Was mich reich macht

Eine Bankfiliale bietet ein Siedlungshäuschen zum Kauf an. Baujahr 1950. Über den Preis staune ich wirklich: Sensationelle 950.000 Euro soll das Heim kosten - und es ist noch nicht einmal Kernstadt. Ja, Grundstücke sind in Südbaden teuer. Häuschen auch. Aber dass sie unerschwinglich sind, wusste ich nicht. Wie soll das eine vierköpfige Familie bezahlen? Ich kann‘s jedenfalls nicht und werde das auch nie können.  „Ja“, sagt mir mein Nachbar, „wer im Dreiländereck ein Haus hat, ist wirklich reich“! Und er muss es wissen, denn er arbeitete 30 Jahre lang in der Immobilienbranche.

Aber ist es das Haus, das mich wirklich reich macht? Ein oder mehrere Grundstücke, vielleicht sogar in der Schweiz? Ein Sparbuch mit sechsstelligen Summen, für die wir neuerdings Negativzinsen zahlen müssen? Bin ich reich, wenn ich dreimal in den Urlaub fahren kann? Und einen Tesla vor der Tür habe? Was braucht ein Mensch für dies bisschen Leben?

Ich schaue in meine Wohnung und blick auf all die Dinge, die ich kaum benutze. Man müsste mal wieder ausmisten! Im Inneren weiß ich genau, was mich reich macht: Liebevolle Begegnungen, Menschen, die mir zuhören können, ein Besuchskater, der sich freut, wenn ich Futter für ihn habe, ein stilles Gebet im Gottesdienst. Und wenn ich hin und wieder höre: schön, dass Du jetzt grad für mich da bist! Darauf kommt es an! Soll das olle Häuschen doch kaufen, wer will!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!
Ihr Pfarrer Dr. Schulze-Wegener

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