Wochenspruch

Worte zum Tag

Worte, die beflügeln

19.06.2013
RKruseUnter dem Blau eines Frühsommertages oder hoch oben auf Kandel, Feldberg oder Blauen wird mir der Himmel nicht selten zu einem Bild für die Sehnsucht. Das wär´s doch: Einmal alles hinter sich lassen! Ein ganz anderer sein! Sich aufschwingen und sehen, was hinter den Horizont ist. Ja, über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein ... Ich mag dieses Lied von Reinhard Mey und seine Sehnsucht noch immer. Noch mehr aber schätze ich, was ein Mensch aus dem Volk Israel einmal beim Blick zum Himmel dichtete:

„Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.“

Diese Worte aus Psalm 36 geben der Sehnsucht nicht nur Raum, sondern auch einen Namen.

Mitten im Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten, mit seiner Suche nach Sinn und nach Antwort auf die großen Fragen – mitten im Leben weiß da ein Mensch sich geborgen bei Gott. Er kann darüber staunen - und ich darf´s mit seiner Hilfe wieder lernen.

Wie der Himmel sich wölbt über mich jeden Tag, jede Stunde wo auch immer ich bin, so umgibt mich die Güte Gottes, die keine Grenzen kennt, und Seine Wahrheit. Mit den Worten des Psalms: heißt das Gott hilft und schenkt Zuflucht. Gott macht satt und stillt den Durst. Gott ist Quelle und Licht unsres Lebens. Gott weiß einen guten Weg für mich

Es berührt mich, mit diesen Worten an die Grundwahrheit des Glaubens erinnert zu werden: Ich muss mein Glück nicht über den Wolken suchen. Ich bin dem Himmel nah, so wie ich bin, und der Himmel ist mir nah. Denn Gott schlägt Brücken zwischen Himmel und Erde. Er verbindet und verbündet sich mit seinem Volk, seinen Menschenkindern, seiner Welt und lässt ihr seine Güte und Wahrheit zugute kommen.

Und wenn ich partout nichts davon spüre, wenn das Leben mir schwer wird und der Glaube auch? – Dann habe ich trotzdem immer noch diese Worte, die ich mir borgen und in die ich mich bergen kann und die mich erinnern, dass ich den gütigen Gott auch jetzt nicht los werde. Ein Segen, dass es Psalmen wie diesen gibt!

Rolf Kruse, Pfarrer
Bad Krozingen (19.06.2013)

Zum Archiv

Druckansicht