank war, ist die Gemeinde nicht zusammengebrochen. Das könnte mich lehren, ein bisschen mehr Vertrauen in die Menschen zu haben; vielleicht auch ein bisschen mehr Vertrauen in den Heiligen Geist oder eben in Jesus Christus, der für mich eintritt, der mich vertritt. Es geht auch ohne mich. Und doch fällt mir das Loslassen schwer.

Ich brauche immer wieder Impulse, die mich daran erinnern, dass es geht. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Papst Benedikt XVI. einen solchen Impuls setzen würde? Ehrlich gesagt: Ich nicht. Aber diesen einen nehme ich dankbar an.

Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, loslassen zu können, und in den verbleibenden Wochen der Passionszeit hilfreiche Impulse dazu.

Arnold Glitsch-Hünnefeld, Pfarrer
Britzingen, 1.3.2013

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