Andachtsbild

Andacht

„Aber ich bin noch nicht fertig!“

Vier Konfis basteln noch eilig; der Duft von Kleber liegt in der Luft und von Farbe. Es ist gar nicht so einfach, die eigenen Erfahrungen mit Gott auf einem Karton festzuhalten: ich sehe verwirbelte Farben, eine offene Türe, einen Weg vom Dunkel ins Licht, auch ein Kreuz und einen Regenbogen.

„Aber ich bin noch nicht fertig – da fehlt noch was!“ Unter Protest werden die noch unfertigen Kunstwerke vorgeführt. Und ja, sie sind nicht fertig: ich sehe weiße Flecken, Skizzen, Umrisse. Doch die Konfis können auch dem etwas abgewinnen: „Unser Bild von Gott ist halt noch nicht fertig.“ „Gott passt eh nicht auf ein Bild.“ „Da kann man dann später was ergänzen, was man jetzt noch nicht sieht.“

Eine tolle Erkenntnis, finde ich. Mein Bild von Gott braucht die Möglichkeit, größer zu werden, sich zu verändern, skizzenhaft zu bleiben, unfertig. „Aber ich bin noch nicht fertig, Gott, mit dir.“ Für mich klingt das nach einem Glaubensbekenntnis.

Pfarrer Philipp van Oorschot, Kirchzarten

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Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt

Es sind zwar noch fast zwei Jahre bis die weltweite Christenheit mit Teilnehmenden aus über 380 Mitgliedskirchen bei uns in Baden zu Gast sein wird.
Doch wir sind auf dem Weg dorthin. Diese Bewegung kommt in dem Motto der Vollversammlung, die seit Anfang des Jahres feststeht, zum Ausdruck.

Die Liebe Christi bewegt! Damit bringen wir gemeinsam zum Ausdruck, was das uns Bewegende ist, wenn wir uns in dieser Welt engagieren und uns für Frieden und Gerechtigkeit weltweit einsetzen. Bewegt von der Liebe Christi zu sein geht damit viel tiefer, als nur nach Gesetzen und Ordnungen zu rufen, so wichtig diese für unser Zusammenleben sind.
Das Motto zeigt auch auf, wohin sie uns bewegt. Sie bewegt uns zur Versöhnung und sie eint diese Welt. Unter diesem Leitgedanken erscheint all unser Bemühen um ein gelingendes und gerechtes Miteinander in diesem besonderen Licht der Liebe Christi. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen Pastor Dr. Olav Fykse Tveit sagt dazu: „Unsere Einheit mag unvollkommen sein, aber sie hat Dimensionen, deren Motor die Liebe Christi zu uns, zur ganzen Menschheit und zur ganzen Schöpfung ist.“ Damit stellt er sie auch in eine Linie mit dem, was die letzte Vollversammlung in Südkorea der Christenheit mitgegeben hat. „Es schafft außerdem eine gute Verbindung zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens als einem Bild, das die ökumenische Bewegung beschreibt.“

Es wäre schön, wenn wir in den beiden Jahren bis zur Vollversammlung dieses Motto bereits in unseren Gemeinden und in den vielfältigen ökumenischen Begegnungen zum Leuchten bringen würden.
Wir werden auch hier im Süden unserer Landeskirche Begegnungen mit den Gästen aus der ganzen Welt haben und ich wünsche uns, dass dies uns bereichert.

Pfarrer Eberhard Deusch, Landeskirchlicher Beauftragter für Mission und Ökumene und Gemeindepfarrer in Umkirch

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Unser Kastanienbaum

Jetzt hat es begonnen. Unser prächtiger Kastanienbaum verliert seine Blätter. In ein paar Wochen wird er kahl und schwarz dastehen – ein trauriger Anblick. Aber ich weiß: Jetzt im Herbst wird bereits kommendes Wachsen vorbereitet. Im Winter trägt der Baum dann den Frühling schon in sich.

So ein Baum ist für mich ein Symbol für den Weg Gottes mit uns Menschen und auch ein Symbol für die Hoffnung. Auch in uns Menschen ist so viel von Gott angelegt und will sich entfalten, will Ausdruck finden. Aber manchmal brauchen wir dazu auch eine schöpferische Pause, in der sich die Kräfte zurückziehen und sammeln, damit wir sie dann wieder neu entfalten können. 

So, wie Gott es dem Noah nach der großen Flut versprochen hat: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1.Mose 8,22).  Ich wage, darauf zu vertrauen, dass Gott mir Neues schenkt, auch und gerade dann, wenn die Zeiten trübe sind.

Rainer Heimburger, Dekan

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Wo dein Schatz ist ...

"Häuft keine Schätze auf der Erde an – wo Motten und Würmer sie fressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Sondern häuft euch Schätze im Himmel an – wo weder Motten noch Würmer sie fressen und wo keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“

„Kreissparkasse, Filiale Himmel. Mein Name ist Engel, was kann ich für Sie tun? - Haben sie ihre Kundennummer? Ach, Sie rufen das erste Mal an. Na, macht nichts. Nein, eine Kopie Ihrer Taufurkunde brauche ich nicht. Das geht hier alles ganz formlos. Also, wie kann ich Ihnen helfen?

Sparkonto, aha. Aha. Eine Einzahlung? Schätze sammeln im Himmel? Ja, da haben heute schon viele angerufen deshalb. Hat der Pastor denn keine Einzahlungsformulare verteilt? Kleiner Scherz, hihi. Die meisten fragen eher nach Krediten, via Stoßgebet. Haben Sie sicher auch schon genutzt. Das können Sie jetzt auch über Twitter – Ach, Sie haben keinen Computer. Also: wegen Ihres Sparbriefes. Zunächst eine Frage: Werden Sie verfolgt? Wir haben Sonderkonditionen für alle, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Steht in unseren Kreditbedingungen. Die kennen Sie sicher; bei Ihnen heißt das vermutlich Bergpredigt. – Ja. Also nicht verfolgt. Gut. Na dann. Wollen Sie eher regelmäßig sparen oder eine einmalige Einlage machen?

Einmalige Einlage geht als Versprechen, großes Indianerehrenwort und Gelübde. Gelübde bietet die beste Rendite, ist aber lebenslang bindend. – Ach, ins Kloster wollen Sie nicht. Nein, dann empfehle ich Ihnen die regelmäßigen Sparanlagen. Da haben wir andere Wange hinhalten, den Feind lieben, Almosen geben, beten, fasten, nachsichtig sein. Beziehungsaufgaben nennen wir das. – Na, Sie werden ja wissen, wie Sie mit den Menschen in ihrer Umgebung umgehen. Soll ich nochmal aufzählen: andere Wange hinhalten, den Feind lieben, Almosen geben, beten, fasten, nachsichtig sein. Das steht jedenfalls im Kleingedruckten, Sie wissen schon, der Bergpredigt. Unser Sachbearbeiter Matthäus hat sich da viel Mühe mit gemacht.

Wie viel Sie brauchen? Da ist jeder anders … Nein, das ist kein Eintrittsgeld und hier oben können Sie die Schätze auch nicht ausgeben. Ja, ich weiß. Der Irrtum ist verbreitet: Also, Sie sammeln das eher für sich. ... Was das bringt? Also mir persönlich wird immer mal erzählt, dass sich die Beziehungen zu den Nachbarn wohl verbessert haben, gerade durch das Modell: liebe deine Feinde. Sie können ja mal berichten. Wie ich höre, haben Sie da auch Diskussionen wegen dieser Hecke. Aber sagen Sie mir mal: raubt Ihnen die Hecke nicht den Schlaf oder Ihr Ärger? – Gut, ja, Entschuldigung, ich halt mich da raus.

Sie möchten also die regelmäßige Spareinlage mit garantiertem Mottenschutz und Wurm-Frei-Absicherung. In Ordnung, ist notiert.
Vielen Dank für Ihren Anruf.“

Philipp van Oorschot
Pfarrer in Kirchzarten

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Im Watt

Heftig bläst der Wind, es ist kühl und nass, der Sommer scheint heute zu pausieren – und doch stehen einige Menschen barfuß im Schlick des Wattenmeeres – mitten im August vor der Nordseeinsel Baltrum. Sie feiern Gottesdienst – vor einem Tisch, der ins Watt gestellt ist. Darauf ein Kreuz, ein Rosenstock, eine Bibel und eine Tischdecke, die schon ziemlich verzogen ist durch den Wind.

Eindrücklich, dieser Altar im Sandschlick. Er hat etwas Vorläufiges, Provisorisches. Rechtzeitig muss er abgebaut werden, wenn er nicht in den Fluten untergehen soll. Genauso wie auch wir zeitig ans Land zurückmüssen. Die Urgewalt des Meeres ist an diesem einfachen Tisch im Wattschlick ablesbar.

Das riesige Meer. Ein ewiges Kommen und Gehen. Und ich kleiner Mensch hier im Watt. Mein kleines Leben. Wenn ich sehe das Meer … deiner Finger Werk, Sterne, Sonne, Mond … was ist schon der Mensch, dass du seiner gedenkst – so ähnlich fragt ein alter Psalm (Psalm 8). Und er gibt selbst die Antwort: keine Sorge – Gott gedenkt ja seiner Menschen, Gott nimmt sich seiner Menschenkinder an, sie liegen ihm am Herzen.

Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein tosendes Meer: rau, unbarmherzig, nicht zu beruhigen oder gar zu bezwingen. Mittendrin fühlt man sich hilflos ausgeliefert, hin- und hergetrieben, auf der Suche nach einem Halt. Da ist es dann gut, sich zu erinnern, dass Gott selbst es ist, der „all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz in Meeres Tiefen hin“ werfen kann (Evang. Gesangbuch 322, 5). 

Am Ende klappen die Leute den Tisch zusammen und tragen ihn aufs Land zurück. Nur kurze Zeit später überflutet das Wasser den Gottesdienstort wieder. 
Was bleibt, ist die tiefe Sehnsucht nach der Weite des Meeres:
Danach, immer wieder gerettet zu werden aus den Fluten und Stürmen des Lebens. Und zu spüren, dass wir in einen großen Zusammenhang gehören – zwischen Himmel und Meer.

Erich Fried formuliert das so:

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer 
(Aus Erich Fried, Warngedichte, 1964)

Daniela Hammelsbeck, Müllheim

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Was sagt eigentlich die Bibel ...

... zum Thema "Urlaub"? Auf den ersten Blick nichts, denn die Idee "Urlaub" ist noch garnicht so alt. Den Luxus so viel Zeit und Geld zu haben, dass "man" Urlaub machen kann, gibt es noch nicht wirklich lange. Das Bedürfnis der Menschen nach Ruhe und Erholung aber natürlich schon. Und dazu haben wir Christen ja ein (hoffentlich) entspanntes Verhältnis - wenn doch Gott selbst nach Schöpfung dieser Welt einen Tag Ruhe brauchte.

Was sagt die Bibel denn nun so zum Thema "Ruhe und Entspannung"? Ich habe mal für Sie gestöbert...
 

"Halte den Sabbat, indem du ihn heiligst, wie der Herr, dein Gott, es befohlen hat. Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und deinen alltäglichen Pflichten nachkommen. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. An diesem Tag darf kein Angehöriger deines Hauses irgendeine Arbeit verrichten. Das gilt für dich, deine Söhne und Töchter, deine Sklaven und Sklavinnen, deinen Ochsen, deinen Esel und dein übriges Vieh sowie für alle Fremden, die bei dir wohnen. Alle deine Sklaven und Sklavinnen sollen ausruhen, so wie auch du ausruhst." 5. Mose 5, 12-14
 

"Und deshalb spricht der Herr auch: »Bleibt stehen! Schaut euch um! Erkundigt euch nach den Wegen, auf denen eure Vorfahren gegangen sind, und prüft, was der Weg ist, der mir gefällt! Auf dem sollt ihr gehen. Dann werdet ihr innerlich ruhig werden." Jeremia 6,16


"Nehmt mein Joch auf euch. Ich will euch lehren, denn ich bin demütig und freundlich, und eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen." Matthäus 11,29-30


"Wer in Gottes Ruhe hineingekommen ist, wird sich von seiner Arbeit ausruhen, so wie auch Gott nach der Erschaffung der Welt geruht hat. Deshalb wollen wir uns bemühen, in diese Ruhe hineinzukommen, um nicht wie sie durch den gleichen Ungehorsam vom Weg abzukommen." Hebräer 4,11


Vielleicht möchte einer dieser Verse für Sie ein Begleiter im Urlaub werden?


Ich wünsche Ihnen viel Freude und Gewinn beim Nachsinnen über Gottes Wort, Ihre Work-Life-Balance, Ihre Erwartungen an sich selbst und das Leben.


Ihr Florian Böcher, Gemeindediakon in Ihringen

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Ich sehe was, was du nicht siehst!

Ich sehe was, was du nicht siehst … Ein Spiel aus Kindertagen.

„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: blau!“
„Mein T-Shirt?“
„Nein!“
„Das Auto da?“
„Nein!“
„Jetzt weiß ich’s: der Himmel!“
„Ja genau.“

Auf langen Zug-, Bus- oder Autofahrten haben wir uns als Kinder mit diesem Spiel die Zeit vertrieben. Es trainiert das Scharfsehen und den Scharfsinn. Denn manches, was ich sehen kann, kann mein Spielpartner ja tatsächlich nicht sehen – jedenfalls nicht ohne Hilfsmittel: seine eigene Augenfarbe zum Beispiel. Oder die Sommersprossen auf seiner Nase. Die Zahnlücke zwischen den eigenen Zähnen oder die Ohren.

Ich sehe was, was du nicht siehst. Auch anderes kann ich sehen, was mein Gegenüber nicht sieht. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die mit sich selbst wahnsinnig streng ins Gericht geht. Sie hadert mit ihrem Körpergewicht, ihrem Aussehen, ihrer Arbeit. Und manchmal, da möchte ich ihr am liebsten sagen: „Du, ich sehe was, was du nicht siehst. Wo du zu viele Kilos siehst, da sehe ich wunderbare Weiblichkeit. Und wo du dich zu groß findest, da sehe ich eine Frau, die man wahrnimmt, wenn sie den Raum betritt. Wo du dich kritisierst für all das, was du nicht kannst, da sehe ich all das, was du statt dessen kannst. Wo du dich selbst nicht leiden kannst, da sehe ich einen Menschen, der mir lieb und teuer ist. Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: eine treue Freundin, die ich schätze und mag, so wie sie ist.“

Überlegen Sie doch mal: ob Sie Menschen in Ihrem Umfeld wissen, die von einer solchen Sehschule profitieren könnten? Vielleicht gehören Sie ja selbst dazu…?

Und raten Sie mal, wie Gott wohl auf uns schaut, auf mich und dich!

Ich sehe was, was du nicht siehst:
und das ist ein Kind Gottes, wunderbar gemacht.
Mit einem Lachen, das ansteckt,
mit einer Meinung, die aneckt,
aber zum Weiterdenken zwingt.
Mit Sommersprossen zum Niederknien,
mit Ideen, die andere mitziehen,
mit einem Zuhören, das stille Wasser zum Reden bringt.

Ich sehe was, was du nicht siehst:
und das ist deine gastfreundliche Art,
das ist Mut und Bescheidenheit,
das ist eine Umarmung ganz zart.
Das ist dein Lächeln, dein Verzeihen,
von dir kann man alles ausleihen,
bei dir findet meine Seele Ruh.
Du kannst Schweres leichter machen,
Begeisterung entfachen,
mit Zuversicht aufwachen,
über dich selbst lachen –

Ich sehe was, was du nicht siehst: und das bist du.

Wenn wir das einander immer wieder sagten: was wir sehen an Schönem, an Großartigem, an Liebenswertem! Wenn wir das immer wieder hörten: was an uns wunderbar ist – dann könnten wir vielleicht irgendwann aus ganzem Herzen einstimmen in den Jubelruf des Psalmdichters: „Ich danke dir, mein Gott, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke! Das erkennt meine Seele.“

Viele Grüße
Laura Artes, Pfarrerin

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Nein - keine Idylle!

Nur auf den ersten, flüchtigen Blick ... Der zweite Blick offenbart die vieltausendfachen menschlichen Tragödien, für die solche gekenterten Flüchtlingsboote stehen. Was wir nun schon im fünften Sommer diesbezüglich erleben, wird wohl vermutlich viele Menschen in eine deutlich mulmigere Stimmung versetzen, wenn sie ihren Urlaub am Mittelmeer verbringen.

Es ist zu einem der gefährlichsten Orte der Welt geworden. Was für die Urlauber ein Sehnsuchtsort ist, ist für unzählige Menschen eine letzte, lebensgefährliche Barriere auf ihrer Flucht aus Krieg und Terror oder aus aussichtslosen Lebenssituationen.

Bleiben wir menschlich, wenn wir diesen so bei uns gestrandeten Brüdern und Schwestern begegnen!

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Willkommen im Urlaub!

Endlich ist es soweit. Die Temperaturen laufen auch Hochtouren, die Sommerferien haben begonnen. Vielleicht wird es auch bei Ihnen etwas ruhiger, selbst wenn Sie arbeiten müssen. 

Urlaub, eine Zeit, auf die wir hin fiebern.
Urlaub, eine Zeit, in der wir Dinge planen, für die wir im Alltag nicht allzu viel Zeit finden. 

In all den Planungen kann es passieren, dass wir den Urlaub irgendwann als Stress empfinden, weil wir ihn so voll packen, dass er auch wirklich gut genutzt ist. Und dann könnten wir Urlaub vom Urlaub gebrauchen.

Jesus sagt im Matthäusevangelium: „Kommt alle her zu mir, dir ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe schenken.“ (Matthäus 11,28). 

Zu Gott kommen bedeutet auch ablassen von allem, was wir noch tun müssen und ablassen von allem, was wir noch tun wollen. Für kurze Zeit zählt nicht, was ich erlebe, was ich tue oder was ich sage. Es zählt einfach, DASS ICH BIN. 

Dem Gedanken entfliehen, dass ich nur gut bin, wenn ich leiste und erlebe. Auftanken in der Ruhe und Stille vor Gott. Neue Kraft bekommen für das, was mich erwartet.  

Ein paar Minuten am Tag.

Das wünsch ich Ihnen!
Ihre Celina Häs

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Urzeitkrebse ...

Erinnern Sie sich an die Urzeitkrebse? Ein Tütchen voll scheinbar getrocknetem ... (ja, was eigentlich?), was dann mit Wasser auf wundersame Weise tatsächlich kleine lebende Viecher entstehen ließ. Ein Gimmick des sogenannten „Yps-Heftes“, ein Comic-Magazin für Kinder, was von 1975 bis 2000 im deutschsprachigen Raum erschien.

Regelmäßig wurde das Taschengeld dafür ausgegeben, um die neuen Gimmicks zu erstehen: die Agentenserie (mit praktischem Fingerabdruckset), das Abenteuerequipment (legendär das Yps-Zelt – aus heutiger Sicht einfach ein unten offener großer Müllsack), Zauberequipment und Pupskissen. Immer war es irgendwie spannend und schon in meiner Phantasie dazu gedacht, meine Vorhaben noch mehr aufzuwerten. 

Was in den Heften stand und ob ich die Comics darin eigentlich je gelesen habe, kann ich heute nicht mehr sagen.

Was bleibt, ist die Marke und die Erinnerung an Abenteuer und Spaß.

Zurzeit führen wir Interviews mit Menschen zwischen 15 und 40, um zu hören, was sie für Bedürfnisse, Erwartungen und Bilder von Kirche haben und mit dem Ziel hoffentlich Angebote entwickeln zu können, die diesen Bedürfnissen entsprechen. 

Da gibt es viel ehrliche Kritik. Noch steht die Auswertung aus. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sich gerade diese Zielgruppe oft nicht abgeholt fühlt. Das Format des sonntäglichen Gottesdienstes um 10 Uhr wird synonym mit Kirche und wenig attraktiv beschrieben. 

Wenn es eigenes kirchliches Engagement gibt, so werden Spaß, die Gemeinschaft, der Austausch über existentielle Themen und die Annahme der eigenen Person ohne Vorbehalte als attraktiv beschrieben. Wir haben also auch Gimmicks! Wäre schön, wenn wir es schaffen würden, auch unser „Heft“ für diese Zielgruppe attraktiver zu machen.

Ich bin gespannt, wo die Reise hin geht ...
Heike Siepmann, Bezirksjugendreferentin

 

Bild von Franklin Medina auf Pixabay
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Leben Nummer 2

Leblos hängt der rechte Arm in einer Schlinge. Nichts geht mehr so wie vorher. Sprechen, Heben, Anziehen, ganz alltägliche Dinge – er ist auf Hilfe angewiesen. Völlig aus heiterem Himmel kam der Schlaganfall, er ist erst Anfang 50. Tagelang hat er mit dem Leben gerungen, jetzt ist er stabil, aber es sind Schäden zurückgeblieben. Er wird nicht mehr arbeiten können, wahrscheinlich auch nicht im Haus bleiben, die vielen Treppen schafft er nicht mehr, Autofahren geht auch nicht mehr. Und dann dieser furchtbare Schwindel.

Einige Wochen war er so verzweifelt, dass er Schluss machen wollte, aber das kann er seiner Frau und den Kindern nicht antun. Inzwischen hat sich irgend etwas verändert, genau kann er es gar nicht sagen. Die tiefe Erschütterung, sie ist noch da, aber sie beherrscht nicht mehr jede Minute. Da ist noch etwas anderes in ihm – etwas, worüber er nur staunen kann. „Ich entdecke täglich Neues.“, erzählt er. „Dafür hatte ich früher keine Zeit in all dem Stress und der Hektik. Jetzt rieche ich den Wald, lausche morgens auf die Vögel, lasse mich vom Windhauch streicheln, trinke Farben, sehe die Gesichter der Menschen um mich herum – spüre mein Leben. In den letzten Jahren, ja Jahrzehnten habe ich das Leben aus den Augen verloren. Jetzt ist alles fremd und neu und wie verzaubert.“ Und dann sagt er: „Mein Leben Nummer 2!“.

Ist das nicht eine feinsinnige, aufwühlende Liebeserklärung an das Leben? Das mehr ist als Karriere und körperliche Unversehrtheit?

Manchmal ist es ein Zusammenbruch, der Menschen dazu bringt, „Leben Nummer 2“ zu ergreifen. Ich frage mich: Können wir nicht auch auf andere Weisen lernen, dass das Leben kostbar ist und jeder Moment ein Geschenk Gottes? „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139, 14).

Ihre Daniela Hammelsbeck, Müllheim

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Aufgerichtet!

Petrus sagte zu dem Gelähmten beim Tempel: „Gold und Silber habe ich nicht; doch was ich habe, will ich dir geben. Im Namen von Jesus Christus aus Nazaret: Steh auf und geh umher!“ Und er fasste den Gelähmten bei der rechten Hand und half ihm auf ... Und der sprang vor Freude und dankte Gott mit lauter Stimme.(Apg 3,6ff)

Da sieht einer den anderen in seiner Not. Sieht ihn an. Wendet sich ihm zu im Namen Jesu. Reicht die Hand. Hilft auf. Und so kann dieser Mensch sich aufrichten. Kann sich wieder freuen - und hat Grund, Gott ausdrücklich zu danken.

Was Diakonie, der Dienst am Nächsten im Namen Jesu Christi, dem Wesen nach ist und wirkt - diese kleine Szene aus dem Neuen Testament führt es eindrücklich vor Augen und erinnert gleichzeitig daran, wozu jeder Christenmensch und die Kirche im Ganzen bleibend berufen ist. 

Noch eindrücklicher ist, sich vor Augen zu führen, wo überall und durch wen Vergleichbares unter dem Dach der Diakonie geschieht. Jeden Tag. Zehntausendfach. Da sieht eine die andere. Sieht sie an. Wendet sich ihr zu im Namen Jesu. Reicht die Hand. Hilft auf. Im Arbeitslosenprojekt und beim Treff für Menschen mit psychischer Erkrankung, in der Bahnhofsmission und in der Migrationsberatung, im Seniorenheim und in der KiTa, in der Sozialstation und in der Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung, in der Jugendhilfeeinrichtung und bei der Schwangerschaftskonfliktberatung. Mehrere zehntausend haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt die Diakonie in Baden. Dass sie alle miteinander alltäglich segenreich Großes wirken – darauf verweist das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie „Unerhört! Diese Alltagshelden.“ vom 29. Juni bis 7. Juli. 

Segensreich wird ganz gewiss auch das wieder sein, was wir an „Gold und Silber“ übrig haben für die Sammlung der Diakonie. Sie unterstützt dieses Jahr Projekte, die besonders die Begegnung zwischen Menschen fördern, Einsamkeit durchbrechen und die Chancen zu einem selbstbestimmten Leben verbessern. Auch durch sie werden Menschen sich aufrichten können, sich freuen und Gründe finden, Gott ausdrücklich zu danken. Wie gut!

Pfarrer Rolf Kruse

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Ich sehe dich!

Falls jetzt gerade jemand neben Ihnen sitzt, dann nehmen Sie sich doch kurz die Zeit, diesem Jemand tief in die Augen zu blicken, inne zu halten und „Hallo“ zu sagen. Falls Sie alleine diesen Impuls lesen, dann heben Sie sich diese kleine Übung für später auf. 

Ein kleiner aufrichtiger Blick genügt manchmal, um einen anderen glücklich zu machen oder auch ins Nachdenken zu bringen. Blicke haben Wirkung! Sie sind der Schlüssel zur Seele des anderen.

Auch Gott hat seine Wege, uns zu sagen: „Ich sehe dich!“. In der Bibel finden wir einige Geschichten davon. Eine davon ist die von Nathanael. Jesus beruft Philippus in seine Nachfolge, dieser geht zu seinem Freund Nathanael und sagt ihm: „Wir haben den gefunden, von dem die Propheten sprechen. Es ist Jesus, der Sohn Josef aus Nazareth.“ Nathanael ist kritisch: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen?“. Bei Jesus angekommen fragt er ihn: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Bevor Philippus dich rief, sah ich dich unter dem Feigenbaum!“ (Johannes 1,43-51)

Einfach nur sehen, wahrnehmen, interessieren. Signalisieren: Du bist mir wichtig! Das ist das, was für Jesus in diesem Moment zählt. Und auch für Nathanael… Denn er verliert seine Skepsis und sagt zu Jesus: „Du bist der Sohn Gottes“. Jesus hat wohl eines seiner Grundbedürfnisse getroffen: gesehen zu werden - und verändert damit Nathanaels Leben. 

Sehen, wahrnehmen, zeigen: Du bist mir wichtig - zu verstehen geben: Ich sehe dich. 

Gott sieht auch Sie: In Ihren Kämpfen, in Ihrer Traurigkeit, in Ihrem Zweifeln, in Ihren Fragen. Er sieht Sie in Ihren schönen Momenten und in Ihren Freuden. Und er ruft Ihnen zu: Ich sehe dich, weil du mir wichtig bist. 

Manchmal braucht es aber auch kleine „Starthilfen“, diesen Gottes Blick zu sehen. Und wir können dazu beitragen. 

Deshalb - falls Sie es noch nicht getan haben: Drehen Sie sich Ihrem Nächsten zu und zeigen Sie ihm, dass er gesehen wird.  

Herzliche Grüße
Celina Häs

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Wonnemonat

Der Mai gehört dem Garten. Pflanzen, die Erde berühren, an Blüten riechen, Farben bestaunen, Gras in den Händen haben. Das alles ist Mai. Das Leben fühlen mit allen Sinnen. Egal, ob es kühl ist oder warm. 

An warmen Tagen sitze ich unter unserem Kirschbaum. Und tue nichts. Sehe den Wolken und Vögeln zu. Staune auch über Bienen, die jetzt schon damit beschäftigt sind, unsere Ernte vorzubereiten. 

Leben ist mehr als Machen. Leben ist auch mal nichts machen. Nur staunen, tief atmen, sich der Schöpfung überlassen. Und dabei zusehen, wie alles neu wird. 

Dann dauert es nicht mehr lange, und ich danke dem Schöpfer. Wir haben ja nichts selbst gemacht von dem, wovon wir leben. Natürlich säen und ernten wir. Das Gelingen aber haben wir dann nicht mehr in der Hand. Größe und Schönheit der Ernte hängen nicht von uns ab. Wir sorgen und mühen uns. Das ist gut. Aber was daraus wird, müssen wir abwarten. Und hoffen. Hoffen darauf, dass mehr Weisheit ist als unsere. Und jemand mehr Übersicht hat, als ich mit meinem meist doch schmalen Blick. Hoffen darauf, dass Gott wohl macht, was ich beginne. 

Rainer Heimburger
Dekan

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Arbeit

Arbeit ist das halbe Leben, das liegt halt bei uns so drin
Ordnung ist die andre Hälfte, nur mit Ordnung hat das Leben Sinn
Gehorsam dienen, Pflicht und Macht
Alles muss geregelt sein, wenn es geht auch Tag und Nacht
So nur kann der Staat gedeihen.“ (Arbeit ist das halbe Leben, Peter Maffay)

So singen die Ameisen im Kindermusical „Tabaluga oder die Reise zur Vernunft“ von Peter Maffay. Während die Ameisen vom Arbeitsrhythmus musikalisch angetrieben werden, erklären sie Tabaluga, wie der Staat und die Gemeinschaft bei ihnen funktioniert – nur durch Arbeit und Ordnung. 

Deutschland - laut der aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes liegt die „durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Voll- und Teilzeiterwerbstätigen zusammengenommen [bei] 35 Stunden“1. In einer Woche haben wir 168 Stunden Lebenszeit zur Verfügung, damit verbringen wir ganz grob formuliert zwischen einem Viertel und einem Fünftel Lebenszeit bei der Arbeit. Ohne Feiertage und Urlaub einzurechnen. 

Auch wenn es statistisch zunächst nicht so wirkt, so ist doch unser Alltag vereinnahmt durch unsere Arbeit. Die Suche nach Arbeit oder das Finden des richtigen Ausbildungsplatzes, Studiums oder Arbeitsplatzes kann das natürlich auch umfassen. Arbeit kann uns Sorgen bereiten, Stress verursachen, gesundheitlich einschränken - in die Arbeitssucht oder zum Burnout führen. Aber Arbeit strukturiert auch unseren Tag, gibt uns einen Status, eine Aufgabe, die uns mit Sinn erfüllen kann, ermöglicht uns Finanzielles. Arbeit ist ein Teil unseres Lebens und gehört dazu. Aber alles im Leben hat seine Zeit. Gott schenkt uns diese Zeit. Und vielleicht kann ein lästiger Arbeitstag dadurch versüßt werden, wenn ich diesen Tag Gott, dem Schöpfer, widme und mich daran erinnere, dass auch er am siebten Tage geruht, aber eben auch 6 Tage gearbeitet hat.  

Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Prediger 3,12f. 

1 (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2019/PD19_18_p002.html, Stand: 30.4.2019).

Herzliche Grüße
Medea Frey

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Frieden

Über Unfriede könnte ich seitenlang klagen, aber damit werde ich Gott und den Menschen nicht gerecht. Lieber lasse ich mich mitten im Jahr und mitten im Alltag von der Jahreslosung an der Hand nehmen lassen: Suche Frieden und jage ihm nach (Psalm 34,15).

An vielen Stellen gedeiht Frieden – oder um es biblisch auszudrücken: Schaut, wo Frieden und Gerechtigkeit sich küssen. Das fordert heraus, Beispiele von Frieden wahrzunehmen, anderen zu zeigen und für sich selbst zu übernehmen:

  • Schüler/innen demonstrieren freitags für den Frieden mit der Schöpfung und hinterfragen den großen Fleischkonsum.
  • Mein Sohn hat mir gezeigt, dass auf Mehltüten aufgedruckt ist, aus welchem Land das Mehl kommt, ob es also weite Transportwege zurückgelegt hat. Wo ich Bescheid weiß, kann ich regional kaufen.
  • Nachdem die Klassenarbeit schlecht ausgefallen ist, schreibt eine Freundin am Abend eine Whatsapp: „Es wird wieder besser“
  • Ein Mann ist zwar nicht völlig gesund geworden, aber er kann gut mit seiner Krankheit leben, weil er keine Höchstleistungen mehr von sich erwartet.
  • Eine Gemeinde hat die Kollekte für die Opfer der Flut in Mosambik erbeten und konnte mit über 500 € Leben retten.
  • Aus der „Erbfeindschaft“ mit Frankreich ist ein Miteinander geworden. Schulen praktizieren regelmäßig einen Schüleraustausch.

Regt Sie diese bunte, aber keineswegs vollständige Mischung an, es nachzutun und dem Frieden nachzujagen? Fallen Ihnen ganz andere Beispiele ein? Dann erzählen Sie sie bitte weiter. Denn diese Beispiele machen Mut zu eigenen Schritten zum Frieden. Die Friedenstifter beglückwünscht Jesus, wenn er in der Bergpredigt verspricht: Selig sind die Friedenstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Dass Sie mitten im Jahr im Alltag viele Formen von Frieden erleben und stiften, wünsche ich Ihnen.
Friedrich Geyer

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Losgehen

Eigentlich hätte mein Impuls hier schon am 1. April (kein Aprilscherz) stehen sollen.

Aber kennen Sie das? Keine Idee! Und da habe ich gedacht: die Andacht, die da stand (s.u. "Sei kein Träumer - Erlebe das Leben") war super – durfte gerne länger gelesen werden.

Heute aber eine Idee!

Wir waren unterwegs – ökumenisch – mit Kolleg*innen – auf dem Lebensweg am Kloster St. Ulrich – oberhalb von Bollschweil.

Landschaftlich großartig – ein faszinierendes Zusammenspiel von Kunst und Natur. 15 Stationen auf 3,8 km, die zur Besinnung einladen. Keine Antworten, außer denen, die man selber gibt oder im Gespräch miteinander findet – unterwegs...

Daher diesmal keine Andacht, sondern ein Tipp für die Karwoche: LOSGEHEN!

Herzlich

Ihr Dirk Boch, Schuldekan

 

P.S. Die Impulstexte gibt‘s auf dem Rathaus in Bollschweil oder an der Klosterpforte St. Ulrich!

Links zu homepage: https://www.lebensweg-st-ulrich.de/

 

 

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Sei kein Träumer - Erlebe das Leben

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten im Bildarchiv einer großen, bekannten Zeitung. Folgende Problematik liegt vor: Die Zeichen der Zeit machen auch an ihrer Zeitung keinen Halt. Die Druckauflagen sind zu teuer. Die Zukunft liegt im Online-Dienst. Nun soll die letzte gedruckte Ausgabe mit einem letzten Cover erscheinen. Das Bild erhalten Sie von einem Sensationsfotografen, der eigentlich immer auf der Jagd nach dem nächsten Foto, nie lange an einem Ort und auch telefonisch leider schlecht zu erreichen ist. Und jetzt kommt’s: Das Bild ist verloren gegangen und sie als „Archivar*in“ werden dafür verantwortlich gemacht und stehen kurz vor ihrem Rauswurf. Was würden Sie tun?

Genau das passiert Ben Stiller in einem meiner Lieblingsfilme: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Walter, der Stubenhocker, der Langweiler, das Beta-Männchen trifft eine für ihn ungewöhnliche Entscheidung: Er begibt sich auf die Suche nach Sean, dem Fotografen und dem Bild für das Cover. Seine Reise führt ihn unter anderem nach Grönland und zu meiner Lieblingsszene des Films. Er kommt in eine Bar und er lernt einen Mann kennen, der Pilot ist und mit seinem Helikopter Schiffe anfliegt und sie mit Post, Ersatzteilen usw. versorgt. Dieser Pilot meint zu wissen, auf welchem Schiff Sean gerade ist. Und wie es der Zufall will, fliegt der Pilot genau dieses Schiff an und zwar gleich. Er fragt Walter, ob er mit will. Super, denken Sie? Eine Kleinigkeit habe ich vergessen: Der Pilot ist stockbesoffen, er hat sich Mut angetrunken, weil ein Sturm auf hoher See aufzieht. Die zentrale Frage ist nun: Geht die Reise für Walter hier weiter oder nicht?

Auch wir, meine Kirche und ich sind auf einer Reise. Vieles liegt hinter uns, viel Gutes haben wir geschafft. Nur, wie geht die Reise weiter? Was wird aus Liegenschaftsprojekten und Berufsbildprozessen? Vor Kurzem las ich in der Badischen Zeitung, dass im Jahr 2030 nur noch sechs Prozent der Katholiken ein gottesdienstliches Angebot nutzen werden. Wie wird es in meiner Kirche aussehen in elf Jahren?

Eines nehme ich vorweg: Walter lehnt das Angebot des Piloten zunächst dankend ab. Doch durch einen kleinen motivierenden Tagtraum springt er in letzter Sekunde an Bord des Helikopters - musikalisch untermalt mit David Bowie´s Space Oddity. Wahnsinn! Für Walter geht die Reise weiter …

Was werden wir als Kirche tun in den nächsten elf Jahren? Haben wir den Mut zu springen?

Apropos, wie sieht das Bild des letzten Covers aus? Ist es ein Einhorn, ein Bild von Bigfoot? Wenn Sie es erfahren möchten, springen Sie! Oder Sie schauen sich erstmal den Film an. Hier geht´s zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=sEigl7h8MsM

Mit den Worten David Bowie's grüße ich Sie herzlich: „Check ignition and may God’s love be with you!“

Ihr Oliver Zulauf
Bezirksjugendreferent

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Laufen

Sportschuhe an, raus aus der Bude und loslaufen. Die ersten zwei Kilometer sind noch locker. Dann wird der Atem kürzer. Also: Langsamer. Nicht gleich aufgeben. Geht doch. Läuft sich gar nicht so schlecht. Jetzt noch die Strecke bergauf. Das geht in die Beine. Jetzt nicht schlappmachen. Da die Aussichtsbank. Kurze Pause. Dann der Heimweg, locker. Macht richtig Spaß. Die Muskeln spüren. Den Kopf freikriegen. 

Jetzt im Frühling ist wieder Bewegung angesagt: Laufen, Joggen, Walken. Ausdauer entwickeln. Spüren: Das geht. Das tut gut. Ein Ziel haben – und ankommen, verschwitzt, aber glücklich. 

Laufen ist wie Glauben: Übung. Glauben heißt auch: Dranbleiben, Durchhalten. Manchmal müde werden und den Sinn nicht sehen, am liebsten stehen bleiben wollen. 

Glauben heißt aber auch: Weiterlaufen, neue Kraft gewinnen – wie durch ein Wunder. 
Den Kopf und die Seele frei bekommen und durchatmen. 

Glauben ist wie Laufen. Nur nicht ganz so sportlich. 

Viele Grüße,
Rainer Heimburger, Dekan

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Morgestraich

Mir ist kalt, trotz der vielen Menschen um mich herum. Langsam steigt die Kälte durch die Sohlen und die Wollsocken meine Beine herauf. Die ganze Stadt ist abgedunkelt, Schaufenster und Straßenlaternen ausgeschaltet. Zusammen mit tausenden Menschen stehe ich morgens um vier Uhr in der Basler Innenstadt. Und warte. Alle anderen warten auch, auf den Beginn des Basler Morgenstreichs, den großen Fastnachtsumzug. Irgendwann höre ich die ersten Töne, sehe eine Gruppe Pfeifer an mir vorbeimarschieren, sehe die beleuchteten Lampions und Wagen der einzelnen Musikvereine.

Kalt, dunkel, in Wartestellung – so fühlt sich der Februar an. Das Kirchenjahr feiert den soundsovielten Sonntag nach Epiphanias, Ferien sind keine in Sicht und auf Arbeit läuft alles seinen Gang.

Kalt, dunkel, in Wartestellung – auch die Natur fühlt sich so. Der Schnee ist fort, der Frühling noch nicht da und die Felder bieten dem Auge wenig Sehenswertes. Hin und wieder ein Vogel, eine Blüte. Lebendigkeit sieht anders aus.

Ich stapfe herum, vertreibe die Kälte aus den Gliedern. Die Musikkapellen ziehen durchs dunkle Basel und ich ziehe hinterher. Endlich hat das Warten ein Ende! Kostümiert und ausgelassen feiern die Basler ihren Morgenstreich, setzen dem Dunkel und der Kälte Lärm und Musik entgegen. Mit großem Schwung soll etwas Neues beginnen.

In der Gemeinde erlebe ich das anders. Auch hier warte ich. Doch statt des großen Radaus beginnt die Passionszeit; das Warten wird verlängert, ausgedehnt. Ich warte in Gesellschaft, nicht allein. Ich lerne, bewusst zu warten: Ungeduld gehört dazu und Vorfreude. Worauf warte ich denn? Fastnacht und Schützenfest; Frühling und Gartenarbeit; Karfreitag und Ostern. Auch Jesus wird gefragt: „Bist du es, von dem alle reden oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Er antwortet nicht mit Ja oder Nein, sondern mit der Aufforderung: „Berichtet, was ihr gesehen und gehört habt. Erzählt davon, was hier geschieht.“ „Dann“ – so lese ich zwischen den Zeilen – „werdet ihr entscheiden können, ob sich das Warten auf mich gelohnt hat.“

Eine gesegnete Wartezeit wünscht
Ihr Philipp van Oorschot, Pfarrer in Kirchzarten

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Vorausschauend leben

Als ich mich auf meine Führerscheinprüfung vorbereitet habe, gings ja vor allem um die Regeln der Straßenverkehrsordnung. Die lagen schriftlich vor und galten als unabänderlich. Daneben gab es aber auch ungeschriebene Gesetze beim Autofahren, z.B. immer beide Hände ans Steuer, den Verkehr hinter dir beobachten und natürlich: vorausschauend fahren. 

Das war vor 40 Jahren. Ich habe das beherzigt und konnte manche Gefahr bannen. Paulus tut das im Brief an die Römer auch. Vorausschauend leben. Vorausschauend glauben. „Die Leiden dieser Zeit fallen nicht ins Gewicht. Ihr werdet es sehen.“ Er sagt, dass die Welt, wie wir sie jetzt sehen und haben, nicht genug ist.  Hier nämlich erscheint er sehr oft rätselhaft und sehr weit weg. Leiden krümmen uns. Was Menschen Menschen antun, verschlägt uns die Sprache und ist schwer aushaltbar. Manchmal überhaupt nicht aushaltbar. Aber das irdische Leben ist nur die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere ist die Vision der göttlichen Herrlichkeit. Die kennen wir nur wenig oder gar nicht. Der Glaube sagt: Gott, der das Leben ermöglicht, wird es am Ende verwandeln in seine Herrlichkeit. Das ist keine Fantasterei, sondern fester Glaube. Es ist das Vertrauen, dass das Leid dieser Welt nicht Gottes einziges Wort ist. Wir wissen, dass jedes Leiden ein Ziel hat: Leben in Gottes Gegenwart. Mit diesem Glauben wird unser Leben heil.

„Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“(Römer 8,18) - Monatsspruch für Februar 2019

Dr. Gernot Schulze-Wegener
Pfarrer in Auggen

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Skispringen

Vierschanzentournee. Haben Sie die ein bisschen verfolgt? Ich finde Skispringen irre. Ich würde mich für kein Geld der Welt so eine Schanze runterstürzen.

Allerdings hat dieser Sport eine faszinierende Geschichte. Wussten Sie, dass die ersten Skispringer noch wild mit den Armen ruderten, um weiter zu kommen? Später streckten sie die Arme aus. Dann nahmen sie sie eng an den Körper. Und dann kam Anfang der 90er Jahre dieser verrückte Jan Boklöv mit seinen v-förmig gespreizten Skiern.

„Das sieht total dämlich aus“, schimpften die Weitenrichter – und gaben Boklöv ganz schlechte Haltungsnoten. Das machte dem Schweden aber nichts aus. Der flog nämlich aufgrund der besseren Aerodynamik viel viel weiter als alle anderen und gewann trotz Punktabzugs.

Und was nehmen wir für uns mit?

Wer große Sprünge machen will, muss manchmal seine Einstellung ändern – auch gegen Widerstände. Viele Menschen halten ja an Traditionen fest, obwohl sie mit neuen Ideen wesentlich weiter kämen. Die rudern irgendwie noch mit den Armen.

Auch wenn die Kirchen oft als Hort der Traditionen gelten, den Mut zur Veränderung kann man schon bei Jesus lernen. Der war nämlich immer bereit, Dinge zu verändern, wenn dadurch das Leben gefördert wurde.

In diesem Sinn für uns alle: Guten Sprung ins neue Jahr!

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Von Treuepunkten, Schnäppchen und - ach ja: Frieden!

Wie geht es Ihnen eingentlich mit der Jahreslosung 2019? "Suche Frieden und jage ihm nach!" heißt es im Psalm 34. Ich fühle mich mit diesem Auftrag etwas allein gelassen. Ich bin ein Mensch unserer Zeit. Meine Kompetenz im Bereich "Jagen" konzentriert sich auf Bonusmiles, Treuepunkte, Schnäppchen und Onlineangebote. So wirklich ambitioniert wird mein Jagdverhalten, wenn es um freies W-LAN oder einen Hotspot in der Nähe mit freiem Internet geht. Aber Frieden nachjagen? So gänzlich ohne Barcode-, Wifi- oder Onlinelösung? Ich brauche Hilfe!

Ich entscheide mich für die Problemlösestrategie unserer Zeit: Ich "google" das mal. Suchanfrage: "Frieden nachjagen". Schon jetzt weiss ich, dass diese Suchanfrage mir bei Facebook, Instagram und Amazon in den nächsten Wochen hartnäckig ausführliche Verbraucherinformationen und Schnäppchenangebote aus dem Bereich "Jagdausrüstung- und zubehör" samt einschlägiger Literatur und Bekleidungsangebote einbringen wird. Nun gut. Diese Kröte muss ich nun schlucken.

Nach einigem scrollen ein erster hilfreicher Hinweis einer Kollegin aus Eisenach: Dort haben verschiedene religiöse Gruppen ein Friedenspapier miteinander "errungen". "Errungen" gefällt mir schon viel besser als "Jagen". Unsere Sprache ist es ja oft, die den Unterschied macht. Hier denke ich jetzt gerade an "Gewaltfreie Kommunikation". Weniger "Du-Botschaften" und "gleichzeitig" statt "aber" wirken wahre Deeskalations - sprich: Friedenswunder! Sie wissen nicht was ich meine? Dann sind Sie jetzt dran mit "googeln".

Das könnte meine Strategie für 2019 sein. In Gesprächen, Besprechungen, Sitzungen einfach mal einfühlsamer kommunizieren. Daraus ergeben sich dann viele kleine Versuche Frieden zu stiften um dem einen großen Frieden näher zu kommen. Viele kleine Bonuspunkte - um zu meinem Bild vom Anfang zurück zu kehren - ergeben ja am Ende dann auch eine stattliche Prämie. Versuchen wir doch einfach um eine friedliche Sprache zu ringen. Das ist sicher ein guter Anfang!

Ein gesegnetes und friedvolles neues Jahr 2019 für Sie und Ihre Famile wünscht Ihnen,

Florian Böcher, Gemeindediakon in Staufen und Münstertal
Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald


Bild: Mit freundlicher Genehmigung von www.verlagambirnbach.de - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

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Gebote der Gelassenheit I Frohe Weihnachten

Es ist unübersehbar, dass das große Fest am Ende des Jahres unmittelbar bevorsteht. Weihnachten. Für viele sind damit unzählige und schöne Kindheitserinnerungen verbunden, für andere eine anheimelnde Zeit, gerade wenn sie kleine Kinder oder Enkel haben. Für Geschäftsleute ist es das Fest, das die meisten Gewinne einbringt. Es ist keine Frage: Weihnachten, die Geburt von Jesus Christus, ist immer noch das zentrale kirchliche und gesellschaftliche Fest des Jahres. Alles läuft darauf zu. Die Vorbereitungen sind schon lange im Gang. In jedem Jahr stelle ich mir die Frage, wie ich ein wenig mehr Ruhe und Besinnung in diese im Ganzen sehr unbesinnliche Zeit bringen kann. Der Besuch eines Weihnachtsmarktes jedenfalls bringt keine Stille. Vielleicht sollte ich es mal mit Ohrstöpseln versuchen. „Stille to go“, heißt ein Projekt der Badischen Landeskirche.“Doof“, sagt dazu ein Journalist in der BZ. Hmm. Was kann ich also tun?

In jedem Fall möchte ich auf mich und meine Bedürfnisse horchen. Das Lied von Otto Abel-im evangelischen Gesangbuch Nr. 54: “Hört, der Engel helle Lieder..- gibt mir einen guten Hinweis. „Hört!“, lautet seine erste Aufforderung. Nicht: “Kauf!“ oder: “Macht dies und macht das… Nun aber schnell…“. Sondern: Innehalten und die Ohren spitzen. Hinhören. In sich hinein hören. Was brauche ich und was kann ich anderen geben, was sie benötigen? Wie entwickele ich mehr Gelassenheit in dieser aufgeregten Zeit?

Papst Johannes  XXIII. hat Gebote der Gelassenheit formuliert. Einige sind es wirklich wert, in unserer heutigen Zeit neu gehört zu werden:

1. Nur heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben. Ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten. Ich werde niemanden kritisieren.

3. Nur heute werde ich eine gute Tat vollbringen und niemandem davon erzählen.

4. Nur heute werde ich 30 Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen.

Ich wünsche Ihnen eine stimmungsvolle, gesegnete Weihnachtszeit und ein friedliches neues Jahr 2019!

Ihr Pfarrer Dr. Schulze-Wegener aus Auggen

 

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Mut des Herzens!

Wie verbreitet sich der Mut des Herzens?
Wie enteilt man der Raserei?
Und bring' ich Ruhe in die Bewegung?
Und steh' ich auf für ’ne weite Zeit?

Rund um den geweihten Abend
Zieht das Jahr Bilanz
Erlässt die Fehler
Und lehrt verzeih’n

Das Leben ist ein Seiltanz
Ein hauchzartes Porzellan
Versuchung und Unwägbarkeit
Doch der Funke glimmt
Für einen Aufbruch,
Der gegen alle Ströme schwimmt 

(Herbert Grönemeyer, Mut, 2018) 

 

Viele Fragen... 

aber wann - wenn nicht im Advent - ist es dran, sich diese(n) zu stellen?

Vielleicht kann Sie mein kleines Video zum Song anregen, zum Weiterfragen und Antwort finden.

Einen gesegneten Advent...

Ihr Dirk Boch
Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

 

P.S. Vielen Dank an Pixabay für die Bilder im Video!

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Heliumleben

Im November erinnern wir uns ja immer wieder an die Vergänglichkeit unseres Lebens. Vielleicht ist es mit unserem Leben ja so wie mit Helium? Hä, denken Sie jetzt? Helium? Wieso das denn?

Na ja - Helium kommt aus der Tiefe der Erde und verflüchtigt sich, sobald es zutage tritt. Für immer. Also, wenn Sie Ballons füllen und das Helium dann einatmen und lustige Mickymaus-Stimmen machen oder die Ballons bei einer Hochzeit zum Himmel steigen lassen, dann steigt das Helium anschließend in der Erdatmosphäre auf und verflüchtigt sich. Ist dann einfach weg.

Gutes Bild für unser Leben. Wir kommen auch irgendwie aus der Tiefe ans Licht. Ab da läuft die Uhr. Hoffentlich bringen wir die Leute immer mal wieder zum Lachen, nicht nur mit lustigen Stimmen, sondern machen sie glücklich, und hoffentlich auch mal uns selbst. Hochzeiten und andere Höhenflüge kommen auch vor – Gott sei Dank. Mit etwas Glück und Verstand sehen wir die Dinge mit wachsenden Jahren auch immer mehr im Überblick von oben.

Und irgendwann verflüchtigen wir uns mit unserem Heliumleben in die Unendlichkeit. Sind dann aber nicht weg. Nur anders hier. Bei Gott.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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„Mit Christen auf der ganzen Welt befreundet“ (Unionsurkunde)

Dieser kurze und einfache Satz aus der Unionsurkunde bestimmt die Arbeit bei uns in der Abteilung ‚Mission und Ökumene’. Er macht deutlich, wie sehr die Beziehungen zu anderen Christen in der weltweiten Ökumene keine Nebensächlichkeit sind, sondern zum Kern unseres Glaubens gehören.  Unsere katholischen Geschwister haben es da etwas leichter. Sie sind Teil der Weltkirche. Es ist die eine heilige katholische Kirche ob in Afrika, Europa, Asien oder wo auch immer. Wir müssen dagegen mühsam die Beziehungen knüpfen und pflegen. Das ist auch für Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, nicht leicht. Zu welcher Kirche gehöre ich hier? Wo finde ich meinen Platz im Gefüge der vielen unterschiedlichen Kirchen? Gerade feiert der „Internationale Konvent christlicher Gemeinden“ bei uns in Baden sein 10-jähriges Bestehen.

Ich bin gespannt, wie sehr es unseren ökumenischen Horizont prägen und weiten wird, wenn im September 2021 die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen hier bei uns in Baden (Karlsruhe und Umfeld) stattfinden wird. 350 Mitgliedskirchen gehören zu diesem weltweiten Zusammenschluss. Es ist wahrlich ein bunter Strauß unterschiedlichster Glaubenstraditionen.
Zum Schluss möchte ich daran erinnern, dass drei Kirchen, mit denen wir besonders verbunden sind, gerade sehr schwierige Zeiten durchlaufen. Das ist zunächst und ganz aktuell die Presbyterianische Kirche in Kamerun, zu der ja unser Kirchenbezirk auch eine langjährige Partnerschaft unterhält. Die bürgerkriegsähnliche Gewalt hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr zugespitzt. Sehr viele Menschen sind zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden, viele Tote sind bereits zu beklagen. Noch länger leidet die Kirche der Geschwister in Nordnigeria seit Jahren unter der Terrororganisation Boko Haram, die Angst und Schrecken verbreitet.


Und schließlich nun die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi. Dort leben Christen als ganz kleine Minderheit. Etliche kleine Kirchen sind mit uns über die Evangelische Mission in Soldarität oder über Mission 21 in Basel verbunden.

Wer Näheres über diese Nöte erfahren will, kann dies auf den Webseiten von EMS, Basler Mission Deutscher Zweig oder Mission 21 finden.

Gerade in diesen Notzeiten ist die Solidarität mit den Geschwistern besonders wichtig. Im Gebet und in der praktischen Solidarität zeigt sich, wie tief unsere Freundschaft mit den Christen auf der ganzen Welt reicht.

Pfarrer Eberhard Deusch, Landeskirchlicher Beauftragter für Mission und Ökumene und Gemeindepfarrer in Umkirch

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Gott und Alltag

„Gott und Alltag - das hat doch nichts miteinander zu tun.“ Das sagen jedenfalls immer wieder Schüler und Schülerinnen zu mir. Hinter dieser Aussage stecken für mich zwei verschiedene Gedanken, denen ich hier nachgehen will.

Zum einen nehmen ich Gott im Besonderen wahr. Das Göttliche dringt weniger bei alltäglichen Situationen ins Bewusstsein, wie beim Geschirrspülen oder Laubfegen. Wir denken eher bei besonderen Situationen an Gott oder spüren ihn bei Gottesdiensten oder wie beim Konfi-Camp, wenn wir Gemeinschaft erleben und viel von Gott hören.

Zum anderen ist für mich aber auch die Frage danach verbunden, was Gott mit meinem Leben zu tun hat und wie sehr ich mich ihm verbunden fühle. In den Fürbitten beten wir gerade auch für Alltagssituationen: Wir beten für Gesundheit, ein gutes Miteinander, Frieden, Versöhnung, Trauernde, Freunde und vieles mehr, dass genau damit zu tun hat. Unser Alltag ist damit ganz gezielt gemeint. Und Jesus Christus spricht uns zu: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! (Mt 28,20) Und nicht etwa: „Alle Tage außer in eurem Alltag“. Nein auch genau hier ist er bei uns.

Aber das fordert auch etwas von uns. Wir müssen uns dafür auch bereit machen. Paulus rät der Gemeinde in Rom:

„Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung. Es soll wie ein lebendiges und heiliges Opfer sein, das ihm gefällt. Das wäre für euch die vernünftige Art, Gott zu dienen. Und passt euch nicht dieser Zeit an. Gebraucht vielmehr euren Verstand in einer neuen Weise und lasst euch dadurch verwandeln. Dann könnt ihr beurteilen, was der Wille Gottes ist: Ob etwas gut ist, ob es Gott gefällt und ob es vollkommen ist.“ Röm 12,1+2

Dies soll uns als Leitlinie im Alltag dienen und nach Gottes Willen zu verhalten auch in ganz alltäglichen Situationen. Das kann bedeuten, beim Laub fegen an Gottes Schöpfung zu denken und ihm zu danken oder beim Geschirr abspülen dankbar zu sein, dass Gott uns versorgt. Wenn wir unser Leben so nach Gott ausrichten, wie Paulus es beschreibt, dann muss die Antwort auf die Frage der Schüler und Schülerinnen lauten: Gott hat unbedingt mit dem Alltag zu tun, und er freut sich, wenn er auch in deinem Alltag Platz findet!

Medea Frey, Gemeindediakonin in Müllheim

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Hörst du nicht die Glocken?

Wo eine Kirche steht, da läuten Glocken. Die Nachbarschaft findet das nicht immer schön. Aber es gehört dazu. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz haben für 2018 die Kampagne „Hörst du nicht die Glocken?“ ausgerufen. Damit erinnern die Kirchen an ihr klingendes Kulturgut. Die Anfänge der Glocke liegen vermutlich in China vor 5000 Jahren, seit etwa 1300 Jahren werden Glocken im Christentum eingesetzt.

Traditionell läuten sie, um zum Gottesdienst zu rufen. Sie erklingen zu liturgischen Handlungen: zum Vaterunser, zur Wandlung (katholisch) oder zur Einsegnung der Konfirmand*innen. Vielerorts laden sie drei Mal am Tag zum Gebet ein. Der Stundenschlag geht ins Mittelalter zurück, als die Kirchturmuhr die einzige Möglichkeit war, die Uhrzeit zu erfahren.

Hörst du nicht die Glocken? Ich finde die Kampagne eine gute Sache, und seitdem ich davon weiß, achte ich viel mehr auf den Klang unserer Glocken und auf die an anderen Orten. Die Glocken läuten und machen mich aufmerksam. Sie laden mich ein, mein Tun regelmäßig zu unterbrechen. Dabei sind es ja keine zarten Angebote oder vorsichtigen Einladungen, sondern Glocken setzen sich durch, sind laut, läuten an gegen die anderen Geräusche der Welt. Sie rufen, sie wecken, sie mahnen, sie jubeln.

Was sie wollen? Sie wollen eine Verbindung für uns aufmachen. Sie erinnern uns beschäftigte Menschen an eine Dimension, die uns so leicht abhandenkommt. Wenn uns die Dinge zu wichtig werden. Manchmal ja sogar die allertrivialsten Sachen ungeheuerliche Größe bekommen. Dann funken die Glocken mit ihrem lauten Ton dazwischen. Weisen auf Großes hin, das die kleinen Sachen angenehm zurechtrückt und wieder schrumpfen lässt. Aber sie wollen nicht nur relativieren, sie wollen auch trösten, bergen, mein einzelnes Erleben in Gottes großem Ganzen einen Platz finden lassen. Sie wollen der Zuversicht Stimme geben, dass da in meinem Leben immer auch Gott am Werk ist. Ist es nicht großartig, dass die Kirchenglocken immer noch läuten?!

Ihre Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

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Wenn's anderscht schmeckt...

Im Augeblick, won i des schrib, vergöhn mir alli vor Hitz’. Aber wenn ihr des läset, wird d’ grossi Hitz umme si. Un dann isch scho bal de Tag do, irgend wenn im September, wo’s zum erschte Mol im Johr nümmi wie Summer schmeckt (für D.: riecht). Denn weiss i, dass wieder e Johr ummen isch. Viel dütlicher als am Altjohrsobend. Ihr do unte, im »Rheintalischen« (wie’s in Schlafes Bruder heisst), merke des weniger, oder nie. Bi Euch isch’s villicht so wit, wenn die erschti Wuche Dauernebel do isch…

Wenn’s also zum erschte Mol noch em Spötlig schmeckt, de Summer zum e spote Summer wird mit de erschte Spinnbuppe in de Luft, un d’ Arbet scho uf eim wartet, denn isch’s der Zit, z’überlege, was in de letschte 11 Monet alles so gsin isch. Mir hen säll nit numme im Chopf, mir trages au mit uns umme (nai, nit numme d’ Johresring). S’ isch äso, wie’s de Bode Kirchoff emol gschriibe het: »Aber das Herz ist kein Muskel, das Herz ist ein Sammler.« Wie recht er do dermit het, merkt me spöteschtens, wenn de Arzt zu eim sait: »Nervöse Herzbeschwerden«. Do sammle mir so mänks, won is am End us em Rhythmus bringt. Hen er e bitzeli Zit?

Denn fanget mol a un hirnet (für D.: das, was man mit dem Ge-hirn macht), do wird Euch öbbis vo dem ifalle, was es Herz schon lang gspürt. Bim Brueder Martin git’s e schöne Übersetzig vo Hebräer 13,9: »Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.« I find, des isch e schön’s Bild, s’ Herz, wo fescht wird. Natürlig nit us Stei, aber so, dass es ruhig schlat, au wenn’s Läbe ganz anderscht isch. Säugling hen des gern, sie werde ruhig, wenn sie uf eim liege uns Herz schlage höre. Sell chenne si scho, scho nün Monet lang. S’sait ihne, dass es do e Verbindig git, wo trait. Wien e Bruck, wo mer cha drüber go, ohni Angscht, au wen mer nit sieht, wie’s ähne dra witer goht.

Euie Hellmuth Wolff, vo 900 Meter oben abe

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Ein (REISE-)SEGEN

Ein Segen, nicht nur für diejenigen, die in den Urlaub fahren:

Gott segne dich,
wenn du in aller Herrgottsfrühe aufstehst oder wenn du noch eine Runde liegen bleibst.
Er segne dein Aufbrechen, dein Unterwegs sein und dein Ankommen.
Er segne die Menschen, die dir begegnen, die dich begleiten und die du verlässt.
Gott schenke dir kühle Gedanken, wenn’s heiß hergeht,
erfrischende Begegnungen
und ein schattiges Plätzchen, an dem ihr gut reden könnt – über ihn und die Welt.
Er schenke dir Zeiten der Stille, in denen deine Sehnsucht Raum hat
und in denen du offen bist für sein Wort.
Er schenke dir Besonnenheit zu erkennen, wo andere dich brauchen
und er schenke dir den Mut und die Kraft dann auch zu handeln.
Und so segne dich Gott,
durch Jesus Christus, im Heiligen Geist.
Amen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne und erholsame Sommerzeit!

Ihr Florian Böcher, Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Gedanken

Wenn alle Klamotten in den Koffer passen;

Wenn das Auto aus allen Nähten platzt

Wenn sich der Stau aufgelöst hat 

Dann beginnt der Urlaub.

 

Wenn das Hotel-Frühstück besser ist als zuhause

Wenn die Sonnengarantie ihre Versprechen einlöst

Wenn die Kinder endlich mal ausschlafen (bis 8.30 Uhr!)

Wenn man zum Pool pendelt und nicht zur Arbeit

Wenn man vergisst, welcher Wochentag ist

Dann ist endlich Urlaub

 

Wenn die Sonnenbräune gleichmäßig ist

Wenn die Nachbarn sich für die Postkarte bedanken

Wenn die Kollegen über meine Fotos staunen

Dann war ich im Urlaub.

 

Wenn ich noch vier Monate durchhalte

Wenn ich noch drei Monate durchhalte

Wenn ich noch zwei Monate und drei Wochen durchhalte

Dann ist wieder Urlaub (wird auch höchste Zeit)

 

Wenn ich Pausen hätte, Zeit für mich hätte

Wenn nicht jeden Tag Alltag wäre

Dann hätte mein Kopf mal Urlaub, und meine Seele gleich mit.

Dann würde ich Kraft tanken, nicht nur im Urlaub

Sondern auch sonntags.

 

Wenn einer mal sagte: „Du brauchst das nicht allein zu schaffen.“

Dann würde ich länger durchhalten

Vielleicht nicht bis zum Urlaub, aber vielleicht bis Sonntag.

 

Wenn alle mal den Mund hielten

Wenn ich sogar das Handy ausschalte,

dann könnte ich selber ruhig werden

dann wäre es auch in mir mal ruhig

dann könnte ich die Worte nochmal hören

die Worte von letztem Sonntag: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.“

Wenn diese Worte etwas bedeuten, dann doch dies:

Da schenkt mir jemand Urlaub, mitten im Alltag.

 

Philipp van Oorschot, Pfarrer in Kirchzarten

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Dieser Tage läuft bei mir das Handy heiß...

... und mein Akku kratzt ständig an 0 %. Das hat aber nichts damit zu tun, dass der BND unbemerkt eine Spyware auf meinem Smartphone installiert hat - zumindest hoffe ich das…

Vielmehr hat es damit zu tun, dass ich in den letzten Tagen für insgesamt über 150 Jugendliche 44 Gruppen auf verschiedenen Messenger-Diensten installiert habe. Und die Jugendlichen stellen munter ihre Fragen und melden sich zurück. Und das zu Recht.

Warum? Es geht um die Baden Games. Vom 20.-22.07. machen sich Jugendliche aus ganz Baden auf den Weg, um Baden und die Welt zu retten. Dabei müssen sie mutig Aufgaben lösen, sich als Team finden und den Umstand aushalten, dass sie noch nicht wissen werden, wo sie ihre Reise hinführen wird. Dabei müssen sie sich auf ein Team von Bezirks- und Landesjugendreferenten in einer „geheimen Zentrale“ verlassen, die sie ständig mit neuen Informationen, Zielen und Aufgaben über ihr Handy versorgen. Die „Baden Games“ schlagen Wellen. Es gibt viele Befürworter bis in oberste Kirchenämter. Oberkirchenrat Prof. Dr. Schneider-Harprecht lässt es sich nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Das freut mich sehr. Ich stelle mir vor, wie er in diesen sommerlichen Nächten beim zu Bette gehen zufrieden in sein Kissen flüstert: „Hach, Baden Games - super Sache!“

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Was ist genau das Christliche an diesem Projekt? Tatsächlich ertappe ich mich bei solchen Fragen immer wieder, wie ich innerlich die Augen verdrehe. Ich kann den Kritikern aber auch eine klare Antwort geben:

Wo sich Jugendliche aufmachen ins Ungewisse, bewusst als „Gemeinde auf Zeit“, wo Jugendliche mit T-Shirts und Bannern als Christ*innen erkennbar sind, wo ein Projekt nur umgesetzt werden kann, weil es viele Ehrenamtliche und Hauptberufliche gibt, die (fremden) Jugendlichen Schlafunterkünfte zur Verfügung stellen und sie mit Essen versorgen, wo man sich also traut, übergemeindlich zu denken, wo morgens und abends teilweise mit klassischen Elementen, aber auch neuen (Online-) Andachten gefeiert werden und das, wo eben nicht nur zwei oder drei in Christi Namen versammelt sind, wo ein Projekt in einen großen Jugendgottesdienst mündet, da sage ich: Das ist gelebtes Christentum, das Tradition und Moderne miteinander verbindet.

Ich bin stolz auf die vielen helfenden Hände und sage jetzt schon „Danke“ an alle, die dieses Projekt ermöglichen. Mit euren unterschiedlichen Gaben, Aufgaben und Fähigkeiten seid ihr wichtige Glieder am Leibe Christi! Übrigens: Aus unserem Bezirk nehmen Gruppen aus Ehrenkirchen, Müllheim und Bad Krozingen teil. Ich wünsche allen Gruppen viel Spaß und Gottes Segen auf ihrer Reise. Wir freuen uns, wenn Sie die Baden Games unter dem Hashtag #badengames verfolgen.

Oliver Zulauf, Bezirksjugendrefrent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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"Der undankbare 4. Platz"

Am Samstag wird bei der WM in St. Petersburg um den dritten Platz gespielt. Belgien – England. Das kleine Finale.

Natürlich wird auch um den 4. Platz gespielt. Aber das sagt keiner. Und trotzdem ist es so. Wer gewinnt, wird Dritter. Wer verliert wird Vierter. Und das nennt man dann den „undankbaren 4. Platz“.

Übrigens: Wissen Sie noch wer vor 4 Jahren 3. oder 4. bei der WM wurde? Holland (!) schlug Brasilien im kleinen Finale 3:0.

Aber an den Dritten erinnert man sich kaum. Und schon gar nicht an den Vierten.

Schade eigentlich. Wenn man bedenkt, dass man sich ja erst einmal für eine solche Weltmeisterschaft qualifizieren muss, um überhaupt dabei zu sein. Das haben immerhin 32 Mannschaften geschafft.

Und dann gab es die Vorrunde, das Achtelfinale, das Viertelfinale, das Halbfinale. Und jetzt endlich - die beiden Endspiele. Und da soll es schlimm sein, wenn eine Mannschaft nur Vierter wird? Merkwürdig.

Auch bei den Olympischen Spielen ist das immer so. Weil es eben nur 3 Medaillen gibt. Und nur 3 Stufen auf dem Treppchen. Dabei ist die Zahl 4 doch so unverzichtbar.

Auch für den Fußball. Das Runde – heißt es - muss ins Eckige. Und das hat nun mal 4 Ecken. Der ganze Platz hat 4 Ecken, ist sozusagen ein Viereck.

Es gibt die vier Himmelsrichtungen, die 4 Räder und die 4 Jahreszeiten.

Die 4 ist sonst doch eine anständige Zahl. Eigentlich unverzichtbar. Und trotzdem will keiner gerne Vierter werden.

Ist doch klar. Ist doch menschlich. Aber nicht unbedingt göttlich. Denn Jesus hat einmal ganz bescheiden gesagt: „Wo 2 oder 3 in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Er ist also gerne Vierter.

Vier gewinnt eben doch auch. Wer am Samstag verliert, gewinnt trotzdem, gewinnt den 4. Platz.

Rainer Heimburger, Dekan des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

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Abgeben

Natürlich verfolge ich die WM; auch nach dem Ausscheiden unserer Mannschaft. Und manchmal spreche ich auf einmal mit dem Fernseher. „Abgeben. Abgeben. Mensch, gib doch ab!" Abgeben. Das gehört zum guten Spiel. Wenn einer alles alleine machen will, dann läuft nichts, dann geht es schief.

Abgeben. Mensch, gib doch ab. - Ein toller Satz. Nicht nur beim Fußball. Sondern auch im Leben.

Abgeben: andere einbeziehen, seinen Part gut ausführen und dann abspielen. Den anderen auch etwas überlassen. Sie beteiligen am Spiel, eben: zusammenspielen.

Abgeben ‑ zusammenspielen ...

Das gilt nicht nur auf dem Fußballplatz und auf dem Spielfeld des Lebens, von Mensch zu Mensch. Ich glaube, das gilt auch im Zusammenspiel von Gott und seinen Menschen.

Abgeben. Mensch, gib doch ab.

Das klingt wie eine moderne Übertragung des altes Psalmverses: Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen.

Ich stelle mir vor, Gott steht manches Mal auf dem Spielfeld des Lebens und ruft mir zu: Abgeben! Mensch, gib doch ab!

Deine Fragen kannst du mir lassen und für deine Sorgen hab ich ein offenes Ohr.

Wenn du müde bist und keinen Mut mehr hast zum Weitergehen, dann schick ich Dir einen Engel so wie dem Elia, der brachte ihm, was seine Lebensgeister wieder wachrief.

Dann kann ich Kraft schöpfen und mich mit frischer Energie ins Spiel einbringen. Dabei will ich den Zuruf nicht überhören: Abgeben! Mensch, gib doch ab!

Rainer Heimburger, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

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Raum für Gutes

Eine alte Dame mit schlohweißem Haar sicher deutlich jenseits der 80 sitzt am Tisch, ihre Hörhilfe im Ohr, einen Pinsel in der rechten Hand. Das Bild auf der Leinwand vor ihr hat schon Gestalt angenommen. Aber wie geht´s jetzt weiter ...?

Über Eck am selben Tisches sitzt ein Mädchen, keine acht. Sie könnte gut und gerne die Urenkelin sein. Auch sie hat einen Pinsel in der Hand und malt gerade, während sie aufmerksam schaut, was ihre Mitmalerin tut. Sie malen zusammen – ein schönes Bild!

Wie gut, dass es einen solchen Raum der Begegnung über die Generationen hinweg gibt. Es ist ein Raum für Gutes.

Szenenwechsel.

Freude spricht aus den Gesichtern der Jugendlichen mit Handicap und der Frau um die 30. Sie sind sich nah, haben die Köpfe zusammensteckt dort unter leichten Decken und offensichtlich viel miteinander zu lachen.

Wie gut, dass es einen solchen Raum der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Handicap gibt. Es ist ein Raum für Gutes.

Das ist das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie: „Raum für Gutes“. Es begegnet auf dem Aktionsplakat über den beiden Bildern, die sich beliebig fortsetzen ließen mit denen aus der tagtäglichen Arbeit unter dem Dach unseres Diakonischen Werkes Breisgau-Hochschwarzwald.

Da tut sich in der Schwangerenkonfliktberatung ein Raum für Gutes auf, in dem hilfesuchende Frauen in Ruhe überlegen können, welche Wege aus der Krise herausführen. Da tut sich in der Begleitung psychisch kranker Menschen ein Raum für Gutes auf, in dem sie Wertschätzung und praktische Lebenshilfe erfahren. Da tut sich im Rahmen der Flüchtlingsarbeit ein Raum für Gutes auf, in dem Menschen mit Fluchterfahrung die so wichtige Begleitung und Beratung finden.

Ein Segen, dass Menschen durch die Mitarbeitenden des Diakonischen Werkes Wertschätzung erfahren – in welcher (Not-)Lage auch immer -, aufatmen können und aufgerichtet werden. Das entspricht von jeher dem Wunsch und Willen Gottes. Der Mensch aus dem Volk Israel erinnert daran, wenn er betet: „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum" (Ps 31,9).

Rolf Kruse, Pfarrer in Bad Krozingen und Bezirksdiakoniepfarrer im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Der Heilige Geist

Ich erinnere mich noch zu gut an die letzte Schulstunde vor den Ferien. Das Thema war Pfingsten und einige Kinder hörten die Pfingstgeschichte zum ersten Mal. Als ich mit erzählen fertig war, starrte ich in einige staunende Gesichter. „Was? Frau Häs? Wie kann das sein, das die nicht wissen, was sie sprechen???“.

Ja, wie kann das sein? Das ist nur eine von vielen Geschichten in der Bibel, die uns manchmal vor Herausforderungen stellt. Manchmal lesen wir Geschichten, in denen Dinge passieren, die für uns nicht logisch erscheinen. Und bei denen wir deshalb Schwierigkeiten haben zu glauben, dass es so passiert ist. Vor allem die Wissenschaft zeigt uns immer wieder auch Wege einer logischeren Erklärung für ein Geschehen.

Trotz aller Forschungen und Beweise frage ich mich dabei: Warum trauen wir Gott in seiner Trinität nicht zu, dass er manchmal Dinge tun kann, die unser Denken übersteigt?

Ich schaue skeptisch… und erinnere mich zurück an meine Schüler*innen.

Ich erinnere mich daran, dass ihre Gesichter nicht mit einer Skepsis erfüllt waren - sondern mit einer Begeisterung.

Be-geist-erung, das ist für mich ein Sinnbild für den Heiligen Geist.

Ich jedenfalls möchte mich wieder anstecken lassen. Anstecken von der Be-geist-erung, die der Heilige Geist in mir bewirken kann. Begeisterung und staunen für die vielen Geschichten in der Bibel. Und begeistern lassen von seiner Vielfalt, in der er mir heute noch persönlich begegnet: Tröster, Heiler, Ratgeber, Freudespender, Hoffnungssäer, Vertrauensgeber …

Oder eben einfach: Gott in mir!

Nun bleibt mir nur noch eines zu wünschen:

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ Röm. 15,13

Celina Häs, Gemeindediakonin in Umkirch und Bötzingen

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Nur nicht zu viel Angst!

„Wenn ich so richtig Angst habe, bringt das gar nichts, dass einer sagt: Hab keine Angst!“ – so ein Mädchen neulich in unserem Kindergottesdienst. Das gibt mir zu denken. Was bedeutet dann der Satz: „Fürchte dich nicht!“, der sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht? Bringt der was?

Vieles macht Angst: die Dunkelheit, das Warten auf eine Diagnose, der mögliche Verlust der Arbeitsstelle, die Sorge um die Lieben, Schmerzen, der Tod. Im Gespräch mit Jugendlichen wird mir bewusst, dass ihre Ängste in den letzten Jahren zunehmen: die Angst zu versagen angesichts von großem Leistungsdruck, die Angst vor Terror und Krieg. Hilft da ein „Hab keine Angst!“?

Mary Ward (1585-1645), englische Ordensgründerin, sagt: „Fürchte nur, zu viel Furcht zu haben!“. Also nicht einfach: Hab keine Angst - wirkliche Angst lässt sich eben nicht weg reden. Aber: Hab nicht zu viel Furcht! Denn wenn die Furcht mich gleichsam überrollt, dann werde ich blind. Wie das Kaninchen vor der Schlange starre ich nur auf das, wovor ich Angst habe, unfähig zu reagieren und mögliche Auswege zu sehen. Ein Übermaß an Angst blockiert.

Fürchte dich nicht! – heißt dann: Lass dich nicht beherrschen von deinen Ängsten. Du bist ihnen nicht vollends ausgeliefert. Du kannst wieder freier durchatmen. Und einen ersten Schritt heraustreten aus der Angst.

Pfingsten ermutigt dazu, „nicht zu viel Furcht zu haben“. Gefangen in ihrer Angst sitzen die Jünger*innen hinter verschlossenen Türen. Gottes Geist befreit sie aus diesem Gefängnis. Sie können nach draußen treten, die Angst ist handhabbar geworden. Fürchte dich nicht! „Fürchte nur, zu viel Furcht zu haben!“

Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

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Heute teile ich mal nicht ...

… das lustige Katzenvideo.

… Bilder von meinem Essen.

… meinen gesamten Alltag mit der Welt.

Teilen im Internet via Facebook, WhatsApp, Instagram, YouTube oder wo auch immer, ist das sozial? Es heißt doch immerhin Social Media.

Teilen gilt ja in unserer Gesellschaft allgemein als etwas Gutes. Man gibt von seinem eigenen etwas her – das macht mein beim Teilen im Internet auch. Man gibt Informationen weiter und stellt sie anderen zur Verfügung. Nach meinem Verständnis vom Teilen, so wie ich es in der Bibel lesen, sorgt es auch für mehr Gerechtigkeit. Wo geteilt wird, da können Wunder geschehen, so wie bei Fisch und Brot, wo von zwei Fischen und fünf Brote fünftausend Menschen satt werden (Markus 6,30-44).

Ich frage kritisch, macht das Teilen von Katzenvideos unsere Welt zu einem besseren Ort? Oder die zur Schaustellung perfekter Urlaubsbilder auf Instagram? Teilen im Internet kann natürlich auch nützlich sein, wenn beispielweise jemand vermisst wird und man diese Nachricht teilt und es sich so schneller verbreitet. Dann könnte es auch als Teilen im biblischen Sinne verstanden werden.

Dennoch habe ich für mich überlegt: In diesem Monat will ich einfach mal wieder andere Dinge teilen. Ich teile einfach meine gute Laune, Kleider, Essen, meinen Block und Stift, meinen Sitzplatz im Zug oder vielleicht auch mein Geld. Und was teilst du?

Medea Tenberg, Gemeindediakonin in Müllheim

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Zu spät für dieses Bild? Jetzt Kreuz, Dornenkrone, Nägel und … auf der Homepage des Bezirks

Leider ist es nicht zu spät für das Bild des Arma-Christi-Kreuzes. Zwar ist es fast zweitausend Jahre her, dass Jesus gequält und gekreuzigt wurde. Aber wie Jesus gequält wurde, wird bis in die Gegenwart wiederholt:

Mord an Menschen, die anders sind als erwartet; Mord und Verfolgung von Menschen, die Unrecht beim Namen nennen. Die Geißel steht für Folter. Der Hahn erinnert an Petrus und sein Versprechen: „Jesus, ich lasse dich nie im Stich“; als Mut erforderlich war, hat Petrus Jesus verleugnet. Noch ein Detail: Unten auf dem Gewand sind drei Würfel abgebildet: Die Soldaten haben an Jesus ihr blutiges Geschäft erledigt, dann würfeln sie, wer Jesu Gewand bekommt. Mitleid mit dem Sterbenden ist ihnen fremd. Ich schreibe diese Zeilen, als entschieden wurde, an Saudi-Arabien Militärboote zu liefern: Wirtschaftlich verlockend – todbringend für die Menschen im Jemen.

Aktuell ist und bleibt vor allem: All die Erinnerungen an Jesu Tod sind von einem Ei umgeben, von einem Osterei. Aus all der Quälerei, aus dem Grab hat Gott Jesus Christus auferweckt. Wie auch immer das Leben mit Füßen getreten wird, Gott lässt das Leben siegen. Auch wenn es für den Augenblick anders aussieht: Der Tod hat verloren, die Quäler und Mörder sind nicht die Sieger.

Gott ist ein Freund des Lebens, deshalb setzen sich Kirchen für das Leben ein: Krieg ist keine Option, so haben viele Gremien der Kirchen entschieden. Und Sie sind um Ihre Hilfe gebeten, damit Fachleute helfen durch die Diakonie und Brot-für-die-Welt.

Auch wenn Ostern Wochen zurückliegt, wünsche ich Ihnen, dass Sie die Perspektive von Ostern begleitet: Gott lässt das Leben siegen. Mit diesem Segenswunsch grüße ich Sie

Friedrich Geyer, Pfarrer in Stegen mit Buchenbach, St. Märgen, St. Peter

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Umparken im Kopf - oder: "Die Hummel fliegt"

Umparken im Kopf...

... eine Werbekampagne einer großen Autofirma und ein Bild für Ostern.

Umparken beginnt mit dem Ausparken:

  • Brich auf! Bleib nicht stehen! Das ist schon schwer genug, wenn der Tod uns ergreift. Schockstarre. Unbeweglichkeit.
  • Um Ausparken zu können, muss ich den Kopf drehen können – nach links und rechts, ja sogar zurück schauen können.
  • Wer ausparkt, muss wissen, wohin die Reise gehen soll. Sonst werde ich stehen bleiben. Wer weiß denn schon, ob ich nochmal einen Parkplatz finde...

Umparken im Kopf...

... ein Leben nach dem Tod - dem eigenen Tod - dem Tod eines geliebten Menschen?

Die Hummel – kann ein Bild für diese Hoffnung sein!

Schauen wir die Hummel an, dieses kleine, possierliche Tierchen! Die Hummel hat eine Flügelfläche von 0,7 Quadratzentimetern bei einem Gewicht von 1,2 Gramm. Nach den uns bekannten Gesetzen der Physik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis von Flügelfläche und Gewicht zu fliegen.

Die Hummel weiß nichts von den Gesetzen der Physik. Sie fliegt einfach, was jedermann sehen kann.

So ist es mit der Auferstehung. Sie kann gar nicht sein, und trotzdem gibt es sie: jetzt und dereinst. Dessen bin ich gewiss.

Ostern wird es, wenn wir für uns einen Weg sehen, wo es scheinbar nicht mehr weitergeht.

Wenn wir miteinander noch einmal von vorn beginnen können.

Wenn wir nach einer Zeit der Trauer oder Krankheit eines Morgens aufwachen und wieder Kraft und Lust auf den Tag verspüren.

Im Angesicht von Ostern dürfen wir ein wenig tapferer werden, österlicher, vielleicht sorgloser. Wir dürfen ein wenig tapferer werden, was die Trauer um unsere schon Verstorbenen und unsere Angst vor dem Tod betrifft.

Darum: frohe Ostern! Der Friede des auferstandenen Herrn sei mit euch! Traut eurem Glauben, traut euren Träumen!

Und vergesst nicht: die Hummel fliegt.

 

Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk

- in Erinnerung an eine liebe, inzwischen gestorbene Kollegin. Ihr verdanke ich das Hoffnungsbild der „Hummel“. Sie schaut nun, worauf sie getraut hat. Gewiss.

 

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Disziplin: Fasten

Es ist Mittwochmorgen und der Beginn der fünften Fastenwoche. Auch ich habe mir vorgenommen zu verzichten: Auf Gummibärchen, Schokolade und Knabbersachen. Und was merke ich mal wieder in der Fastenzeit? Verzicht ist eine harte Disziplin! Auch Jesus hat gefastet. In der Wüste fastete er 40 Tage und 40 Nächte. Für Jesus war es sicherlich kein Spaziergang. Am Ende hatte er Hunger, unglaublichen Hunger. Aber warum? Warum fasten wir und warum hat Jesus gefastet? Ein Blick in die Bibel zeigt uns, dass Fasten mit dem Gebet in Verbindung gebracht wird. Wo gefastet wird, da wird auch gebetet. Mit Gott kommuniziert. Freude geteilt, Zweifel ausgesprochen, Sorgen gebracht; kurz gesagt: einfach die Herzensangelegenheiten an Gott weitergegeben.

Zurück zu Jesus. Wir lesen am Ende seiner Wüstenzeit von seiner Begegnung mit dem Teufel, der ihn dreimal versuchte. Doch Jesus blieb standhaft. Er widerstand bei jeder einzelnen Versuchung. Wie konnte er das tun? Ich denke, er zog seine Standhaftigkeit und Klarheit aus dem Gebet - aus der Beziehung zu Gott. Auch wenn er Hunger hatte, wurde eine andere Ebene von Hunger gestillt. Er wurde gestärkt für das, was auf ihn zukam. Für mich wird in dieser Geschichte deutlich, dass es kein Fasten ohne Gebet gibt – ohne den Kontakt zu Gott. Denn dann kann auch ich in dieser Zeit gestärkt werden – für meinen Alltag, aber auch für Zeiten, in denen es mal stürmisch wird. 

Und ich wünsche uns allen, dass wir diesen Verzicht in der Fastenzeit nicht nur als hart und schwer ansehen, sondern auch als Chance und als einen Gewinn, der uns im Leben bereichert.

Celina Häs, Gemeindediakonin in Umkirch und Bötzingen

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Nieder mit Tina!

Nein, ich meine nicht Tina Turner, die unverwüstliche Rockröhre („We don’t need another hero“). Die Tina, die ich meine, ist viel einflussreicher und zwar auf allen Gebieten des Lebens. Tina ist die Abkürzung von „There is no alternative. – Es gibt keine Alternative.“ „Klimawandel? – Müssen wir was tun, unbedingt! Aber Kohlekraftwerke abschalten? Dazu gibt es noch keine Alternative. – Gewalt, Kriege, Hunger, Ungerechtigkeit? Die gab’s doch schon immer.“

Aber Alternativen sind möglich. Jesus beginnt sein Wirken mit dem Ruf: „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Die gute Nachricht beginnt mit dem Satz: „Es gibt einen anderen Weg. Umkehr ist möglich.“ Deshalb ist „Da kann man nichts machen“ ein gottloser Satz. „Als Einzelner kann ich sowieso nichts machen“. Mit diesem Satz schneide ich mich selbst von den Kraftquellen Gottes ab. Wo Jesus Christus ist, da ist die Welt veränderbar.

Und wie kann das praktisch aussehen? Unser Kleiderschrank quillt über. Zwei Milliarden praktisch ungetragene Kleidungsstücke schlummern in den Schränken der Deutschen. Damit könnte man drei volle Wäscheleinen bis zum Mond spannen! Und dabei wissen wir: Die meisten unserer Klamotten werden unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. „Kleiderfasten“ könnte ein Weg sein, mehr Übersicht in den Kleiderschrank zu bringen. Weniger kaufen und einen Teil des gesparten Geldes an „Brot für die Welt“ geben, oder damit Initiativen für eine gerechtere Textilproduktion unterstützen.

Ich glaube: Es gibt Alternativen.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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S' isch e Chrütz!

Scho isch d‘ Fasnet wieder umme. S‘Häs wird gwäsche oder hängt noime un luftet us. D‘ Larve chunnt in de Schrank. S‘Äschechrütz isch uf de Stirn, mängi hen‘s au schon wieder äweggschwitzt. Oder sie hen de letscht Sarass no gar nit usgschloofe. Einewg, wer Fasnet gfiirt het, het in dere Zit wenigstens e Rolle gha, isch öbber gsi. I hof, s’ het au Freud gmacht. Aber was isch me jetz, ohni Larve un ohni Häs? 
Mängi verwütscht’s aber no schlimmer: Sälli, wo gar kei Fasnet fiire. Was mache die, wenn sie mien ihri Larve abneh und ihri Rolle nümmi hen? Wenn sie s’ überlegeni Grinse mien abgeh? Oder s’ demietigi Lächle? Wie stöhn sie dann do? 
Noch de Fasnetszit sin mir numme noch mir selber. Ob mer gfiirt hän oder nit. Ob des zum ushalten isch? He, mänkmol wär’s guet, un mänkmol wär’s gruusig, wil’s ganz ehrlich wär. S’ isch halt e Chrütz. 
Loset, i will Euch öbbis sage, s’ goht au no anderscht (villicht hen er auch scho denkt, was er jetz us em Ärmel zauberet): Leget doch eifach öbbis Neus a. Nai, nit e ander Häs, oder doch? So mein i’s, wie’s de Paulus gsait het: »So zieht nun an… herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld…« (Kol. 3,12). Des wär doch e schön Häs oder e schöni neui Larve: Statt dass eine luegt wie ne Rottwiler, wo mer s’ Frässe will furtneh, luegt er fründlich, statt dass eine macht wie’s Rumpelstilzchen isch er sanftmütig … un so witer. S’bescht isch, des chrischtlichi Häs hebt e ganz Johr un no länger. Gönt un probieret’s emol us. S’ isch dann kei Chrütz me, sondern e Freud. 
Meint Eue Hellmuth Wolff vom Berg oben abe
 

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Ein leises Wort

Monatsspruch für Februar 2018:

„Es ist das Wort ganz nah bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

Ein leises Wort. Vorsichtig. Sanft. Dahingehaucht. So kann Gott sein. Nicht mit Härte oder Allmacht, heiligem Zorn oder Forderung. Eher milde, werbend, anrührend. So liegt er uns in den Ohren. Es ist nur die Frage, warum ich Gott so selten höre. Dabei ist er nahe mit dem, was er schenkt und erwartet. Sein Wort ist in den Zehn Geboten klar zum Ausdruck gebracht. Und in den vielen Details zur Lebensgestaltung, die dem Dekalog folgen. Vielleicht hören wir sein Wort nicht, weil wir selbst zu laut sind.

Das Zarte geht rasch verloren in einer Welt, in der immerzu geredet, geplappert oder auch gebrüllt wird. Flüstertöne sind rar. Das Zarte geht auch verloren, wenn die glatte Lüge zur Wahrheit erklärt wird. Wahre Worte werden verdreht in „alternative Fakten.“ Da sei Gott vor!, sagte man früher manchmal und meinte, dass Gott sich dazwischen werfe möge mit seinem wahren und lebensspendenden Wort. Das liegt in unseren Herzen, wie der Monatsspruch ausdrücklich sagt. Wenn wir das wollen und den eigenen Worten nicht zuviel Gewicht beimessen. Die vor uns liegende Fastenzeit mit dem Motto „Sieben Wochen ohne!“ bietet die Chance, einmal ganz bewusst auf seine Worte zu achten und selber all das laute Plappern zu vermeiden. Sieben Wochen ohne lautes Reden. Eine Bußübung, die für viele ein hartes Training sein könnte.

Gernot Schulze-Wegener, Pfarrer in Auggen

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Alles Gute zum Alltag

Eine kleine Melodie hab ich geschrieben,
schenk sie dir komm pack sie aus und
nimm sie mit ganz egal wohin du gehst,
sie geht mit dir.
Alles Gute zum Alltag!
Ich wünsch dir einen schönen Tag!
Alles Gute zum Alltag!
Ja mein Freund, ich wünsch dir was.
Nimm das Leben bei der Hand,
grab die Träume aus dem Sand!
Träume hellwach, Träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.
Alles Gute zum Alltag!
Ich wünsch dir einen schönen Tag.
Alles Gute zum Alltag!
Ja mein Freund, ich wünsch dir was!

Manchmal kommt uns der Alltag ziemlich trist und langweilig vor, dabei sind es doch die kleinen Dinge im Leben, die unser Leben lebenswert machen. Es muss nicht jeden Tag etwas großes Geschehen um einen guten Tag zu haben. Viele kleine Nettigkeiten, ein Lächeln, ein einfaches Dankeschön, eine Umarmung sind meist besser, als ein großes Geschenk.

“Nimm das Leben bei der Hand grab die Träume aus dem Sand“, wie schon Samuel Harfst gesagt hat. Träume erreicht man durch Leben und deshalb sollten sie nicht verloren oder vergessen werden. Nimm deine Träume in den Alltag mit und lass sie Mitgestalten. Lasst eure Sorgen auch mal liegen und genießt was ihr habt. Schätzt den Moment, euren Alltag und Leben. Man kann die Zeit nicht zurück drehen aber das beste daraus machen. Lasst eure Hoffnung auf eure Träume nicht los. Genießt euren Alltag!

Vielleicht auch beim Konzert mit Samuel Harfst am 26. Januar in der Martin-Bucer-Kirche?

Judith Sudahl, Gemeindepraktikantin – Martin-Bucer-Gemeinde, Breisach

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Wasser? Och...

Eine ganze Zeit denke ich nun schon über die neue Jahreslosung nach: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Offenbarung 21,6). Mit Wasser lockt man mich ehrlich gesagt nicht unbedingt hinter dem Ofen hervor. Ich glaube damit bin ich nicht allein. Zudem heißt es ja: "... Wasser umsonst." Umsonst. Was gibts heute schon noch umsonst? Leise Zweifel werden in mir wach. Ich ahne misstrauen angesichts dieses Versprechens. Ob es diese Jahreslosung einfach haben wird?

Wobei - lebendiges Wasser! Da spüre ich schon eine Sehnsucht in mir. Nach Lebendigkeit, nach Kraft, nach Optimismus und Stärke - angesichts des neuen Jahres 2018! Wir alle sind gespannt was kommt. Die weltpolitischen Entwicklungen geben ja auch Anlass dazu. Da ist Durst nach Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Demut und Mitgefühl... In meinem christlichen Glauben finde ich die "Quelle" dafür. Wenn wir Gott an die erste Stelle stellen, findet alles/jeder andere seinen Platz. Let's make God great again!

Florian Böcher, Gemeindediakon in Staufen und Münstertal

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Was ist für Sie das Wichtigste an Weihnachten?

„Weihnachten ist das Fest der Liebe Gottes zu den Menschen. Wir feiern, dass Gott Mensch wird, mitten in unserem Alltag, im Tunnel der Stadtbahn, in den Wärmestuben für Obdachlose wie in den Wohnzimmern an Heiligabend. Christi Geburt unterbricht die Arbeit der Hirten und führt sie zum Stall. Dort bei den einfachen Menschen zeigt sich Gottes Liebe. Sie lässt uns innehalten in unserem Alltag und schenkt uns eine Zeit der Besinnung. Sie gilt gerade auch jenen, die wenig Hoffnung haben, dass sich etwas ändern lässt. Sie stärkt den Lebensmut der Menschen, die daran zweifeln, dass sie etwas dazu beitragen können, dass die Liebe Gottes die Welt verändert. Gerade ihnen rufen die Engel zu: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!

An Weihnachten kommt Gottes Liebe in unsere Welt, verändert unser Leben und nimmt uns in die Verantwortung: Für die, die uns in unseren Familien besonders wichtig sind, und für die, die uns fern sind und uns trotzdem besonders brauchen. Für einen Frieden, der nicht den Sieg, sondern die Versöhnung mit den Feinden sucht. Für eine Gerechtigkeit, die nicht dem „wie du mir, so ich dir“ folgt, sondern für mehr Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Solidarität, die eigenen Interessen zurückstellt. Für einen Umgang mit Gottes Schöpfung, der sie so bewahrt, dass sich auch noch unsere Enkel an ihr freuen können."

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Ja! Aber

So reden wir oft, nicht wahr? Zum Beispiel: „Ja, das hast Du gut gemacht, ABER Du hättest etwas schneller sein können.“ Es war also schon wieder nichts, hören wir! Im Gedächtnis oder Bauchgefühl bleibt das „ABER“ – nicht das „JA“.

Mein Vorschlag: Verzichten Sie bis Weihnachten auf das „ABER“ – und ersetzen Sie es durch das Wort „GLEICHZEITIG“. Meist meinen wir nämlich zwei gleichwertige Dinge, wenn wir „ABER“ sagen. Warum? „GLEICHZEITIG“ hebt die Zusage, das „JA“ nicht auf! Diese GLEICHZEITIGKEIT zeichnet unser Leben aus – auch im Vorschein des Weihnachtsfestes: Gott wird Mensch: JA und GLEICHZEITIG ist er Gott. Er ist arm und ohnmächtig – GLEICHZEITIG Retter und Herr. Er liebt mich – und GLEICHZEITIG spüre ich, dass ich im Lichte seines Lebens neu werden soll und kann. Im Advent bereiten wir uns darauf vor: JA und GLEICHZEITIG gilt uns das schon immer.

Einen gesegneten Advent wünscht Ihr Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald.

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Ein Gott der Lebendigen

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Eigentlich sind die beiden Begriffe zwei Seiten einer Medaille. Beim „Totensonntag“ geht der Blick zurück. Wir denken an die, die gestorben sind. Den Ehemann, die Freundin, die Tochter. Sie waren uns lieb. Ihr Verlust schmerzt immer noch. Wir werden sie nicht vergessen.

Der „Ewigkeitssonntag“ versucht, diesem traurigen Tag einen Weitblick zu geben. Mit dem Tod ist zwar das irdische Leben zu Ende, aber nicht das Leben an sich. Das Leben geht weiter – in einer anderen Welt und in einer Weise, die wir uns nur schlecht vorstellen können. In seinen „Leichenreden“ erzählt der Dichter und Pfarrer Kurt Marti von einer Frau:

„wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
preiset das leben
das hart ist und schön
preiset DEN
der ein gott von lebendigen ist“

Vom ewigen Leben, von dem wir uns nur schlecht Vorstellungen machen können, ist hier nicht die Rede. Stattdessen spricht Marti von den Erfahrungen, die wir immer wieder hier machen: vom sich Durchkämpfen, von schwierigen Zeiten, aber auch von erfahrener Liebe, interessanten Begegnungen und von schönen Sommerabenden.

Aber obwohl die Frau in dem Gedicht von Kurt Marti weiß, dass sie sterben muss, will sie nicht, dass die Trauer ihren Tod bestimmt. Sie hat in ihrem Leben Gott als Gott des Lebens erfahren. Deshalb hat sie Hoffnung über den Tod hinaus. Deshalb geht sie dem neuen jenseitigen Leben getröstet entgegen.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Toller Rand? Oder tolerant?

Das Reformationsjubiläum ist begangen. Kontrovers wurde diskutiert über den Einfluss der Reformation in der heutigen Zeit. Was uns der gute Luther so alles heute noch sagen kann. Auch die negativen Auswirkungen der Reformation und des Menschen Martin Luthers kamen in diesem Jahr nicht zu kurz.

Um ehrlich zu sein, konnten mich viele der Predigten, die ich in diesem Jahr zum Thema Reformation gehört habe nicht überzeugen. Zu oft wurde versucht zu viel zu sagen. Die Folge war das alles Fragment geblieben ist. Ich hätte mir vieles etwas pointierter gewünscht und weniger allumfassend. Ich möchte an dieser Stelle, aber nicht nur kritisieren, sondern auch Impulse geben. Mich beschäftigt aktuell nicht nur in Verbindung mit der Reformation das Thema „Toleranz“. Auf der einen Seite ist Toleranz ein hohes Gut, denn sie gewährleistet, dass man Meinungen, Auffassungen und Einstellungen neben sich duldet, die nicht den eigenen entsprechen. Toleranz hat für mich aber auch immer Grenzen, die wenn sie überschritten werden meinen Widerspruch zur Folge haben.

Dieses Thema verdient mehr, als nur eine kurze Abhandlung auf einer kirchlichen Homepage. Deswegen möchte ich sie liebe Leserinnen und Leser dazu einladen, darüber nachzudenken, was Toleranz bedeutet. Und mehr noch möchte ich Sie bitten ihre Meinung auch kundzutun. Eine Möglichkeit dafür ist der nächste interaktive Gottesdienst „Heavenbreak“ aus Breisach mit dem Thema: „Toller Rand? Oder tolerant?“, den Sie live unter www.heavenbreak.de am 19. November um 17 Uhr mit ihrer Meinung mitgestalten können.

Oliver Münch, Gemeindediakon in Breisach

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Nun ist es bald soweit...

Der 31. Oktober steht vor der Tür. Zehn Jahre lang hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland an das Jubiläum angenähert. Viele sind vielleicht sogar froh, wenn es jetzt endlich vorbei ist. Aber was hat es uns gebracht? Mehr öffentliche Aufmerksamkeit? Gar Impulse für die Zukunft? Auch für die Ökumene? Oder geht es danach einfach weiter wie zuvor? Das kann noch niemand beantworten.

Aber wenn es nicht in die Zukunft reicht, dann es viel Energie in den Sand gesetzt worden. In Umkirch ist deshalb die Anregung aufgegriffen worden, 95 Umkircher Thesen zu formulieren. Sie werden im Monat des Reformationsjubiläums an verschiedenen Orten des Dorfes aushängen und so, hoffen wir, zum Dorfgespräch werden. Thesen zum Nachdenken, Innehalten, Krafttanken oder sich einfach inspirieren lassen, so die Einladung auf den Thesenplakat.

Deshalb einfach einige „Kostproben“: „Immer der Druck, sich verstellen und/oder lügen zu müssen, um besser dazustehen!" "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!’ – Wo stehe ich wirklich? Wo stehst du?“ „Ist es wirklich so einfach? ‚allein Christus, allein aus Gnade, ..."

Pfarrer Eberhard Deusch, Umkirch

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Auch eine Gurke macht schon eine Ernte oder?

„Ob eine Gurke bei Ihnen auf dem Balkon wächst, das kann ich Ihnen nicht versprechen!“ So begann unser Frühjahr mit dem Einkauf der Jungpflanzen für den Balkon. Die Umstellung von Garten auf Balkon war gar nicht so einfach. Doch wir wollten das Experiment wagen, und nahmen eine Gurkenpflanze vom Verkäufer mit. Nun hieß es erst einmal Umtopfen, Düngen, den richtigen Platz auswählen, ein passendes Gestänge zum Entlanghangeln suchen und nicht zuletzt gießen, gießen, gießen. Sehr viel Zeit und Pflege haben wir in unsere Gurke, die Tomaten, Paprika, Kräuter und Gewürze gesteckt. Im Urlaub musste Vertretung gesucht werden, die sich auch gut um die Pflanzen kümmert. Es wurde nochmal richtig kalt, es wurde wieder super heiß. All diese Turbulenzen haben unsere Pflanzen gut überstanden. Und dann tatsächlich der erste Gurkentrieb. Er wurde größer und größer und schließlich zu einer leckeren Gurke. Unsere kleine Gurkenpflanze hatte es tatsächlich geschafft, wider Erwarten des Verkäufers und gegen unseren Zweifel. Für diese Ernte war ich wirklich dankbar! Immerhin habe ich die Gurke wachsen sehen und gepflegt.

Aber im Alltag vergesse ich oft, wer die ganze Arbeit geleistet hat für Obst und Gemüse, für alle Art der Lebensmittel, aber auch Kleidung und Spielwaren. Und selten bin ich so dankbar, wie bei der kleinen Gurke. Eher vergesse ich, welche Arbeit dahintersteckt. Eher bin ich froh über den günstigen Preis, als mir zu überlegen, wie es dazu kommt, dass ich hier im Supermarkt so wenig dafür zahle. Den Menschen die alltäglich diese Arbeit für uns leisten sei ein Dank ausgesprochen! Und auch Gott dem Schöpfer, der diese Wunder erschaffen hat, sei Dank! Vielleicht denke ich in Zukunft, wenn ich eine Gurke sehe, an die viele Arbeit und Pflege, die in ihr steckt und bin dankbar für das was ich habe.

Medea Tenberg, Gemeindediakonin in Müllheim

 

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Einfach dasitzen

"Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ schreibt Astrid Lindgren in ihren Tagebüchern. Eine gute Nach-den-Ferien-Devise, finde ich. Einfach dasitzen und vor sich hin schauen – können wir uns das leisten?

Der Alltag sieht anders aus. Zeitdruck, möglichst viel gleichzeitig tun, funktionieren, oft rastlos von Termin zu Termin hetzen. Manche von uns bewältigen ihr umfangreiches Pensum an Arbeit und Ehrenamt nur durch ein immer besseres Zeitmanagement. Die vielen Ratgeberbücher sollen uns dabei helfen.

Einfach dasitzen und vor sich hinschauen – können wir das überhaupt? Oder beschleicht uns unwillkürlich das Gefühl, eigentlich etwas tun zu sollen? Dabei übersehen wir leicht etwas ganz Wichtiges: Gott setzt unserem Leben einen Anfang und ein Ende. Dass meine Lebenszeit begrenzt ist, bedeutet Verzicht: ich kann nicht alles erreichen, aber – und das ist das Tolle: ich muss auch nicht alles erreichen. In den von Gott gesetzten Grenzen leben, das heißt verzichten, aber das ist eben auch wunderbar befreiend.

Einfach dasitzen und vor mich hinschauen – das habe ich mir vorgenommen für die Wochen, die sich jetzt nach den Ferien wieder so schnell füllen. Einfach dasitzen und vor mich hinschauen – immer mal wieder zwischendurch, egal was ist. Absichtslos und ungehetzt. Mich frei machen von Ansprüchen und Erwartungen. Den eigenen Körper spüren. Loslassen. Den Kopf leeren, das Herz leeren. In der eigenen Mitte sein. In Gottes Gegenwart. Das genügt.

Ihre Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

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Schick di!

Am 1. September sin’s no 10 Täg Schuelferie. Jetz aber schnell. Was mache mer no demit? Mir sin emol mit ere Fähri uf e Schottischi Insel gfahre. Vor is in de Schlange dütschi Urlauber, villicht so alt wie mir. Do seit eini: »Du, unse Bus isch scho uf de Fähri, gli als erschter. Er stoht uf de pole position.« Am liebschte het i als höfliche Alemann grieft: »Häbitte? Machet ihr Ferie oder sin ihr uf de Flucht - mit ere ganze Reisegsellschaft?« Un was sot do besser sie, wenn mer in de erschte Reihe stoht? Isch es Meer blauer, wenn mer’s als Erschte sieht? Oder schmeckt’s Ale besser, wenn mer alli andere abghängt het? Oder isch des e Befriedigung, wenn mer alli überholt het? Stellet euch emol vor was des gebti: De Erschti an der Ampel, der Erschit uf em Gipfel, de Erschti in de Baiz, der Erschti, wo Karriere macht? Guet? Aber s’ goht jo no witer: De Erschti mit em Herzinfarkt, de Erschti, wo in de Vorruestand gschickt wird un dann au dä, wo am Erschte stirbt? Hauptsach immer uf de »pole positon«? Gang mer furt.

Un dann sait Jesus emol: »Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein; und es sind Erste, die werden die Letzten sein« (Lk.13,20). Macht dä do am End au mit? Mängi läse selli Stell bim Lukas äso, as do de ganze Drängler endlich emol eins uf de Deckel ge wird. I weiss nit. Mir sin do die wichtig, wo suscht immer am End gsi sin, eweg dränglet die eine, die andere immer scho hilfloser as die Schnelle. Un dene am End sait er: »Passet uf, s’ chönnt sie, dass me euch füre bittet. Nit um alles uf de Chopf z’stelle, nai, damit jeder dä Platz überchunnt, wo de richtig für en isch.

« S’ muess nit emol vorne dra si. S’ muess nit alles schneller und »effizienter« goh, s’ längt, wenn öbbis in sim eigene, richtige Tempo goht. Also machet nit so wild. Machet öbbis eso, dass ihr und anderi öbbis dervo hennt. Keine muess sich allwil produziere vor de andere, wil mir bi unserem Gott alli unser richtiges Plätzli hän. Do chunnt’s nit uf d’ Gschwindigkeit an. Bis dass alli wieder afange z’schaffe, wünsch i euch - ja was? D’ Angelsachse hen dodefür e luschtige Usdruck, er heisst »Godspeed«. Nämmet euch die Zit un lueget emol, was des heisst (e chleine Tip: Mit Gschwindigkeit het des nüt zum due).

Eue Hellmuth Wolff us Hinterzarte

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Ferien

Überall sind die Menschen jetzt unterwegs, auf der Straße, den Autobahnen, mit dem Fahrrad, der Bahn, mit Flugzeug und Schiff. Eine seltsame Völkerwanderung, die der gewohnten Umgebung, dem Alltag zu entfliehen sucht. Urlaubszeit. Ferien.

Gibt es Ratschläge für diese schöne Zeit? Ich denke schon. Einer hat gemeint, man solle doch einfach einmal das Wort »Ferien« durchbuchstabieren. Eine gute Idee, fangen wir an:

Da ist als erstes der Buchstabe F. Woran denke ich da? - F, das ist: Fahren, Fliegen. In die Ferne, in fremde Länder. Freiheit, frei sein fällt mir ein. Auch Faulenzen, Feiern, Familienglück. Mancher denkt an Foto, an Filmen, Fußballspielen oder Fischengehen. Und sollen wir's nicht nennen, das Wort Freude? Und Fröhlichsein?

Dann E, woran denke ich bei E? An Erholung, Entspannung. An Erlebnisse, Eindrücke, neue Entdeckungen, Einfälle, Erfahrungen. Auch neue Energie wäre zu gewinnen. An Edelweiß und Enzian mag man sich erfreuen . . .

Als nächstes der Buchstabe R: Reise natürlich, aber nicht unbedingt Raserei. Statt dessen lieber eine Rast unterwegs, auf dem grünen Rasen. An ein Rasenstück denke ich, wie es Dürer gemalt hat, oder an rote Rosen. An Ruhe. Ratsam dann auch Rudern, Radfahren, Reiten oder Rugby. Warum nicht mal Rommé? Auch ein Regentag im Urlaub kann reizvoll sein (wenn man nicht gerade Rheuma hat!).

Danach der Buchstabe I: Dazu fallen mir sogleich neue Stichwörter ein: Interessen zum Beispiel. Initiativen. Oder Ideen haben. Ideale, warum nicht? Auch In-sich-Gehen wäre ein gutes Wort. Ebenso natürlich In-die-Luft-Gucken. Man kann von einer Insel träumen, Indianer spielen, Im-Bett-Bleiben.

Und nochmals ein E. Wir kennen es ja schon von Erholung und Entspannung, von Erlebnissen und Eindrücken her. Essen gehört auch sicher dazu. Ein Eis zwischendurch. Und Einkehr. Vielleicht auch Ehrfurcht. Etwas wie Ehre sei Gott.

Als letztes schließlich der Buchstabe N: Das mag für Natur stehen. Naheliegendes, Niegesehenes.

Nennenswert wären auch Nachdenken, Nächster und Nachbar. Vielleicht auch Nachtleben und Närrischsein, nur nicht nervös! Um am Ende dann: Nach Hause kommen ...
So können wir's durchbuchstabieren, das Wort »Ferien«. Und die Ferien selbst, Stück für Stück, Tag um Tag genießen. Möglichkeiten bieten sich genug. Das ist wie das Leben: ein Angebot. Man kann es dankbar annehmen und nutzen. Aber auch das Gegenteil ist denkbar: dass man es vertut.

Alles kann man vertun, selbst das schöne Wort "Leben« kann einer am Ende so buchstabieren, dass es sich aus Langeweile, Enttäuschung, Betrug, Ekel und Nichts zusammensetzt.

Aber ich bin sicher: So hat es der nicht gemeint, der uns ins Leben rief, der uns dieses Leben geschenkt hat. Und auch der nicht, der im Namen des Vaters auf die Erde gekommen ist, damit - so sein Wort - die Menschen im Glauben das Leben haben und es in Fülle haben.

Etwas vom Glück des siebten Tages könnte über dieser Ferienzeit liegen, da Gott ruhte und auf alles sah, was er geschaffen hatte, und es gut, ja sehr gut gelungen fand. Vielleicht sogar eine Vorahnung vom Glanz der kommenden Herrlichkeit, wenn alles vollendet sein wird.

Ich wünsche es Ihnen und mir!

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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„An den Bock zu Köln“

Wenn ich mit Kolleg*innen über das Thema Gottesdienste ins Gespräch komme, höre ich immer wieder auch (Selbst-)kritisches über die Liturgie und die Art wie wir sprechen.

„Fürbitten sind im Gottesdienst manchmal so deplatziert“, „Mir erschließt sich der Sinn von im Wechsel gesprochenen Psalmen nicht“, „warum drücke ich mich so umständlich aus?“. Überraschend ehrliche Statements.

Im Buch von Erik Flügge „Der Jargon der Betroffenheit - wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“ geht es genau darum. Um eines klarzustellen: Zu kritisieren lohnt sich nur das, was man liebt und was einem wichtig ist. Insofern übe ich ein bisschen Kritik an meiner Kirche und als Teil dieser Kirche kritisiere ich mich damit auch selbst. Ich ertappe mich häufig wie mir Formulierungen fremd vorkommen. „Brüder und Schwestern“, „Jesus lädt dich ein“. Selten erlebe ich eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern und ich oute mich jetzt mal: Eine persönliche Einladung von Jesus habe ich so auch noch nicht erhalten…

Wie kann ich von anderen erwarten, dass sie meine Sprache verstehen, wenn ich es oftmals selbst nicht verstehe? Und warum machen wir nichts dagegen, wenn es doch scheinbar anderen auch so geht? Wovor haben wir Angst?

Vor 500 Jahren hat die Reformation die Welt auf den Kopf gestellt. Die Vision einer für alle verständlichen Kirche wurde Realität. Als Martin Luther an den Erzbischof und Kurfürsten von Köln schrieb, adressierte er den Brief an: „Den Bock zu Köln“. Es scheint mir überlegenswert, welches Schimpfwort 500 Jahre später adäquat wäre. Die Sprache der Reformation war radikal. Ich glaube, dass wir uns da gerne eine Scheibe abschneiden können.

Long story short: Ich weiss, dass ich auch vielen Unrecht tue. Nur wenn wir relevant für die „normalen Leute“ und vor allem für die jüngeren Generationen bleiben wollen, müssen wir etwas an unserer Sprache tun und Formen der Verkündigung überdenken.

Einen ehrlichen und konstruktiven Austausch darüber wünsche ich mir so sehr. Und ich hoffe darauf, dass wir das schaffen. Das Reformationsjubiläum wäre ein guter Anlass dafür.

Oliver Zulauf
Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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„Summertime – and the living is easy“

„Summertime – and the living is easy“ – Sommerzeit und das Leben ist leicht. Ein wunderbares Lied über den Sommer. Sommer, das ist Wärme, Gelassenheit und Entspannung. Sommer – das ist die Erlaubnis sich leicht zu fühlen. Am Morgen schon einstimmen in das Lied der Amsel. Rosenduft durch die Nase und Seele wehen lassen. Staunen über das Rot des Klatschmohns. Das kühle Wasser im See auf der Haut spüren. Der Sommer schließt uns das Herz auf für die Schöpfung und den Schöpfer. Summertime – Sommerzeit. Jeden Sonntag irgendwo ein Fest.

Ich finde das gut. Dass wir da sind, dass wir einander haben, das muss doch gefeiert werden. Jesus selbst hat auch ganz gern gefeiert. Manchen war das schon zu viel. Die haben ihn schon mal einen Fresser und Weinsäufer genannt. Aber feiern, das muss ihm gelegen haben. Ich stelle ihn mir vor, Jesus, wie er anstößt und lacht und tanzt, viel heiterer als wir uns das vorstellen. Dabei beschreibt uns die Bibel den Himmel wie eine einzige Feierlichkeit: Da wird gesungen und gelacht. Da herrscht ausgelassene Freude.

Summertime – Zum Üben auf diese himmlische Freude schenkt uns der Schöpfer den Sommer. Gott wünscht uns jetzt schon, dass wir aus Vorfreude Feste feiern. Das geht am besten in Gemeinschaft. Treffen wir uns an allen Ecken und Enden der Lebensfreude.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Zur Woche der Diakonie

An Litfaßsäulen kommt die Diakonie zur Zeit groß raus. „Mein Beruf ist, die Würde des Menschen zu pflegen.“ Das sagt auf einem der Plakatmotive eine junge Pflegekraft, während sie einer alten Dame im Rollstuhl die Fingernägel rot lackiert. „Mein Beruf ist, die Begabung statt die Behinderung zu sehen.“ Das sagt der Mann, der in einer Werkstatt einen anderen an einer Maschine anleitet. „Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegen zu bringen.“ Das sagt der junge Mann, der einem Obdachlosen irgendwo am Straßenrand aus einer Thermoskanne einschenkt. Keine Frage: Da waren PR-Profis am Werk. Was aber von diesem plakativ transportierten Selbstverständnis der Diakonie findet sich in unserer Nähe wieder? Welche Menschen sind dort im Blick?

Im Generationenhaus Demant in Kirchzarten sind es Menschen mit Demenz aus dem Dreisamtal. Zweimal die Woche können sie dort ab 9.30 Uhr betreut den Tag verbringen - für die Angehörigen ein Segen. An diesem Dienstag ist u.a. Gedächtnistraining angesagt. Die Sprache wiederfinden, ins Reden kommen, erinnern, was möglich ist - darum geht´s. Aber nicht in jedem Fall. Eine alte Dame sitzt schon die ganze Zeit mit gesenktem Kopf da und scheint ganz in ihrer eigenen Welt. Doch auch sie erfährt durch die Betreuerinnen Zuwendung, freundliche Ansprache und menschliche Nähe. Würde, Wärme und Ansehen stehen nicht nur auf Diakonie-Plakaten. Jeden Dienstag und Donnerstag kommen sie den Gästen im Generationenhaus Demant zu. Für den Fall, dass auch ich einmal fremd und immer fremder werde im eigenen Leben, wünsche ich mir sehr, ähnliche Erfahrungen machen zu dürfen.

Kaffee und Kuchen gibt´s auch im Rahmen des Projekts „Zämme“ (Allemannisch für: gemeinsam, zusammen) in Müllheim. Das Ziel hier: Menschen, die seit langem arbeitslos sind oder Grundsicherungsleistungen erhalten, ein Stück Teilhabe und Gemeinschaft sowie neue Perspektiven zu eröffnen. Ein großes Thema an diesem Nachmittag ist das geplante Repair-Café – eine tolle Initiative. Wer von Armut, Vereinsamung und Ausgrenzung bedroht oder betroffen ist, findet hier einen Ort, der gut tut. Hier werden die Menschen respektvoll und wertschätzend behandelt. Hier können sie nach ihren Möglichkeiten aktiv werden und bekommen Beratung und Hilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen.

Auch bei der Diakonischen Initiative Hügelheim wird Diakonie ganz praktisch gelebt – zum Segen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistigen Einschränkungen. Hier ist jeder und jede herzlich willkommen und darf sich nach den eigenen Möglichkeiten und Begabungen einbringen. Schön zu sehen, wie liebevoll an diesem Nachmittag der Geburtstag einer Teilnehmerin gefeiert wird.

Nur drei von vielen Angeboten des Diakonischen Werks Breisgau-Hochschwarzwald. Diakonie ist ein starkes Stück Kirche – zum Segen vieler Menschen. Das verdient unsere Anerkennung und Unterstützung – nicht nur im Rahmen der Woche der Diakonie Ende Juni.

Rolf Kruse, Pfarrer in Bad Krozingen

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Weihnachten – Ostern – und was tun?

Was wir an Weihnachten feiern, ist klar: Ein Mensch kommt zur Welt; wenn auch ein ganz anderer als wir…

Was wir an Ostern feiern, geht über alle Erfahrung hinaus und wird uns zur Hoffnung: Dieser Mensch durchbricht die Mauern der Todes.

Und was wir an Pfingsten feiern, ist einfach „unfasslich“ – trotz Begleiterscheinungen wie „Windesbrausen“ und „Feuerzungen“. Zeichen dafür, dass Jesu Jünger von dem Unfasslichen erfasst werden.

Anschließend gehen sie freimütig an die Öffentlichkeit und zeugen in der Kraft des empfangenen Geistes von „den großen Taten Gottes“ und - stoßen auf ein geteiltes Echo. Die einen halten sie schlicht für besoffen, die andern wundern sich nur. Was Petrus daraufhin sagt, geht den Menschen durchs Herz; es trifft sie – und sie fragen betroffen: „Was sollen wir tun?“

Daraufhin spricht Petrus von einer anderen Ausrichtung des Lebens. Sein Wort kommt bei den Menschen an – und viele lassen sich taufen zum Zeichen für den Beginn eines anderen Lebens.

Ein geistgewirktes Wort, das trifft – die Herzen der Menschen; jenseits von Diskussion und Debatte, sondern zu der entscheidenden Frage führt: „Was sollen wir denn tun?“

Und solch eine Frage stellt in Frage – den flachen „Mainstream“, den Trend, den Trott der Massen und Moden; und führt ins tiefere und ernsthafte Nachdenken, das dann vielleicht auch keinen Spaß mehr macht. Doch damit fängt jede sinnvolle Veränderung an – nicht mit klugen Statements oder persönlichen Meinungen oder wiedergekäuten Stichworten und Schlagworten.

In der biblischen Geschichte vom Kommen des Geistes Gottes (Apostelgeschichte 2) könnte jene Frage und ihre Folgen durchaus das Ziel des ganzen turbulenten Ereignisses sein. Dann aber scheint es nicht nur „treffende“ Worte wie die des Petrus zu geben, sondern auch betroffene Fragen und kritische Anfragen.

Vielleicht müssen wir in einer Welt voller Antworten gerade um solche geistgewirkte Fragen bitten!?

Wenigstens in der Kirche.

Ihr

Werner Häfele, Pfr. von Vogtsburg im Kaiserstuhl

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Du siehst mich

In 10 Tagen fahre ich zum Kirchentag nach Berlin. Seit ein paar Wochen steht eine Postkarte mit dem Kirchentagsmotto auf meinem Schreibtisch: auf Orange schauen mich zwei fröhliche Wackelaugen an, darunter, gebogen wie ein Lächeln: „Du siehst mich“.

Gesehen, beachtet, wahrgenommen werden – Selfies und Facebook-Posts sprechen eine deutliche Sprache: Wie wichtig es ist, nicht übersehen zu werden! Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen es um´s Hinsehen geht. Nicht mit einem oberflächlichen oder schaulustigen Blick, sondern mit Gottes liebevoller Zuwendung. Ihm bleibt kein Kummer verborgen. Vor ihm kann, vor ihm brauche ich mich nicht zu verstecken. Er meint es ja gut mit mir.

„Du siehst mich!“ – das sagt in der Bibel eine junge Frau, die auf der Flucht ist und der Unrecht angetan wird. Den Blick auf die werfen, denen Unrecht angetan wird, das gehört zum Kirchentag dazu. Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde – mögen vom Kirchentag in Berlin Impulse für Kirche und Gesellschaft ausgehen. Das erhoffe ich, wir haben es ja so bitter nötig!

Die Postkarte auf meinem Schreibtisch erinnert mich täglich daran: Gott sieht mich – in allen meinen Facetten. Und er meint es gut mit mir. Nicht, dass er alles gut findet, was ich tue, aber sein Blick ist dennoch liebevoll. Als wollte er mit einem Lächeln sagen: „Ich bin für dich da!“ Oder „Hey, ist doch nicht so schlimm!“ oder auch „Mensch, so geht es nicht weiter. Ich zeig dir einen anderen Weg.“ Ich werde die Postkarte wohl auch nach dem Kirchentag noch stehen lassen.

Daniela Hammelsbeck, Müllheim

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Frühjahrsputz

Vor einigen Wochen las ich in der Zeitung „Gibt es den Frühjahrputz noch?“. Anscheinend machen immer weniger Menschen einen großen Frühjahrputz. Es gibt sogar Seminare, in denen man(n) lernt, richtig zu putzen. Das spornte mich an, nach dem Putzlappen zu greifen und für zwei Stunden die Küche in Angriff zu nehmen und Fronten, Lampen, Herd und Arbeitsflächen gründlich zu reinigen. Ganz im Putz- und Aufräummodus nahm ich mir anschließend auch noch mein Arbeitszimmer zu Hause und in der folgenden Woche mein Büro in Umkirch vor. Ich putzte dort nicht nur, sondern mistete auch gründlich aus. Mindestens zwei Mal lief ich mit einem vollen Papierkorb zur Mülltonne. Das war ein gutes Gefühl.

Dabei fiel mir auch ein Glas Bohnen in die Hände und ich musste an einen Erntedankgottesdienst denken. Ich habe damals folgende Geschichte erzählt:

Vor langer Zeit lebte einmal ein Mann, bis ins hohe Alter glücklich, zufrieden und im Einklang mit sich, mit Menschen und Tieren. Man erzählte sich, dass der Alte immer eine gute Handvoll Bohnen mit sich trug. Wenn er den Tag begann, steckte er diese gute Handvoll Bohnen in seine rechte Mantel– oder Hosentasche. Die Bohnen warteten auf Erlebnisse, kleine Momente des Staunens, des Wahrnehmens, des Glücks. Immer wenn der Alte etwas sah und staunte, wanderte seine Hand voller Dankbarkeit in die rechte Tasche, nahm eine Bohne und steckte diese in die linke Tasche. Und was sah oder hörte der Mann alles?

Das Lächeln eines Menschenkindes, fröhliches Spielen, eine besonders schöne Blume … Und so wanderte eine Bohne nach der anderen von der rechten Tasche in die linke.

Abends zog er dann die Bohnen aus der linken Tasche hervor und dachte zurück. Und wenn er auch nur eine Bohne in der Hand hielt, so war es doch wegen dieser einen Bohne ein guter Tag.

Diese Geschichte berührt mich immer wieder und erinnert mich daran, auch für die Kleinigkeiten dankbar zu sein. Kurzum steckte ich mir eine Handvoll Bohnen in die rechte Tasche. Und für den guten und erfüllenden Moment, den mir das Ausmisten im Büro beschert hatte, wanderte eine Bohne von rechts nach links.


Probieren Sie es doch auch mal aus!

Annika Nickel, Gemeindediakonin in Umkirch

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Den ganzen Brocken kann niemand herunterschlucken

Den ganzen Brocken kann niemand hinunterschlucken. Er muss langsam gekaut werden, damit er bekömmlich ist. So ist es mit Ostern – niemand kann es ganz fassen, was es heißt: Jesus ist als Erster von den Toten auferstanden. Aber die Sonntage nach Ostern geben uns kleine Stücke von Ostern, die wir besser aufnehmen können:

In der Verbindung mit dem Auferstandenen sind wir wie neu geboren – wir sind in das Leben ohne Grenzen bei Gott hineingenommen (1. Sonntag nach Ostern, Quasimodigeniti),

Gott führt uns wie ein Hirte zum guten Ziel, auch wenn der Weg durch ein finsteres Tal führt, das hat er an Jesus Christus mit Ostern gezeigt (2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini). Was uns Gott an Ostern schenkt, ist Grund, Gott zu loben, froh zu singen und zu ihm zu beten (3. bis 5. Sonntag nach Ostern).

Es braucht Zeit, Ostern aufzunehmen. Das wussten schon unsere Vorfahren, deshalb geht die Osterzeit bis Himmelfahrt. Noch einige Wochen können uns Ostereier daran erinnern: Aus dem Grab heraus ist Jesus Christus ins Leben zu Gott auferstanden – uns voraus. Das bedeutet viel für unser Leben.

Friedrich Geyer, Pfarrer der Versöhnungsgemeinde Stegen mit Buchenbach, St. Märgen und St. Peter

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April, April!

Einer macht sich auf, konsequent – liebevoll – in Gottes Namen.

Er bleibt nicht stehen, als sie ihn versuchen – verraten - verhaften – verlassen – verhören – verklagen – verspotten und verurteilen.

Er macht nicht kehrt, das Kreuz vor Augen – die Angst im Nacken.

Nein, kein April-Scherz. Es ist zum Weinen: Passionszeit.

Und doch zum Lachen – aber erst am dritten Tag. Kein Scherz. Erlittene Wahrheit. Damals wie heute. Machen wir uns auf – bleiben wir nicht stehen – machen wir nicht kehrt. Zu viele werden vertrieben – verraten – verlassen und verspottet.

Hinter Ostern kommen wir nicht zurück – am Ende. Das ist die Verheißung – jetzt und hier! Kein Scherz – und doch zum Lachen – oder besser: zum Freuen!

Herzliche Grüße, Ihr
Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Deutschland erliegt dem Martin-Schulz-Hype

Diverse Umfragen zeigen: Wechselstimmung macht sich im deutschen Lande breit. Nun möchte ich keine Wahlkampfwerbung für Herrn Schulz machen. Interessant ist es aber doch, was alles in diesen Mann hinein interpretiert wird:

Dieser Tage musste ich herzhaft lachen, da nun der Kanzlerkandidat der SPD mit Chuck Norris, einem Actionhelden der 80/90-er Jahre verglichen wird. Vielleicht kennen Sie ja Chuck Norris-Witze: „Wie viele Liegestütze kann Chuck Norris? – Alle!“ Um nur einen zu nennen.

Auf Martin Schulz umgemünzt lautet nun mein Lieblingswitz: Wenn Martin Schulz ins Wasser springt, wird er nicht nass. Das Wasser wird sozialdemokratisch.

Martin Schulz, ein Mann scheinbar mit Superheldenkräften, dem sogar die Naturgewalten gehorchen?!

Da ist ein Vergleich mit Jesus naheliegend, oder? Und doch wissen die Menschen, dass Martin Schulz eben keine übermenschlichen Fähigkeiten besitzt. In Interviews wird betont, dass man die ehrliche Haut von ihm schätze. Ein Mann, der Missstände direkt anspricht und sich seiner emotionalen Seite nicht schämt.

Als Christ glaube ich, dass Jesus als Sohn Gottes Berge versetzen und Wasser zu Wein verwandeln kann. Doch ist es das, was mich an Jesus so fasziniert? Die Antwort lautet: Nein! Gerade seine Emotionalität bewegt mich. Ein Mann, der mit seinen Nächsten mit leidet, der empathisch ist, sich fürchtet, trauert, wütend und manchmal auch aggressiv ist. Und ja, auch ausgelassen und fröhlich feiern kann. All das ist menschlich, ein Mensch mitten im Leben. Nicht abgehoben. Einer, der sich nicht als etwas Besseres sieht, sondern eben „einer von uns“ ist. Das macht für mich die Strahlkraft Jesu aus.

Ich hoffe, dass eben dieser Jesus Sie in ihrem Alltag inspirieren möge.

Ihr Oliver Zulauf
Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Frühling

Jetzt geht‘s wieder los. Die Schneeglöckchen sind schon raus. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Überall grün, und das wächst und blüht und macht und tut – Das ist doch Wahnsinn mit dem Frühling. Erst die Mandelbäume und die Magnolien, dann die Narzissen, Tulpen, die Apfel- und die Kirschbäume – die stehen da wie riesige Blumensträuße auf den saftig grünen Wiesen. Was das für’n Aufwand ist – allein die Farben! Das ist doch Verschwendung, wenn sie mich fragen!

Also jemand, der rechnen muss, wie unsereins, der würde doch da ganz anders rangehen! Kosten-Nutzen-Plan, zack, fertig. Z.B.: Wieviel Liter Sauerstoff brauchen wir diesen Monat? O.K. - also so und soviel Quadratmeter Blattgrün muss da sein. Nahrungsbedarf, Klima, die biologischen Kreisläufe – das kann man doch heutzutage alles ausrechnen. Ist doch alles erforscht!

Na ja gut. N’ bisschen fürs Auge muss auch da sein, geb ich zu. Aber da draußen – also ich weiß nicht. Der da oben scheint überhaupt nicht zu rechnen. Gott ist es wohl egal, was dabei für ihn rausspringt – der teilt aus – mit vollen Händen und jedes Jahr wieder. Obwohl das nicht leicht sein kann, das jedes Mal wieder so hinzukriegen – na hörn Sie mal, bei der Umweltverschmutzung. Irgendwie Wahnsinn... und das alles nur für uns. Sagen Sie mal selbst: Gott muss ein Verschwender sein!

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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Warte ...

Villicht hän sie friener druf gwartet, dass sie endlich volljährig werde, oder uf die erschti eigeni Wohnig. Villicht hän sie druf gwartet, bis s’erscht Chind do gsin isch un spöter do druf, dass d’ Chinder gross werde und irgend wenn uf de eigeni Ruhestand und denn do druf, as sie wieder gsund werde. Un was chunnt denn no? Mängi hän mer scho verzellt, as sie uf de Tod warte, wil sie d’ Schmerze nümmi ushalte, oder d’ Einsamkeit.

In eme Vers us de Bible goht’s um so öbbis: »Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen (Psalm 130,6).« Do goht’s um e Nachtwache. Säll chönnt im Summer no öbbis Schöns si, aber nit, wen mer ellei isch und d’ Chälti eim d’ Bei uffestigt, wenn mer Angst het vor de Gräuscher, wo me nit chennt. Wer so ellei isch un nit weiss, was chunnt, für dä werde d’ Stunde lang un länger.

D’ Läbenschunscht b’stoht wohl do drin, dass mer s’ Warte chönne aneh un derbi nit vergesse, z’ läbe. So Mänge het mit e paar Ziel gwartet, bis er im Ruhestand isch un plötzlich het de Tod uff en gwartet, viel z’ frieh.

Am End isch’s guet, wenn unse Warte e Ziel het, wenn eine s’ Warte mit is teilt un derbi e offenes Ohr het für is. Eine, wo merkt, was es Warte mit is macht, grad, wenn’s umesuscht gsin isch. Glaubet mer, mit Gott cha me au die Zite teile. Mit ihm chönne mir derbi strite und über alles schwätze, was is schwer fallt im Läbe.

S’ chönnt denn sogar eso si, dass mir irgend wenn s’ Gliich erläbe, wie de, wo dä Psalm bätet het: »Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.«

Säll wünscht Euch de Hellmuth Wolff vo Hinterzarte

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Wann haben Sie zuletzt die Kirche gelobt?

Meine Augen blieben dieser Tage an einem Lutherwort hängen.

Luthers Landesherr, Kurfürst Friedrich, war krank geworden. Luther schrieb ihm einen kleinen Traktat: „Vierzehn Tröstungen für Mühselige und Beladene.“

Man schrieb 1519, Frühzeit der Reformation. Eine der Tröstungen geht aufs Konto der Kirche. Da ist Erstaunliches zu lesen: „Wenn ich leide, leide ich nicht mehr allein. Mit mir leiden Christus und alle Christen ... So tragen andere meine Last, ihre Kraft ist meine. … Der Glaube der Kirche kommt meiner Angst zu Hilfe … Eines anderen Gebet ist um mich bekümmert … Mit ihrer Ehre wird meine Schande geehrt … Eine so große Sache ist die Gemeinschaft der Heiligen und die Kirche.“

Ob die Trostgründe Luthers heute trösten können, lasse ich dahingestellt. (Obwohl ich schon angefangen habe zu fragen, wer die Menschen sind, die mir geholfen haben, Christinnen und Christen, die für mich gebetet, mir beigestanden haben auf den schwierigen Wegstrecken meines Lebens.)

Doch jetzt geht es mir darum: Wann habe ich zuletzt einen Christenmenschen erlebt, der ohne offiziell veranlasst zu sein, gesagt hat, was er an seiner Kirche hat, was er an ihr schätzt, wo er ihr dankbar ist?

Es ist, finde ich, typisch evangelisch, seiner Kirche mit kritischer Distanz zu begegnen. Doch wo bleibt die kritische Sympathie für die Kirche?

Die ersten evangelischen Gemeinden zeigten vermutlich ähnliche Schwächen und Fehler wie die heutigen. Luther hat sie dennoch geliebt, auch mit ihren „Ärgernissen und Rotten … Sie singt mit ihrem Herrn auch das Lied: Selig ist, der sich nicht an mir ärgert. " Sie will allerdings „nicht ersehen, sondern geglaubt sein" (aus der Vorrede zur Offenbarung des Johannes).

Ein Grund, meines Erachtens, 'die Kirche' ab und zu auch mal zu loben.

Ihr Rainer Heimburger, Dekan des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

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Es ist an der Zeit

2017 und Hoffnung, dass es besser wird als 2016? Eher nicht. Trump, Wahlen in Frankreich und Deutschland, Fake News, Hetze in sozialen Netzwerken und vielerorts auch auf der Straße. Ereignisse, die uns bevorstehen und über die berichtet wird, verdrängen oft die Dinge, die schon gelingen. In einer ruhigen Minute am Ende des letzten Jahres habe ich folgende Zeilen geschrieben, die als Refrain mit vielem, was mich sonst noch beschäftigt, zu einem Lied wurden:

Es ist an der Zeit, etwas zu verändern
Es ist an der Zeit für mehr Menschlichkeit
Es ist an der Zeit für Liebe und Wärme in der Welt
Es ist an der Zeit, kommt reicht euch die Hände

Sie sind meine Antwort auf die Machtlosigkeit im Angesicht dessen, was in der Welt passiert. Ein Appell an jeden und jede zum Umdenken zum Besinnen auf das, was wirklich zählt. Um aufzuzeigen, was Christ sein für mich ausmacht. Als Lied werden diese Verse in diesem Jahr noch in vielen Gottesdiensten in Breisach gesungen werden. Als Zeichen der Hoffnung, dass 2017 eben doch ein besseres Jahr werden kann.

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