Wochenspruch

Worte zum Tag

Ruhe. Auszeit. Gott.

01.02.2014

Foto Medea TenbergUnd wieder einmal muss ich merken, wie schwer es ist Ruhe zu finden.

Da will man sich zurück ziehen und eine Andacht schreiben, sich mal eine Auszeit nehmen und ganz auf Gott konzentrieren, mal so richtig zur Ruhe kommen - das Telefon klingelt - „Ahh, hallo Mama..“- und es ist erst einmal vorbei mit der Ruhe, der Auszeit, der Zeit für Gott. Schließlich hat man sich alles in Seelenruhe angehört. Das Ohr glüht, aber man weiß, es hat sich gelohnt. 

Dennoch. Der Schreibtisch ruft. Eine Andacht will geschrieben werden. Erst einmal einen Tee machen. So jetzt aber Ruhe, Auszeit, Gott. - Es klingelt. Der Kartoffel-Mann. Schnell den Geldbeutel suchen. Ein kurzer Schwatz. Den Kindern geht es also gut.

Wieder am Schreibtisch. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Auszeit, Ruhe, Gott...Mhh, was soll ich eigentlich schreiben?

Es ruft von unten. Die Nachbarin fragt, ob ich ihr mal helfen kann. Natürlich kann ich. Ich bin ja eh gerade raus aus der Thematik. Ich helfe ihr die abgeschnittenen Äste von der Hecke weg zu tragen. Dabei kommen wir ins Gespräch. Sie lädt mich noch zu einem Kaffee ein.

Es ist bereits dunkel als ich heim komme. Jetzt aber. Schreibtisch. Ruhe. Auszeit. Gott.

Ich schaue auf den Tag. Was habe ich heute eigentlich geschafft? Ein weißes Blatt. Keine Andacht,. Aber: Viele wertvolle Gespräche. Es zeigt mir wieder einmal, wie schwer es ist im Alltag Ruhe zu finden. Sich Zeit zu nehmen vielleicht auch Zeit für nichts. War denn die Zeit mit meinen Mitmenschen verlorene Zeit?

Wenn ich genau hinschaue, dann war das kein Zeitverlust. Ist nicht manchmal der Alltag deswegen stressig, weil ich der verlorenen Zeit hinterher renne, statt sie bewusst zu genießen und zu nutzen?

Jesus ist für mich das Vorbild fürs „Zeit nehmen“. Auch wenn hunderte von Menschen ihn treffen wollten, nahm er sich Zeit für das Gebet. Zeit abseits vom Stress, dennoch bewusste Zeit im Alltag . Ganz wie der Volksmund sagt: „Zeit hat man nicht, man muss sie sich nehmen!“

Als ich mir das schließlich bewusst mache, klappt es auch plötzlich: Ruhe. Auszeit. Gott.

Medea Tenberg,

Gemeindediakonin, Diakonische Initiative „unBehindert miteinander leben“

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