Andachtsbild

Andacht

Hörst du nicht die Glocken?

Wo eine Kirche steht, da läuten Glocken. Die Nachbarschaft findet das nicht immer schön. Aber es gehört dazu. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz haben für 2018 die Kampagne „Hörst du nicht die Glocken?“ ausgerufen. Damit erinnern die Kirchen an ihr klingendes Kulturgut. Die Anfänge der Glocke liegen vermutlich in China vor 5000 Jahren, seit etwa 1300 Jahren werden Glocken im Christentum eingesetzt.

Traditionell läuten sie, um zum Gottesdienst zu rufen. Sie erklingen zu liturgischen Handlungen: zum Vaterunser, zur Wandlung (katholisch) oder zur Einsegnung der Konfirmand*innen. Vielerorts laden sie drei Mal am Tag zum Gebet ein. Der Stundenschlag geht ins Mittelalter zurück, als die Kirchturmuhr die einzige Möglichkeit war, die Uhrzeit zu erfahren.

Hörst du nicht die Glocken? Ich finde die Kampagne eine gute Sache, und seitdem ich davon weiß, achte ich viel mehr auf den Klang unserer Glocken und auf die an anderen Orten. Die Glocken läuten und machen mich aufmerksam. Sie laden mich ein, mein Tun regelmäßig zu unterbrechen. Dabei sind es ja keine zarten Angebote oder vorsichtigen Einladungen, sondern Glocken setzen sich durch, sind laut, läuten an gegen die anderen Geräusche der Welt. Sie rufen, sie wecken, sie mahnen, sie jubeln.

Was sie wollen? Sie wollen eine Verbindung für uns aufmachen. Sie erinnern uns beschäftigte Menschen an eine Dimension, die uns so leicht abhandenkommt. Wenn uns die Dinge zu wichtig werden. Manchmal ja sogar die allertrivialsten Sachen ungeheuerliche Größe bekommen. Dann funken die Glocken mit ihrem lauten Ton dazwischen. Weisen auf Großes hin, das die kleinen Sachen angenehm zurechtrückt und wieder schrumpfen lässt. Aber sie wollen nicht nur relativieren, sie wollen auch trösten, bergen, mein einzelnes Erleben in Gottes großem Ganzen einen Platz finden lassen. Sie wollen der Zuversicht Stimme geben, dass da in meinem Leben immer auch Gott am Werk ist. Ist es nicht großartig, dass die Kirchenglocken immer noch läuten?!

Ihre Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

lesen

Wenn's anderscht schmeckt...

Im Augeblick, won i des schrib, vergöhn mir alli vor Hitz’. Aber wenn ihr des läset, wird d’ grossi Hitz umme si. Un dann isch scho bal de Tag do, irgend wenn im September, wo’s zum erschte Mol im Johr nümmi wie Summer schmeckt (für D.: riecht). Denn weiss i, dass wieder e Johr ummen isch. Viel dütlicher als am Altjohrsobend. Ihr do unte, im »Rheintalischen« (wie’s in Schlafes Bruder heisst), merke des weniger, oder nie. Bi Euch isch’s villicht so wit, wenn die erschti Wuche Dauernebel do isch…

Wenn’s also zum erschte Mol noch em Spötlig schmeckt, de Summer zum e spote Summer wird mit de erschte Spinnbuppe in de Luft, un d’ Arbet scho uf eim wartet, denn isch’s der Zit, z’überlege, was in de letschte 11 Monet alles so gsin isch. Mir hen säll nit numme im Chopf, mir trages au mit uns umme (nai, nit numme d’ Johresring). S’ isch äso, wie’s de Bode Kirchoff emol gschriibe het: »Aber das Herz ist kein Muskel, das Herz ist ein Sammler.« Wie recht er do dermit het, merkt me spöteschtens, wenn de Arzt zu eim sait: »Nervöse Herzbeschwerden«. Do sammle mir so mänks, won is am End us em Rhythmus bringt. Hen er e bitzeli Zit?

Denn fanget mol a un hirnet (für D.: das, was man mit dem Ge-hirn macht), do wird Euch öbbis vo dem ifalle, was es Herz schon lang gspürt. Bim Brueder Martin git’s e schöne Übersetzig vo Hebräer 13,9: »Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.« I find, des isch e schön’s Bild, s’ Herz, wo fescht wird. Natürlig nit us Stei, aber so, dass es ruhig schlat, au wenn’s Läbe ganz anderscht isch. Säugling hen des gern, sie werde ruhig, wenn sie uf eim liege uns Herz schlage höre. Sell chenne si scho, scho nün Monet lang. S’sait ihne, dass es do e Verbindig git, wo trait. Wien e Bruck, wo mer cha drüber go, ohni Angscht, au wen mer nit sieht, wie’s ähne dra witer goht.

Euie Hellmuth Wolff, vo 900 Meter oben abe

lesen

Ein (REISE-)SEGEN

Ein Segen, nicht nur für diejenigen, die in den Urlaub fahren:

Gott segne dich,
wenn du in aller Herrgottsfrühe aufstehst oder wenn du noch eine Runde liegen bleibst.
Er segne dein Aufbrechen, dein Unterwegs sein und dein Ankommen.
Er segne die Menschen, die dir begegnen, die dich begleiten und die du verlässt.
Gott schenke dir kühle Gedanken, wenn’s heiß hergeht,
erfrischende Begegnungen
und ein schattiges Plätzchen, an dem ihr gut reden könnt – über ihn und die Welt.
Er schenke dir Zeiten der Stille, in denen deine Sehnsucht Raum hat
und in denen du offen bist für sein Wort.
Er schenke dir Besonnenheit zu erkennen, wo andere dich brauchen
und er schenke dir den Mut und die Kraft dann auch zu handeln.
Und so segne dich Gott,
durch Jesus Christus, im Heiligen Geist.
Amen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne und erholsame Sommerzeit!

Ihr Florian Böcher, Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Gedanken

Wenn alle Klamotten in den Koffer passen;

Wenn das Auto aus allen Nähten platzt

Wenn sich der Stau aufgelöst hat 

Dann beginnt der Urlaub.

 

Wenn das Hotel-Frühstück besser ist als zuhause

Wenn die Sonnengarantie ihre Versprechen einlöst

Wenn die Kinder endlich mal ausschlafen (bis 8.30 Uhr!)

Wenn man zum Pool pendelt und nicht zur Arbeit

Wenn man vergisst, welcher Wochentag ist

Dann ist endlich Urlaub

 

Wenn die Sonnenbräune gleichmäßig ist

Wenn die Nachbarn sich für die Postkarte bedanken

Wenn die Kollegen über meine Fotos staunen

Dann war ich im Urlaub.

 

Wenn ich noch vier Monate durchhalte

Wenn ich noch drei Monate durchhalte

Wenn ich noch zwei Monate und drei Wochen durchhalte

Dann ist wieder Urlaub (wird auch höchste Zeit)

 

Wenn ich Pausen hätte, Zeit für mich hätte

Wenn nicht jeden Tag Alltag wäre

Dann hätte mein Kopf mal Urlaub, und meine Seele gleich mit.

Dann würde ich Kraft tanken, nicht nur im Urlaub

Sondern auch sonntags.

 

Wenn einer mal sagte: „Du brauchst das nicht allein zu schaffen.“

Dann würde ich länger durchhalten

Vielleicht nicht bis zum Urlaub, aber vielleicht bis Sonntag.

 

Wenn alle mal den Mund hielten

Wenn ich sogar das Handy ausschalte,

dann könnte ich selber ruhig werden

dann wäre es auch in mir mal ruhig

dann könnte ich die Worte nochmal hören

die Worte von letztem Sonntag: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.“

Wenn diese Worte etwas bedeuten, dann doch dies:

Da schenkt mir jemand Urlaub, mitten im Alltag.

 

Philipp van Oorschot, Pfarrer in Kirchzarten

lesen

Dieser Tage läuft bei mir das Handy heiß...

... und mein Akku kratzt ständig an 0 %. Das hat aber nichts damit zu tun, dass der BND unbemerkt eine Spyware auf meinem Smartphone installiert hat - zumindest hoffe ich das…

Vielmehr hat es damit zu tun, dass ich in den letzten Tagen für insgesamt über 150 Jugendliche 44 Gruppen auf verschiedenen Messenger-Diensten installiert habe. Und die Jugendlichen stellen munter ihre Fragen und melden sich zurück. Und das zu Recht.

Warum? Es geht um die Baden Games. Vom 20.-22.07. machen sich Jugendliche aus ganz Baden auf den Weg, um Baden und die Welt zu retten. Dabei müssen sie mutig Aufgaben lösen, sich als Team finden und den Umstand aushalten, dass sie noch nicht wissen werden, wo sie ihre Reise hinführen wird. Dabei müssen sie sich auf ein Team von Bezirks- und Landesjugendreferenten in einer „geheimen Zentrale“ verlassen, die sie ständig mit neuen Informationen, Zielen und Aufgaben über ihr Handy versorgen. Die „Baden Games“ schlagen Wellen. Es gibt viele Befürworter bis in oberste Kirchenämter. Oberkirchenrat Prof. Dr. Schneider-Harprecht lässt es sich nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Das freut mich sehr. Ich stelle mir vor, wie er in diesen sommerlichen Nächten beim zu Bette gehen zufrieden in sein Kissen flüstert: „Hach, Baden Games - super Sache!“

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Was ist genau das Christliche an diesem Projekt? Tatsächlich ertappe ich mich bei solchen Fragen immer wieder, wie ich innerlich die Augen verdrehe. Ich kann den Kritikern aber auch eine klare Antwort geben:

Wo sich Jugendliche aufmachen ins Ungewisse, bewusst als „Gemeinde auf Zeit“, wo Jugendliche mit T-Shirts und Bannern als Christ*innen erkennbar sind, wo ein Projekt nur umgesetzt werden kann, weil es viele Ehrenamtliche und Hauptberufliche gibt, die (fremden) Jugendlichen Schlafunterkünfte zur Verfügung stellen und sie mit Essen versorgen, wo man sich also traut, übergemeindlich zu denken, wo morgens und abends teilweise mit klassischen Elementen, aber auch neuen (Online-) Andachten gefeiert werden und das, wo eben nicht nur zwei oder drei in Christi Namen versammelt sind, wo ein Projekt in einen großen Jugendgottesdienst mündet, da sage ich: Das ist gelebtes Christentum, das Tradition und Moderne miteinander verbindet.

Ich bin stolz auf die vielen helfenden Hände und sage jetzt schon „Danke“ an alle, die dieses Projekt ermöglichen. Mit euren unterschiedlichen Gaben, Aufgaben und Fähigkeiten seid ihr wichtige Glieder am Leibe Christi! Übrigens: Aus unserem Bezirk nehmen Gruppen aus Ehrenkirchen, Müllheim und Bad Krozingen teil. Ich wünsche allen Gruppen viel Spaß und Gottes Segen auf ihrer Reise. Wir freuen uns, wenn Sie die Baden Games unter dem Hashtag #badengames verfolgen.

Oliver Zulauf, Bezirksjugendrefrent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

"Der undankbare 4. Platz"

Am Samstag wird bei der WM in St. Petersburg um den dritten Platz gespielt. Belgien – England. Das kleine Finale.

Natürlich wird auch um den 4. Platz gespielt. Aber das sagt keiner. Und trotzdem ist es so. Wer gewinnt, wird Dritter. Wer verliert wird Vierter. Und das nennt man dann den „undankbaren 4. Platz“.

Übrigens: Wissen Sie noch wer vor 4 Jahren 3. oder 4. bei der WM wurde? Holland (!) schlug Brasilien im kleinen Finale 3:0.

Aber an den Dritten erinnert man sich kaum. Und schon gar nicht an den Vierten.

Schade eigentlich. Wenn man bedenkt, dass man sich ja erst einmal für eine solche Weltmeisterschaft qualifizieren muss, um überhaupt dabei zu sein. Das haben immerhin 32 Mannschaften geschafft.

Und dann gab es die Vorrunde, das Achtelfinale, das Viertelfinale, das Halbfinale. Und jetzt endlich - die beiden Endspiele. Und da soll es schlimm sein, wenn eine Mannschaft nur Vierter wird? Merkwürdig.

Auch bei den Olympischen Spielen ist das immer so. Weil es eben nur 3 Medaillen gibt. Und nur 3 Stufen auf dem Treppchen. Dabei ist die Zahl 4 doch so unverzichtbar.

Auch für den Fußball. Das Runde – heißt es - muss ins Eckige. Und das hat nun mal 4 Ecken. Der ganze Platz hat 4 Ecken, ist sozusagen ein Viereck.

Es gibt die vier Himmelsrichtungen, die 4 Räder und die 4 Jahreszeiten.

Die 4 ist sonst doch eine anständige Zahl. Eigentlich unverzichtbar. Und trotzdem will keiner gerne Vierter werden.

Ist doch klar. Ist doch menschlich. Aber nicht unbedingt göttlich. Denn Jesus hat einmal ganz bescheiden gesagt: „Wo 2 oder 3 in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Er ist also gerne Vierter.

Vier gewinnt eben doch auch. Wer am Samstag verliert, gewinnt trotzdem, gewinnt den 4. Platz.

Rainer Heimburger, Dekan des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Abgeben

Natürlich verfolge ich die WM; auch nach dem Ausscheiden unserer Mannschaft. Und manchmal spreche ich auf einmal mit dem Fernseher. „Abgeben. Abgeben. Mensch, gib doch ab!" Abgeben. Das gehört zum guten Spiel. Wenn einer alles alleine machen will, dann läuft nichts, dann geht es schief.

Abgeben. Mensch, gib doch ab. - Ein toller Satz. Nicht nur beim Fußball. Sondern auch im Leben.

Abgeben: andere einbeziehen, seinen Part gut ausführen und dann abspielen. Den anderen auch etwas überlassen. Sie beteiligen am Spiel, eben: zusammenspielen.

Abgeben ‑ zusammenspielen ...

Das gilt nicht nur auf dem Fußballplatz und auf dem Spielfeld des Lebens, von Mensch zu Mensch. Ich glaube, das gilt auch im Zusammenspiel von Gott und seinen Menschen.

Abgeben. Mensch, gib doch ab.

Das klingt wie eine moderne Übertragung des altes Psalmverses: Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen.

Ich stelle mir vor, Gott steht manches Mal auf dem Spielfeld des Lebens und ruft mir zu: Abgeben! Mensch, gib doch ab!

Deine Fragen kannst du mir lassen und für deine Sorgen hab ich ein offenes Ohr.

Wenn du müde bist und keinen Mut mehr hast zum Weitergehen, dann schick ich Dir einen Engel so wie dem Elia, der brachte ihm, was seine Lebensgeister wieder wachrief.

Dann kann ich Kraft schöpfen und mich mit frischer Energie ins Spiel einbringen. Dabei will ich den Zuruf nicht überhören: Abgeben! Mensch, gib doch ab!

Rainer Heimburger, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Raum für Gutes

Eine alte Dame mit schlohweißem Haar sicher deutlich jenseits der 80 sitzt am Tisch, ihre Hörhilfe im Ohr, einen Pinsel in der rechten Hand. Das Bild auf der Leinwand vor ihr hat schon Gestalt angenommen. Aber wie geht´s jetzt weiter ...?

Über Eck am selben Tisches sitzt ein Mädchen, keine acht. Sie könnte gut und gerne die Urenkelin sein. Auch sie hat einen Pinsel in der Hand und malt gerade, während sie aufmerksam schaut, was ihre Mitmalerin tut. Sie malen zusammen – ein schönes Bild!

Wie gut, dass es einen solchen Raum der Begegnung über die Generationen hinweg gibt. Es ist ein Raum für Gutes.

Szenenwechsel.

Freude spricht aus den Gesichtern der Jugendlichen mit Handicap und der Frau um die 30. Sie sind sich nah, haben die Köpfe zusammensteckt dort unter leichten Decken und offensichtlich viel miteinander zu lachen.

Wie gut, dass es einen solchen Raum der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Handicap gibt. Es ist ein Raum für Gutes.

Das ist das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie: „Raum für Gutes“. Es begegnet auf dem Aktionsplakat über den beiden Bildern, die sich beliebig fortsetzen ließen mit denen aus der tagtäglichen Arbeit unter dem Dach unseres Diakonischen Werkes Breisgau-Hochschwarzwald.

Da tut sich in der Schwangerenkonfliktberatung ein Raum für Gutes auf, in dem hilfesuchende Frauen in Ruhe überlegen können, welche Wege aus der Krise herausführen. Da tut sich in der Begleitung psychisch kranker Menschen ein Raum für Gutes auf, in dem sie Wertschätzung und praktische Lebenshilfe erfahren. Da tut sich im Rahmen der Flüchtlingsarbeit ein Raum für Gutes auf, in dem Menschen mit Fluchterfahrung die so wichtige Begleitung und Beratung finden.

Ein Segen, dass Menschen durch die Mitarbeitenden des Diakonischen Werkes Wertschätzung erfahren – in welcher (Not-)Lage auch immer -, aufatmen können und aufgerichtet werden. Das entspricht von jeher dem Wunsch und Willen Gottes. Der Mensch aus dem Volk Israel erinnert daran, wenn er betet: „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum" (Ps 31,9).

Rolf Kruse, Pfarrer in Bad Krozingen und Bezirksdiakoniepfarrer im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Der Heilige Geist

Ich erinnere mich noch zu gut an die letzte Schulstunde vor den Ferien. Das Thema war Pfingsten und einige Kinder hörten die Pfingstgeschichte zum ersten Mal. Als ich mit erzählen fertig war, starrte ich in einige staunende Gesichter. „Was? Frau Häs? Wie kann das sein, das die nicht wissen, was sie sprechen???“.

Ja, wie kann das sein? Das ist nur eine von vielen Geschichten in der Bibel, die uns manchmal vor Herausforderungen stellt. Manchmal lesen wir Geschichten, in denen Dinge passieren, die für uns nicht logisch erscheinen. Und bei denen wir deshalb Schwierigkeiten haben zu glauben, dass es so passiert ist. Vor allem die Wissenschaft zeigt uns immer wieder auch Wege einer logischeren Erklärung für ein Geschehen.

Trotz aller Forschungen und Beweise frage ich mich dabei: Warum trauen wir Gott in seiner Trinität nicht zu, dass er manchmal Dinge tun kann, die unser Denken übersteigt?

Ich schaue skeptisch… und erinnere mich zurück an meine Schüler*innen.

Ich erinnere mich daran, dass ihre Gesichter nicht mit einer Skepsis erfüllt waren - sondern mit einer Begeisterung.

Be-geist-erung, das ist für mich ein Sinnbild für den Heiligen Geist.

Ich jedenfalls möchte mich wieder anstecken lassen. Anstecken von der Be-geist-erung, die der Heilige Geist in mir bewirken kann. Begeisterung und staunen für die vielen Geschichten in der Bibel. Und begeistern lassen von seiner Vielfalt, in der er mir heute noch persönlich begegnet: Tröster, Heiler, Ratgeber, Freudespender, Hoffnungssäer, Vertrauensgeber …

Oder eben einfach: Gott in mir!

Nun bleibt mir nur noch eines zu wünschen:

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ Röm. 15,13

Celina Häs, Gemeindediakonin in Umkirch und Bötzingen

lesen

Nur nicht zu viel Angst!

„Wenn ich so richtig Angst habe, bringt das gar nichts, dass einer sagt: Hab keine Angst!“ – so ein Mädchen neulich in unserem Kindergottesdienst. Das gibt mir zu denken. Was bedeutet dann der Satz: „Fürchte dich nicht!“, der sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht? Bringt der was?

Vieles macht Angst: die Dunkelheit, das Warten auf eine Diagnose, der mögliche Verlust der Arbeitsstelle, die Sorge um die Lieben, Schmerzen, der Tod. Im Gespräch mit Jugendlichen wird mir bewusst, dass ihre Ängste in den letzten Jahren zunehmen: die Angst zu versagen angesichts von großem Leistungsdruck, die Angst vor Terror und Krieg. Hilft da ein „Hab keine Angst!“?

Mary Ward (1585-1645), englische Ordensgründerin, sagt: „Fürchte nur, zu viel Furcht zu haben!“. Also nicht einfach: Hab keine Angst - wirkliche Angst lässt sich eben nicht weg reden. Aber: Hab nicht zu viel Furcht! Denn wenn die Furcht mich gleichsam überrollt, dann werde ich blind. Wie das Kaninchen vor der Schlange starre ich nur auf das, wovor ich Angst habe, unfähig zu reagieren und mögliche Auswege zu sehen. Ein Übermaß an Angst blockiert.

Fürchte dich nicht! – heißt dann: Lass dich nicht beherrschen von deinen Ängsten. Du bist ihnen nicht vollends ausgeliefert. Du kannst wieder freier durchatmen. Und einen ersten Schritt heraustreten aus der Angst.

Pfingsten ermutigt dazu, „nicht zu viel Furcht zu haben“. Gefangen in ihrer Angst sitzen die Jünger*innen hinter verschlossenen Türen. Gottes Geist befreit sie aus diesem Gefängnis. Sie können nach draußen treten, die Angst ist handhabbar geworden. Fürchte dich nicht! „Fürchte nur, zu viel Furcht zu haben!“

Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

lesen

Heute teile ich mal nicht ...

… das lustige Katzenvideo.

… Bilder von meinem Essen.

… meinen gesamten Alltag mit der Welt.

Teilen im Internet via Facebook, WhatsApp, Instagram, YouTube oder wo auch immer, ist das sozial? Es heißt doch immerhin Social Media.

Teilen gilt ja in unserer Gesellschaft allgemein als etwas Gutes. Man gibt von seinem eigenen etwas her – das macht mein beim Teilen im Internet auch. Man gibt Informationen weiter und stellt sie anderen zur Verfügung. Nach meinem Verständnis vom Teilen, so wie ich es in der Bibel lesen, sorgt es auch für mehr Gerechtigkeit. Wo geteilt wird, da können Wunder geschehen, so wie bei Fisch und Brot, wo von zwei Fischen und fünf Brote fünftausend Menschen satt werden (Markus 6,30-44).

Ich frage kritisch, macht das Teilen von Katzenvideos unsere Welt zu einem besseren Ort? Oder die zur Schaustellung perfekter Urlaubsbilder auf Instagram? Teilen im Internet kann natürlich auch nützlich sein, wenn beispielweise jemand vermisst wird und man diese Nachricht teilt und es sich so schneller verbreitet. Dann könnte es auch als Teilen im biblischen Sinne verstanden werden.

Dennoch habe ich für mich überlegt: In diesem Monat will ich einfach mal wieder andere Dinge teilen. Ich teile einfach meine gute Laune, Kleider, Essen, meinen Block und Stift, meinen Sitzplatz im Zug oder vielleicht auch mein Geld. Und was teilst du?

Medea Tenberg, Gemeindediakonin in Müllheim

lesen

Zu spät für dieses Bild? Jetzt Kreuz, Dornenkrone, Nägel und … auf der Homepage des Bezirks

Leider ist es nicht zu spät für das Bild des Arma-Christi-Kreuzes. Zwar ist es fast zweitausend Jahre her, dass Jesus gequält und gekreuzigt wurde. Aber wie Jesus gequält wurde, wird bis in die Gegenwart wiederholt:

Mord an Menschen, die anders sind als erwartet; Mord und Verfolgung von Menschen, die Unrecht beim Namen nennen. Die Geißel steht für Folter. Der Hahn erinnert an Petrus und sein Versprechen: „Jesus, ich lasse dich nie im Stich“; als Mut erforderlich war, hat Petrus Jesus verleugnet. Noch ein Detail: Unten auf dem Gewand sind drei Würfel abgebildet: Die Soldaten haben an Jesus ihr blutiges Geschäft erledigt, dann würfeln sie, wer Jesu Gewand bekommt. Mitleid mit dem Sterbenden ist ihnen fremd. Ich schreibe diese Zeilen, als entschieden wurde, an Saudi-Arabien Militärboote zu liefern: Wirtschaftlich verlockend – todbringend für die Menschen im Jemen.

Aktuell ist und bleibt vor allem: All die Erinnerungen an Jesu Tod sind von einem Ei umgeben, von einem Osterei. Aus all der Quälerei, aus dem Grab hat Gott Jesus Christus auferweckt. Wie auch immer das Leben mit Füßen getreten wird, Gott lässt das Leben siegen. Auch wenn es für den Augenblick anders aussieht: Der Tod hat verloren, die Quäler und Mörder sind nicht die Sieger.

Gott ist ein Freund des Lebens, deshalb setzen sich Kirchen für das Leben ein: Krieg ist keine Option, so haben viele Gremien der Kirchen entschieden. Und Sie sind um Ihre Hilfe gebeten, damit Fachleute helfen durch die Diakonie und Brot-für-die-Welt.

Auch wenn Ostern Wochen zurückliegt, wünsche ich Ihnen, dass Sie die Perspektive von Ostern begleitet: Gott lässt das Leben siegen. Mit diesem Segenswunsch grüße ich Sie

Friedrich Geyer, Pfarrer in Stegen mit Buchenbach, St. Märgen, St. Peter

lesen

Umparken im Kopf - oder: "Die Hummel fliegt"

Umparken im Kopf...

... eine Werbekampagne einer großen Autofirma und ein Bild für Ostern.

Umparken beginnt mit dem Ausparken:

  • Brich auf! Bleib nicht stehen! Das ist schon schwer genug, wenn der Tod uns ergreift. Schockstarre. Unbeweglichkeit.
  • Um Ausparken zu können, muss ich den Kopf drehen können – nach links und rechts, ja sogar zurück schauen können.
  • Wer ausparkt, muss wissen, wohin die Reise gehen soll. Sonst werde ich stehen bleiben. Wer weiß denn schon, ob ich nochmal einen Parkplatz finde...

Umparken im Kopf...

... ein Leben nach dem Tod - dem eigenen Tod - dem Tod eines geliebten Menschen?

Die Hummel – kann ein Bild für diese Hoffnung sein!

Schauen wir die Hummel an, dieses kleine, possierliche Tierchen! Die Hummel hat eine Flügelfläche von 0,7 Quadratzentimetern bei einem Gewicht von 1,2 Gramm. Nach den uns bekannten Gesetzen der Physik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis von Flügelfläche und Gewicht zu fliegen.

Die Hummel weiß nichts von den Gesetzen der Physik. Sie fliegt einfach, was jedermann sehen kann.

So ist es mit der Auferstehung. Sie kann gar nicht sein, und trotzdem gibt es sie: jetzt und dereinst. Dessen bin ich gewiss.

Ostern wird es, wenn wir für uns einen Weg sehen, wo es scheinbar nicht mehr weitergeht.

Wenn wir miteinander noch einmal von vorn beginnen können.

Wenn wir nach einer Zeit der Trauer oder Krankheit eines Morgens aufwachen und wieder Kraft und Lust auf den Tag verspüren.

Im Angesicht von Ostern dürfen wir ein wenig tapferer werden, österlicher, vielleicht sorgloser. Wir dürfen ein wenig tapferer werden, was die Trauer um unsere schon Verstorbenen und unsere Angst vor dem Tod betrifft.

Darum: frohe Ostern! Der Friede des auferstandenen Herrn sei mit euch! Traut eurem Glauben, traut euren Träumen!

Und vergesst nicht: die Hummel fliegt.

 

Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk

- in Erinnerung an eine liebe, inzwischen gestorbene Kollegin. Ihr verdanke ich das Hoffnungsbild der „Hummel“. Sie schaut nun, worauf sie getraut hat. Gewiss.

 

lesen

Disziplin: Fasten

Es ist Mittwochmorgen und der Beginn der fünften Fastenwoche. Auch ich habe mir vorgenommen zu verzichten: Auf Gummibärchen, Schokolade und Knabbersachen. Und was merke ich mal wieder in der Fastenzeit? Verzicht ist eine harte Disziplin! Auch Jesus hat gefastet. In der Wüste fastete er 40 Tage und 40 Nächte. Für Jesus war es sicherlich kein Spaziergang. Am Ende hatte er Hunger, unglaublichen Hunger. Aber warum? Warum fasten wir und warum hat Jesus gefastet? Ein Blick in die Bibel zeigt uns, dass Fasten mit dem Gebet in Verbindung gebracht wird. Wo gefastet wird, da wird auch gebetet. Mit Gott kommuniziert. Freude geteilt, Zweifel ausgesprochen, Sorgen gebracht; kurz gesagt: einfach die Herzensangelegenheiten an Gott weitergegeben.

Zurück zu Jesus. Wir lesen am Ende seiner Wüstenzeit von seiner Begegnung mit dem Teufel, der ihn dreimal versuchte. Doch Jesus blieb standhaft. Er widerstand bei jeder einzelnen Versuchung. Wie konnte er das tun? Ich denke, er zog seine Standhaftigkeit und Klarheit aus dem Gebet - aus der Beziehung zu Gott. Auch wenn er Hunger hatte, wurde eine andere Ebene von Hunger gestillt. Er wurde gestärkt für das, was auf ihn zukam. Für mich wird in dieser Geschichte deutlich, dass es kein Fasten ohne Gebet gibt – ohne den Kontakt zu Gott. Denn dann kann auch ich in dieser Zeit gestärkt werden – für meinen Alltag, aber auch für Zeiten, in denen es mal stürmisch wird. 

Und ich wünsche uns allen, dass wir diesen Verzicht in der Fastenzeit nicht nur als hart und schwer ansehen, sondern auch als Chance und als einen Gewinn, der uns im Leben bereichert.

Celina Häs, Gemeindediakonin in Umkirch und Bötzingen

lesen

Nieder mit Tina!

Nein, ich meine nicht Tina Turner, die unverwüstliche Rockröhre („We don’t need another hero“). Die Tina, die ich meine, ist viel einflussreicher und zwar auf allen Gebieten des Lebens. Tina ist die Abkürzung von „There is no alternative. – Es gibt keine Alternative.“ „Klimawandel? – Müssen wir was tun, unbedingt! Aber Kohlekraftwerke abschalten? Dazu gibt es noch keine Alternative. – Gewalt, Kriege, Hunger, Ungerechtigkeit? Die gab’s doch schon immer.“

Aber Alternativen sind möglich. Jesus beginnt sein Wirken mit dem Ruf: „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Die gute Nachricht beginnt mit dem Satz: „Es gibt einen anderen Weg. Umkehr ist möglich.“ Deshalb ist „Da kann man nichts machen“ ein gottloser Satz. „Als Einzelner kann ich sowieso nichts machen“. Mit diesem Satz schneide ich mich selbst von den Kraftquellen Gottes ab. Wo Jesus Christus ist, da ist die Welt veränderbar.

Und wie kann das praktisch aussehen? Unser Kleiderschrank quillt über. Zwei Milliarden praktisch ungetragene Kleidungsstücke schlummern in den Schränken der Deutschen. Damit könnte man drei volle Wäscheleinen bis zum Mond spannen! Und dabei wissen wir: Die meisten unserer Klamotten werden unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. „Kleiderfasten“ könnte ein Weg sein, mehr Übersicht in den Kleiderschrank zu bringen. Weniger kaufen und einen Teil des gesparten Geldes an „Brot für die Welt“ geben, oder damit Initiativen für eine gerechtere Textilproduktion unterstützen.

Ich glaube: Es gibt Alternativen.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

S' isch e Chrütz!

Scho isch d‘ Fasnet wieder umme. S‘Häs wird gwäsche oder hängt noime un luftet us. D‘ Larve chunnt in de Schrank. S‘Äschechrütz isch uf de Stirn, mängi hen‘s au schon wieder äweggschwitzt. Oder sie hen de letscht Sarass no gar nit usgschloofe. Einewg, wer Fasnet gfiirt het, het in dere Zit wenigstens e Rolle gha, isch öbber gsi. I hof, s’ het au Freud gmacht. Aber was isch me jetz, ohni Larve un ohni Häs? 
Mängi verwütscht’s aber no schlimmer: Sälli, wo gar kei Fasnet fiire. Was mache die, wenn sie mien ihri Larve abneh und ihri Rolle nümmi hen? Wenn sie s’ überlegeni Grinse mien abgeh? Oder s’ demietigi Lächle? Wie stöhn sie dann do? 
Noch de Fasnetszit sin mir numme noch mir selber. Ob mer gfiirt hän oder nit. Ob des zum ushalten isch? He, mänkmol wär’s guet, un mänkmol wär’s gruusig, wil’s ganz ehrlich wär. S’ isch halt e Chrütz. 
Loset, i will Euch öbbis sage, s’ goht au no anderscht (villicht hen er auch scho denkt, was er jetz us em Ärmel zauberet): Leget doch eifach öbbis Neus a. Nai, nit e ander Häs, oder doch? So mein i’s, wie’s de Paulus gsait het: »So zieht nun an… herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld…« (Kol. 3,12). Des wär doch e schön Häs oder e schöni neui Larve: Statt dass eine luegt wie ne Rottwiler, wo mer s’ Frässe will furtneh, luegt er fründlich, statt dass eine macht wie’s Rumpelstilzchen isch er sanftmütig … un so witer. S’bescht isch, des chrischtlichi Häs hebt e ganz Johr un no länger. Gönt un probieret’s emol us. S’ isch dann kei Chrütz me, sondern e Freud. 
Meint Eue Hellmuth Wolff vom Berg oben abe
 

lesen

Ein leises Wort

Monatsspruch für Februar 2018:

„Es ist das Wort ganz nah bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

Ein leises Wort. Vorsichtig. Sanft. Dahingehaucht. So kann Gott sein. Nicht mit Härte oder Allmacht, heiligem Zorn oder Forderung. Eher milde, werbend, anrührend. So liegt er uns in den Ohren. Es ist nur die Frage, warum ich Gott so selten höre. Dabei ist er nahe mit dem, was er schenkt und erwartet. Sein Wort ist in den Zehn Geboten klar zum Ausdruck gebracht. Und in den vielen Details zur Lebensgestaltung, die dem Dekalog folgen. Vielleicht hören wir sein Wort nicht, weil wir selbst zu laut sind.

Das Zarte geht rasch verloren in einer Welt, in der immerzu geredet, geplappert oder auch gebrüllt wird. Flüstertöne sind rar. Das Zarte geht auch verloren, wenn die glatte Lüge zur Wahrheit erklärt wird. Wahre Worte werden verdreht in „alternative Fakten.“ Da sei Gott vor!, sagte man früher manchmal und meinte, dass Gott sich dazwischen werfe möge mit seinem wahren und lebensspendenden Wort. Das liegt in unseren Herzen, wie der Monatsspruch ausdrücklich sagt. Wenn wir das wollen und den eigenen Worten nicht zuviel Gewicht beimessen. Die vor uns liegende Fastenzeit mit dem Motto „Sieben Wochen ohne!“ bietet die Chance, einmal ganz bewusst auf seine Worte zu achten und selber all das laute Plappern zu vermeiden. Sieben Wochen ohne lautes Reden. Eine Bußübung, die für viele ein hartes Training sein könnte.

Gernot Schulze-Wegener, Pfarrer in Auggen

lesen

Alles Gute zum Alltag

Eine kleine Melodie hab ich geschrieben,
schenk sie dir komm pack sie aus und
nimm sie mit ganz egal wohin du gehst,
sie geht mit dir.
Alles Gute zum Alltag!
Ich wünsch dir einen schönen Tag!
Alles Gute zum Alltag!
Ja mein Freund, ich wünsch dir was.
Nimm das Leben bei der Hand,
grab die Träume aus dem Sand!
Träume hellwach, Träume groß,
lass die Hoffnung niemals los.
Alles Gute zum Alltag!
Ich wünsch dir einen schönen Tag.
Alles Gute zum Alltag!
Ja mein Freund, ich wünsch dir was!

Manchmal kommt uns der Alltag ziemlich trist und langweilig vor, dabei sind es doch die kleinen Dinge im Leben, die unser Leben lebenswert machen. Es muss nicht jeden Tag etwas großes Geschehen um einen guten Tag zu haben. Viele kleine Nettigkeiten, ein Lächeln, ein einfaches Dankeschön, eine Umarmung sind meist besser, als ein großes Geschenk.

“Nimm das Leben bei der Hand grab die Träume aus dem Sand“, wie schon Samuel Harfst gesagt hat. Träume erreicht man durch Leben und deshalb sollten sie nicht verloren oder vergessen werden. Nimm deine Träume in den Alltag mit und lass sie Mitgestalten. Lasst eure Sorgen auch mal liegen und genießt was ihr habt. Schätzt den Moment, euren Alltag und Leben. Man kann die Zeit nicht zurück drehen aber das beste daraus machen. Lasst eure Hoffnung auf eure Träume nicht los. Genießt euren Alltag!

Vielleicht auch beim Konzert mit Samuel Harfst am 26. Januar in der Martin-Bucer-Kirche?

Judith Sudahl, Gemeindepraktikantin – Martin-Bucer-Gemeinde, Breisach

lesen

Wasser? Och...

Eine ganze Zeit denke ich nun schon über die neue Jahreslosung nach: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Offenbarung 21,6). Mit Wasser lockt man mich ehrlich gesagt nicht unbedingt hinter dem Ofen hervor. Ich glaube damit bin ich nicht allein. Zudem heißt es ja: "... Wasser umsonst." Umsonst. Was gibts heute schon noch umsonst? Leise Zweifel werden in mir wach. Ich ahne misstrauen angesichts dieses Versprechens. Ob es diese Jahreslosung einfach haben wird?

Wobei - lebendiges Wasser! Da spüre ich schon eine Sehnsucht in mir. Nach Lebendigkeit, nach Kraft, nach Optimismus und Stärke - angesichts des neuen Jahres 2018! Wir alle sind gespannt was kommt. Die weltpolitischen Entwicklungen geben ja auch Anlass dazu. Da ist Durst nach Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Demut und Mitgefühl... In meinem christlichen Glauben finde ich die "Quelle" dafür. Wenn wir Gott an die erste Stelle stellen, findet alles/jeder andere seinen Platz. Let's make God great again!

Florian Böcher, Gemeindediakon in Staufen und Münstertal

lesen

Was ist für Sie das Wichtigste an Weihnachten?

„Weihnachten ist das Fest der Liebe Gottes zu den Menschen. Wir feiern, dass Gott Mensch wird, mitten in unserem Alltag, im Tunnel der Stadtbahn, in den Wärmestuben für Obdachlose wie in den Wohnzimmern an Heiligabend. Christi Geburt unterbricht die Arbeit der Hirten und führt sie zum Stall. Dort bei den einfachen Menschen zeigt sich Gottes Liebe. Sie lässt uns innehalten in unserem Alltag und schenkt uns eine Zeit der Besinnung. Sie gilt gerade auch jenen, die wenig Hoffnung haben, dass sich etwas ändern lässt. Sie stärkt den Lebensmut der Menschen, die daran zweifeln, dass sie etwas dazu beitragen können, dass die Liebe Gottes die Welt verändert. Gerade ihnen rufen die Engel zu: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!

An Weihnachten kommt Gottes Liebe in unsere Welt, verändert unser Leben und nimmt uns in die Verantwortung: Für die, die uns in unseren Familien besonders wichtig sind, und für die, die uns fern sind und uns trotzdem besonders brauchen. Für einen Frieden, der nicht den Sieg, sondern die Versöhnung mit den Feinden sucht. Für eine Gerechtigkeit, die nicht dem „wie du mir, so ich dir“ folgt, sondern für mehr Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Solidarität, die eigenen Interessen zurückstellt. Für einen Umgang mit Gottes Schöpfung, der sie so bewahrt, dass sich auch noch unsere Enkel an ihr freuen können."

lesen

Ja! Aber

So reden wir oft, nicht wahr? Zum Beispiel: „Ja, das hast Du gut gemacht, ABER Du hättest etwas schneller sein können.“ Es war also schon wieder nichts, hören wir! Im Gedächtnis oder Bauchgefühl bleibt das „ABER“ – nicht das „JA“.

Mein Vorschlag: Verzichten Sie bis Weihnachten auf das „ABER“ – und ersetzen Sie es durch das Wort „GLEICHZEITIG“. Meist meinen wir nämlich zwei gleichwertige Dinge, wenn wir „ABER“ sagen. Warum? „GLEICHZEITIG“ hebt die Zusage, das „JA“ nicht auf! Diese GLEICHZEITIGKEIT zeichnet unser Leben aus – auch im Vorschein des Weihnachtsfestes: Gott wird Mensch: JA und GLEICHZEITIG ist er Gott. Er ist arm und ohnmächtig – GLEICHZEITIG Retter und Herr. Er liebt mich – und GLEICHZEITIG spüre ich, dass ich im Lichte seines Lebens neu werden soll und kann. Im Advent bereiten wir uns darauf vor: JA und GLEICHZEITIG gilt uns das schon immer.

Einen gesegneten Advent wünscht Ihr Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald.

lesen

Ein Gott der Lebendigen

Totensonntag oder Ewigkeitssonntag heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Eigentlich sind die beiden Begriffe zwei Seiten einer Medaille. Beim „Totensonntag“ geht der Blick zurück. Wir denken an die, die gestorben sind. Den Ehemann, die Freundin, die Tochter. Sie waren uns lieb. Ihr Verlust schmerzt immer noch. Wir werden sie nicht vergessen.

Der „Ewigkeitssonntag“ versucht, diesem traurigen Tag einen Weitblick zu geben. Mit dem Tod ist zwar das irdische Leben zu Ende, aber nicht das Leben an sich. Das Leben geht weiter – in einer anderen Welt und in einer Weise, die wir uns nur schlecht vorstellen können. In seinen „Leichenreden“ erzählt der Dichter und Pfarrer Kurt Marti von einer Frau:

„wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
preiset das leben
das hart ist und schön
preiset DEN
der ein gott von lebendigen ist“

Vom ewigen Leben, von dem wir uns nur schlecht Vorstellungen machen können, ist hier nicht die Rede. Stattdessen spricht Marti von den Erfahrungen, die wir immer wieder hier machen: vom sich Durchkämpfen, von schwierigen Zeiten, aber auch von erfahrener Liebe, interessanten Begegnungen und von schönen Sommerabenden.

Aber obwohl die Frau in dem Gedicht von Kurt Marti weiß, dass sie sterben muss, will sie nicht, dass die Trauer ihren Tod bestimmt. Sie hat in ihrem Leben Gott als Gott des Lebens erfahren. Deshalb hat sie Hoffnung über den Tod hinaus. Deshalb geht sie dem neuen jenseitigen Leben getröstet entgegen.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Toller Rand? Oder tolerant?

Das Reformationsjubiläum ist begangen. Kontrovers wurde diskutiert über den Einfluss der Reformation in der heutigen Zeit. Was uns der gute Luther so alles heute noch sagen kann. Auch die negativen Auswirkungen der Reformation und des Menschen Martin Luthers kamen in diesem Jahr nicht zu kurz.

Um ehrlich zu sein, konnten mich viele der Predigten, die ich in diesem Jahr zum Thema Reformation gehört habe nicht überzeugen. Zu oft wurde versucht zu viel zu sagen. Die Folge war das alles Fragment geblieben ist. Ich hätte mir vieles etwas pointierter gewünscht und weniger allumfassend. Ich möchte an dieser Stelle, aber nicht nur kritisieren, sondern auch Impulse geben. Mich beschäftigt aktuell nicht nur in Verbindung mit der Reformation das Thema „Toleranz“. Auf der einen Seite ist Toleranz ein hohes Gut, denn sie gewährleistet, dass man Meinungen, Auffassungen und Einstellungen neben sich duldet, die nicht den eigenen entsprechen. Toleranz hat für mich aber auch immer Grenzen, die wenn sie überschritten werden meinen Widerspruch zur Folge haben.

Dieses Thema verdient mehr, als nur eine kurze Abhandlung auf einer kirchlichen Homepage. Deswegen möchte ich sie liebe Leserinnen und Leser dazu einladen, darüber nachzudenken, was Toleranz bedeutet. Und mehr noch möchte ich Sie bitten ihre Meinung auch kundzutun. Eine Möglichkeit dafür ist der nächste interaktive Gottesdienst „Heavenbreak“ aus Breisach mit dem Thema: „Toller Rand? Oder tolerant?“, den Sie live unter www.heavenbreak.de am 19. November um 17 Uhr mit ihrer Meinung mitgestalten können.

Oliver Münch, Gemeindediakon in Breisach

lesen

Nun ist es bald soweit...

Der 31. Oktober steht vor der Tür. Zehn Jahre lang hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland an das Jubiläum angenähert. Viele sind vielleicht sogar froh, wenn es jetzt endlich vorbei ist. Aber was hat es uns gebracht? Mehr öffentliche Aufmerksamkeit? Gar Impulse für die Zukunft? Auch für die Ökumene? Oder geht es danach einfach weiter wie zuvor? Das kann noch niemand beantworten.

Aber wenn es nicht in die Zukunft reicht, dann es viel Energie in den Sand gesetzt worden. In Umkirch ist deshalb die Anregung aufgegriffen worden, 95 Umkircher Thesen zu formulieren. Sie werden im Monat des Reformationsjubiläums an verschiedenen Orten des Dorfes aushängen und so, hoffen wir, zum Dorfgespräch werden. Thesen zum Nachdenken, Innehalten, Krafttanken oder sich einfach inspirieren lassen, so die Einladung auf den Thesenplakat.

Deshalb einfach einige „Kostproben“: „Immer der Druck, sich verstellen und/oder lügen zu müssen, um besser dazustehen!" "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!’ – Wo stehe ich wirklich? Wo stehst du?“ „Ist es wirklich so einfach? ‚allein Christus, allein aus Gnade, ..."

Pfarrer Eberhard Deusch, Umkirch

lesen

Auch eine Gurke macht schon eine Ernte oder?

„Ob eine Gurke bei Ihnen auf dem Balkon wächst, das kann ich Ihnen nicht versprechen!“ So begann unser Frühjahr mit dem Einkauf der Jungpflanzen für den Balkon. Die Umstellung von Garten auf Balkon war gar nicht so einfach. Doch wir wollten das Experiment wagen, und nahmen eine Gurkenpflanze vom Verkäufer mit. Nun hieß es erst einmal Umtopfen, Düngen, den richtigen Platz auswählen, ein passendes Gestänge zum Entlanghangeln suchen und nicht zuletzt gießen, gießen, gießen. Sehr viel Zeit und Pflege haben wir in unsere Gurke, die Tomaten, Paprika, Kräuter und Gewürze gesteckt. Im Urlaub musste Vertretung gesucht werden, die sich auch gut um die Pflanzen kümmert. Es wurde nochmal richtig kalt, es wurde wieder super heiß. All diese Turbulenzen haben unsere Pflanzen gut überstanden. Und dann tatsächlich der erste Gurkentrieb. Er wurde größer und größer und schließlich zu einer leckeren Gurke. Unsere kleine Gurkenpflanze hatte es tatsächlich geschafft, wider Erwarten des Verkäufers und gegen unseren Zweifel. Für diese Ernte war ich wirklich dankbar! Immerhin habe ich die Gurke wachsen sehen und gepflegt.

Aber im Alltag vergesse ich oft, wer die ganze Arbeit geleistet hat für Obst und Gemüse, für alle Art der Lebensmittel, aber auch Kleidung und Spielwaren. Und selten bin ich so dankbar, wie bei der kleinen Gurke. Eher vergesse ich, welche Arbeit dahintersteckt. Eher bin ich froh über den günstigen Preis, als mir zu überlegen, wie es dazu kommt, dass ich hier im Supermarkt so wenig dafür zahle. Den Menschen die alltäglich diese Arbeit für uns leisten sei ein Dank ausgesprochen! Und auch Gott dem Schöpfer, der diese Wunder erschaffen hat, sei Dank! Vielleicht denke ich in Zukunft, wenn ich eine Gurke sehe, an die viele Arbeit und Pflege, die in ihr steckt und bin dankbar für das was ich habe.

Medea Tenberg, Gemeindediakonin in Müllheim

 

lesen

Einfach dasitzen

"Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ schreibt Astrid Lindgren in ihren Tagebüchern. Eine gute Nach-den-Ferien-Devise, finde ich. Einfach dasitzen und vor sich hin schauen – können wir uns das leisten?

Der Alltag sieht anders aus. Zeitdruck, möglichst viel gleichzeitig tun, funktionieren, oft rastlos von Termin zu Termin hetzen. Manche von uns bewältigen ihr umfangreiches Pensum an Arbeit und Ehrenamt nur durch ein immer besseres Zeitmanagement. Die vielen Ratgeberbücher sollen uns dabei helfen.

Einfach dasitzen und vor sich hinschauen – können wir das überhaupt? Oder beschleicht uns unwillkürlich das Gefühl, eigentlich etwas tun zu sollen? Dabei übersehen wir leicht etwas ganz Wichtiges: Gott setzt unserem Leben einen Anfang und ein Ende. Dass meine Lebenszeit begrenzt ist, bedeutet Verzicht: ich kann nicht alles erreichen, aber – und das ist das Tolle: ich muss auch nicht alles erreichen. In den von Gott gesetzten Grenzen leben, das heißt verzichten, aber das ist eben auch wunderbar befreiend.

Einfach dasitzen und vor mich hinschauen – das habe ich mir vorgenommen für die Wochen, die sich jetzt nach den Ferien wieder so schnell füllen. Einfach dasitzen und vor mich hinschauen – immer mal wieder zwischendurch, egal was ist. Absichtslos und ungehetzt. Mich frei machen von Ansprüchen und Erwartungen. Den eigenen Körper spüren. Loslassen. Den Kopf leeren, das Herz leeren. In der eigenen Mitte sein. In Gottes Gegenwart. Das genügt.

Ihre Daniela Hammelsbeck, Pfarrerin in Müllheim

lesen

Schick di!

Am 1. September sin’s no 10 Täg Schuelferie. Jetz aber schnell. Was mache mer no demit? Mir sin emol mit ere Fähri uf e Schottischi Insel gfahre. Vor is in de Schlange dütschi Urlauber, villicht so alt wie mir. Do seit eini: »Du, unse Bus isch scho uf de Fähri, gli als erschter. Er stoht uf de pole position.« Am liebschte het i als höfliche Alemann grieft: »Häbitte? Machet ihr Ferie oder sin ihr uf de Flucht - mit ere ganze Reisegsellschaft?« Un was sot do besser sie, wenn mer in de erschte Reihe stoht? Isch es Meer blauer, wenn mer’s als Erschte sieht? Oder schmeckt’s Ale besser, wenn mer alli andere abghängt het? Oder isch des e Befriedigung, wenn mer alli überholt het? Stellet euch emol vor was des gebti: De Erschti an der Ampel, der Erschit uf em Gipfel, de Erschti in de Baiz, der Erschti, wo Karriere macht? Guet? Aber s’ goht jo no witer: De Erschti mit em Herzinfarkt, de Erschti, wo in de Vorruestand gschickt wird un dann au dä, wo am Erschte stirbt? Hauptsach immer uf de »pole positon«? Gang mer furt.

Un dann sait Jesus emol: »Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein; und es sind Erste, die werden die Letzten sein« (Lk.13,20). Macht dä do am End au mit? Mängi läse selli Stell bim Lukas äso, as do de ganze Drängler endlich emol eins uf de Deckel ge wird. I weiss nit. Mir sin do die wichtig, wo suscht immer am End gsi sin, eweg dränglet die eine, die andere immer scho hilfloser as die Schnelle. Un dene am End sait er: »Passet uf, s’ chönnt sie, dass me euch füre bittet. Nit um alles uf de Chopf z’stelle, nai, damit jeder dä Platz überchunnt, wo de richtig für en isch.

« S’ muess nit emol vorne dra si. S’ muess nit alles schneller und »effizienter« goh, s’ längt, wenn öbbis in sim eigene, richtige Tempo goht. Also machet nit so wild. Machet öbbis eso, dass ihr und anderi öbbis dervo hennt. Keine muess sich allwil produziere vor de andere, wil mir bi unserem Gott alli unser richtiges Plätzli hän. Do chunnt’s nit uf d’ Gschwindigkeit an. Bis dass alli wieder afange z’schaffe, wünsch i euch - ja was? D’ Angelsachse hen dodefür e luschtige Usdruck, er heisst »Godspeed«. Nämmet euch die Zit un lueget emol, was des heisst (e chleine Tip: Mit Gschwindigkeit het des nüt zum due).

Eue Hellmuth Wolff us Hinterzarte

lesen

Ferien

Überall sind die Menschen jetzt unterwegs, auf der Straße, den Autobahnen, mit dem Fahrrad, der Bahn, mit Flugzeug und Schiff. Eine seltsame Völkerwanderung, die der gewohnten Umgebung, dem Alltag zu entfliehen sucht. Urlaubszeit. Ferien.

Gibt es Ratschläge für diese schöne Zeit? Ich denke schon. Einer hat gemeint, man solle doch einfach einmal das Wort »Ferien« durchbuchstabieren. Eine gute Idee, fangen wir an:

Da ist als erstes der Buchstabe F. Woran denke ich da? - F, das ist: Fahren, Fliegen. In die Ferne, in fremde Länder. Freiheit, frei sein fällt mir ein. Auch Faulenzen, Feiern, Familienglück. Mancher denkt an Foto, an Filmen, Fußballspielen oder Fischengehen. Und sollen wir's nicht nennen, das Wort Freude? Und Fröhlichsein?

Dann E, woran denke ich bei E? An Erholung, Entspannung. An Erlebnisse, Eindrücke, neue Entdeckungen, Einfälle, Erfahrungen. Auch neue Energie wäre zu gewinnen. An Edelweiß und Enzian mag man sich erfreuen . . .

Als nächstes der Buchstabe R: Reise natürlich, aber nicht unbedingt Raserei. Statt dessen lieber eine Rast unterwegs, auf dem grünen Rasen. An ein Rasenstück denke ich, wie es Dürer gemalt hat, oder an rote Rosen. An Ruhe. Ratsam dann auch Rudern, Radfahren, Reiten oder Rugby. Warum nicht mal Rommé? Auch ein Regentag im Urlaub kann reizvoll sein (wenn man nicht gerade Rheuma hat!).

Danach der Buchstabe I: Dazu fallen mir sogleich neue Stichwörter ein: Interessen zum Beispiel. Initiativen. Oder Ideen haben. Ideale, warum nicht? Auch In-sich-Gehen wäre ein gutes Wort. Ebenso natürlich In-die-Luft-Gucken. Man kann von einer Insel träumen, Indianer spielen, Im-Bett-Bleiben.

Und nochmals ein E. Wir kennen es ja schon von Erholung und Entspannung, von Erlebnissen und Eindrücken her. Essen gehört auch sicher dazu. Ein Eis zwischendurch. Und Einkehr. Vielleicht auch Ehrfurcht. Etwas wie Ehre sei Gott.

Als letztes schließlich der Buchstabe N: Das mag für Natur stehen. Naheliegendes, Niegesehenes.

Nennenswert wären auch Nachdenken, Nächster und Nachbar. Vielleicht auch Nachtleben und Närrischsein, nur nicht nervös! Um am Ende dann: Nach Hause kommen ...
So können wir's durchbuchstabieren, das Wort »Ferien«. Und die Ferien selbst, Stück für Stück, Tag um Tag genießen. Möglichkeiten bieten sich genug. Das ist wie das Leben: ein Angebot. Man kann es dankbar annehmen und nutzen. Aber auch das Gegenteil ist denkbar: dass man es vertut.

Alles kann man vertun, selbst das schöne Wort "Leben« kann einer am Ende so buchstabieren, dass es sich aus Langeweile, Enttäuschung, Betrug, Ekel und Nichts zusammensetzt.

Aber ich bin sicher: So hat es der nicht gemeint, der uns ins Leben rief, der uns dieses Leben geschenkt hat. Und auch der nicht, der im Namen des Vaters auf die Erde gekommen ist, damit - so sein Wort - die Menschen im Glauben das Leben haben und es in Fülle haben.

Etwas vom Glück des siebten Tages könnte über dieser Ferienzeit liegen, da Gott ruhte und auf alles sah, was er geschaffen hatte, und es gut, ja sehr gut gelungen fand. Vielleicht sogar eine Vorahnung vom Glanz der kommenden Herrlichkeit, wenn alles vollendet sein wird.

Ich wünsche es Ihnen und mir!

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

„An den Bock zu Köln“

Wenn ich mit Kolleg*innen über das Thema Gottesdienste ins Gespräch komme, höre ich immer wieder auch (Selbst-)kritisches über die Liturgie und die Art wie wir sprechen.

„Fürbitten sind im Gottesdienst manchmal so deplatziert“, „Mir erschließt sich der Sinn von im Wechsel gesprochenen Psalmen nicht“, „warum drücke ich mich so umständlich aus?“. Überraschend ehrliche Statements.

Im Buch von Erik Flügge „Der Jargon der Betroffenheit - wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“ geht es genau darum. Um eines klarzustellen: Zu kritisieren lohnt sich nur das, was man liebt und was einem wichtig ist. Insofern übe ich ein bisschen Kritik an meiner Kirche und als Teil dieser Kirche kritisiere ich mich damit auch selbst. Ich ertappe mich häufig wie mir Formulierungen fremd vorkommen. „Brüder und Schwestern“, „Jesus lädt dich ein“. Selten erlebe ich eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern und ich oute mich jetzt mal: Eine persönliche Einladung von Jesus habe ich so auch noch nicht erhalten…

Wie kann ich von anderen erwarten, dass sie meine Sprache verstehen, wenn ich es oftmals selbst nicht verstehe? Und warum machen wir nichts dagegen, wenn es doch scheinbar anderen auch so geht? Wovor haben wir Angst?

Vor 500 Jahren hat die Reformation die Welt auf den Kopf gestellt. Die Vision einer für alle verständlichen Kirche wurde Realität. Als Martin Luther an den Erzbischof und Kurfürsten von Köln schrieb, adressierte er den Brief an: „Den Bock zu Köln“. Es scheint mir überlegenswert, welches Schimpfwort 500 Jahre später adäquat wäre. Die Sprache der Reformation war radikal. Ich glaube, dass wir uns da gerne eine Scheibe abschneiden können.

Long story short: Ich weiss, dass ich auch vielen Unrecht tue. Nur wenn wir relevant für die „normalen Leute“ und vor allem für die jüngeren Generationen bleiben wollen, müssen wir etwas an unserer Sprache tun und Formen der Verkündigung überdenken.

Einen ehrlichen und konstruktiven Austausch darüber wünsche ich mir so sehr. Und ich hoffe darauf, dass wir das schaffen. Das Reformationsjubiläum wäre ein guter Anlass dafür.

Oliver Zulauf
Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

„Summertime – and the living is easy“

„Summertime – and the living is easy“ – Sommerzeit und das Leben ist leicht. Ein wunderbares Lied über den Sommer. Sommer, das ist Wärme, Gelassenheit und Entspannung. Sommer – das ist die Erlaubnis sich leicht zu fühlen. Am Morgen schon einstimmen in das Lied der Amsel. Rosenduft durch die Nase und Seele wehen lassen. Staunen über das Rot des Klatschmohns. Das kühle Wasser im See auf der Haut spüren. Der Sommer schließt uns das Herz auf für die Schöpfung und den Schöpfer. Summertime – Sommerzeit. Jeden Sonntag irgendwo ein Fest.

Ich finde das gut. Dass wir da sind, dass wir einander haben, das muss doch gefeiert werden. Jesus selbst hat auch ganz gern gefeiert. Manchen war das schon zu viel. Die haben ihn schon mal einen Fresser und Weinsäufer genannt. Aber feiern, das muss ihm gelegen haben. Ich stelle ihn mir vor, Jesus, wie er anstößt und lacht und tanzt, viel heiterer als wir uns das vorstellen. Dabei beschreibt uns die Bibel den Himmel wie eine einzige Feierlichkeit: Da wird gesungen und gelacht. Da herrscht ausgelassene Freude.

Summertime – Zum Üben auf diese himmlische Freude schenkt uns der Schöpfer den Sommer. Gott wünscht uns jetzt schon, dass wir aus Vorfreude Feste feiern. Das geht am besten in Gemeinschaft. Treffen wir uns an allen Ecken und Enden der Lebensfreude.

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Zur Woche der Diakonie

An Litfaßsäulen kommt die Diakonie zur Zeit groß raus. „Mein Beruf ist, die Würde des Menschen zu pflegen.“ Das sagt auf einem der Plakatmotive eine junge Pflegekraft, während sie einer alten Dame im Rollstuhl die Fingernägel rot lackiert. „Mein Beruf ist, die Begabung statt die Behinderung zu sehen.“ Das sagt der Mann, der in einer Werkstatt einen anderen an einer Maschine anleitet. „Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegen zu bringen.“ Das sagt der junge Mann, der einem Obdachlosen irgendwo am Straßenrand aus einer Thermoskanne einschenkt. Keine Frage: Da waren PR-Profis am Werk. Was aber von diesem plakativ transportierten Selbstverständnis der Diakonie findet sich in unserer Nähe wieder? Welche Menschen sind dort im Blick?

Im Generationenhaus Demant in Kirchzarten sind es Menschen mit Demenz aus dem Dreisamtal. Zweimal die Woche können sie dort ab 9.30 Uhr betreut den Tag verbringen - für die Angehörigen ein Segen. An diesem Dienstag ist u.a. Gedächtnistraining angesagt. Die Sprache wiederfinden, ins Reden kommen, erinnern, was möglich ist - darum geht´s. Aber nicht in jedem Fall. Eine alte Dame sitzt schon die ganze Zeit mit gesenktem Kopf da und scheint ganz in ihrer eigenen Welt. Doch auch sie erfährt durch die Betreuerinnen Zuwendung, freundliche Ansprache und menschliche Nähe. Würde, Wärme und Ansehen stehen nicht nur auf Diakonie-Plakaten. Jeden Dienstag und Donnerstag kommen sie den Gästen im Generationenhaus Demant zu. Für den Fall, dass auch ich einmal fremd und immer fremder werde im eigenen Leben, wünsche ich mir sehr, ähnliche Erfahrungen machen zu dürfen.

Kaffee und Kuchen gibt´s auch im Rahmen des Projekts „Zämme“ (Allemannisch für: gemeinsam, zusammen) in Müllheim. Das Ziel hier: Menschen, die seit langem arbeitslos sind oder Grundsicherungsleistungen erhalten, ein Stück Teilhabe und Gemeinschaft sowie neue Perspektiven zu eröffnen. Ein großes Thema an diesem Nachmittag ist das geplante Repair-Café – eine tolle Initiative. Wer von Armut, Vereinsamung und Ausgrenzung bedroht oder betroffen ist, findet hier einen Ort, der gut tut. Hier werden die Menschen respektvoll und wertschätzend behandelt. Hier können sie nach ihren Möglichkeiten aktiv werden und bekommen Beratung und Hilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen.

Auch bei der Diakonischen Initiative Hügelheim wird Diakonie ganz praktisch gelebt – zum Segen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistigen Einschränkungen. Hier ist jeder und jede herzlich willkommen und darf sich nach den eigenen Möglichkeiten und Begabungen einbringen. Schön zu sehen, wie liebevoll an diesem Nachmittag der Geburtstag einer Teilnehmerin gefeiert wird.

Nur drei von vielen Angeboten des Diakonischen Werks Breisgau-Hochschwarzwald. Diakonie ist ein starkes Stück Kirche – zum Segen vieler Menschen. Das verdient unsere Anerkennung und Unterstützung – nicht nur im Rahmen der Woche der Diakonie Ende Juni.

Rolf Kruse, Pfarrer in Bad Krozingen

lesen

Weihnachten – Ostern – und was tun?

Was wir an Weihnachten feiern, ist klar: Ein Mensch kommt zur Welt; wenn auch ein ganz anderer als wir…

Was wir an Ostern feiern, geht über alle Erfahrung hinaus und wird uns zur Hoffnung: Dieser Mensch durchbricht die Mauern der Todes.

Und was wir an Pfingsten feiern, ist einfach „unfasslich“ – trotz Begleiterscheinungen wie „Windesbrausen“ und „Feuerzungen“. Zeichen dafür, dass Jesu Jünger von dem Unfasslichen erfasst werden.

Anschließend gehen sie freimütig an die Öffentlichkeit und zeugen in der Kraft des empfangenen Geistes von „den großen Taten Gottes“ und - stoßen auf ein geteiltes Echo. Die einen halten sie schlicht für besoffen, die andern wundern sich nur. Was Petrus daraufhin sagt, geht den Menschen durchs Herz; es trifft sie – und sie fragen betroffen: „Was sollen wir tun?“

Daraufhin spricht Petrus von einer anderen Ausrichtung des Lebens. Sein Wort kommt bei den Menschen an – und viele lassen sich taufen zum Zeichen für den Beginn eines anderen Lebens.

Ein geistgewirktes Wort, das trifft – die Herzen der Menschen; jenseits von Diskussion und Debatte, sondern zu der entscheidenden Frage führt: „Was sollen wir denn tun?“

Und solch eine Frage stellt in Frage – den flachen „Mainstream“, den Trend, den Trott der Massen und Moden; und führt ins tiefere und ernsthafte Nachdenken, das dann vielleicht auch keinen Spaß mehr macht. Doch damit fängt jede sinnvolle Veränderung an – nicht mit klugen Statements oder persönlichen Meinungen oder wiedergekäuten Stichworten und Schlagworten.

In der biblischen Geschichte vom Kommen des Geistes Gottes (Apostelgeschichte 2) könnte jene Frage und ihre Folgen durchaus das Ziel des ganzen turbulenten Ereignisses sein. Dann aber scheint es nicht nur „treffende“ Worte wie die des Petrus zu geben, sondern auch betroffene Fragen und kritische Anfragen.

Vielleicht müssen wir in einer Welt voller Antworten gerade um solche geistgewirkte Fragen bitten!?

Wenigstens in der Kirche.

Ihr

Werner Häfele, Pfr. von Vogtsburg im Kaiserstuhl

lesen

Du siehst mich

In 10 Tagen fahre ich zum Kirchentag nach Berlin. Seit ein paar Wochen steht eine Postkarte mit dem Kirchentagsmotto auf meinem Schreibtisch: auf Orange schauen mich zwei fröhliche Wackelaugen an, darunter, gebogen wie ein Lächeln: „Du siehst mich“.

Gesehen, beachtet, wahrgenommen werden – Selfies und Facebook-Posts sprechen eine deutliche Sprache: Wie wichtig es ist, nicht übersehen zu werden! Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen es um´s Hinsehen geht. Nicht mit einem oberflächlichen oder schaulustigen Blick, sondern mit Gottes liebevoller Zuwendung. Ihm bleibt kein Kummer verborgen. Vor ihm kann, vor ihm brauche ich mich nicht zu verstecken. Er meint es ja gut mit mir.

„Du siehst mich!“ – das sagt in der Bibel eine junge Frau, die auf der Flucht ist und der Unrecht angetan wird. Den Blick auf die werfen, denen Unrecht angetan wird, das gehört zum Kirchentag dazu. Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde – mögen vom Kirchentag in Berlin Impulse für Kirche und Gesellschaft ausgehen. Das erhoffe ich, wir haben es ja so bitter nötig!

Die Postkarte auf meinem Schreibtisch erinnert mich täglich daran: Gott sieht mich – in allen meinen Facetten. Und er meint es gut mit mir. Nicht, dass er alles gut findet, was ich tue, aber sein Blick ist dennoch liebevoll. Als wollte er mit einem Lächeln sagen: „Ich bin für dich da!“ Oder „Hey, ist doch nicht so schlimm!“ oder auch „Mensch, so geht es nicht weiter. Ich zeig dir einen anderen Weg.“ Ich werde die Postkarte wohl auch nach dem Kirchentag noch stehen lassen.

Daniela Hammelsbeck, Müllheim

lesen

Frühjahrsputz

Vor einigen Wochen las ich in der Zeitung „Gibt es den Frühjahrputz noch?“. Anscheinend machen immer weniger Menschen einen großen Frühjahrputz. Es gibt sogar Seminare, in denen man(n) lernt, richtig zu putzen. Das spornte mich an, nach dem Putzlappen zu greifen und für zwei Stunden die Küche in Angriff zu nehmen und Fronten, Lampen, Herd und Arbeitsflächen gründlich zu reinigen. Ganz im Putz- und Aufräummodus nahm ich mir anschließend auch noch mein Arbeitszimmer zu Hause und in der folgenden Woche mein Büro in Umkirch vor. Ich putzte dort nicht nur, sondern mistete auch gründlich aus. Mindestens zwei Mal lief ich mit einem vollen Papierkorb zur Mülltonne. Das war ein gutes Gefühl.

Dabei fiel mir auch ein Glas Bohnen in die Hände und ich musste an einen Erntedankgottesdienst denken. Ich habe damals folgende Geschichte erzählt:

Vor langer Zeit lebte einmal ein Mann, bis ins hohe Alter glücklich, zufrieden und im Einklang mit sich, mit Menschen und Tieren. Man erzählte sich, dass der Alte immer eine gute Handvoll Bohnen mit sich trug. Wenn er den Tag begann, steckte er diese gute Handvoll Bohnen in seine rechte Mantel– oder Hosentasche. Die Bohnen warteten auf Erlebnisse, kleine Momente des Staunens, des Wahrnehmens, des Glücks. Immer wenn der Alte etwas sah und staunte, wanderte seine Hand voller Dankbarkeit in die rechte Tasche, nahm eine Bohne und steckte diese in die linke Tasche. Und was sah oder hörte der Mann alles?

Das Lächeln eines Menschenkindes, fröhliches Spielen, eine besonders schöne Blume … Und so wanderte eine Bohne nach der anderen von der rechten Tasche in die linke.

Abends zog er dann die Bohnen aus der linken Tasche hervor und dachte zurück. Und wenn er auch nur eine Bohne in der Hand hielt, so war es doch wegen dieser einen Bohne ein guter Tag.

Diese Geschichte berührt mich immer wieder und erinnert mich daran, auch für die Kleinigkeiten dankbar zu sein. Kurzum steckte ich mir eine Handvoll Bohnen in die rechte Tasche. Und für den guten und erfüllenden Moment, den mir das Ausmisten im Büro beschert hatte, wanderte eine Bohne von rechts nach links.


Probieren Sie es doch auch mal aus!

Annika Nickel, Gemeindediakonin in Umkirch

lesen

Den ganzen Brocken kann niemand herunterschlucken

Den ganzen Brocken kann niemand hinunterschlucken. Er muss langsam gekaut werden, damit er bekömmlich ist. So ist es mit Ostern – niemand kann es ganz fassen, was es heißt: Jesus ist als Erster von den Toten auferstanden. Aber die Sonntage nach Ostern geben uns kleine Stücke von Ostern, die wir besser aufnehmen können:

In der Verbindung mit dem Auferstandenen sind wir wie neu geboren – wir sind in das Leben ohne Grenzen bei Gott hineingenommen (1. Sonntag nach Ostern, Quasimodigeniti),

Gott führt uns wie ein Hirte zum guten Ziel, auch wenn der Weg durch ein finsteres Tal führt, das hat er an Jesus Christus mit Ostern gezeigt (2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini). Was uns Gott an Ostern schenkt, ist Grund, Gott zu loben, froh zu singen und zu ihm zu beten (3. bis 5. Sonntag nach Ostern).

Es braucht Zeit, Ostern aufzunehmen. Das wussten schon unsere Vorfahren, deshalb geht die Osterzeit bis Himmelfahrt. Noch einige Wochen können uns Ostereier daran erinnern: Aus dem Grab heraus ist Jesus Christus ins Leben zu Gott auferstanden – uns voraus. Das bedeutet viel für unser Leben.

Friedrich Geyer, Pfarrer der Versöhnungsgemeinde Stegen mit Buchenbach, St. Märgen und St. Peter

lesen

April, April!

Einer macht sich auf, konsequent – liebevoll – in Gottes Namen.

Er bleibt nicht stehen, als sie ihn versuchen – verraten - verhaften – verlassen – verhören – verklagen – verspotten und verurteilen.

Er macht nicht kehrt, das Kreuz vor Augen – die Angst im Nacken.

Nein, kein April-Scherz. Es ist zum Weinen: Passionszeit.

Und doch zum Lachen – aber erst am dritten Tag. Kein Scherz. Erlittene Wahrheit. Damals wie heute. Machen wir uns auf – bleiben wir nicht stehen – machen wir nicht kehrt. Zu viele werden vertrieben – verraten – verlassen und verspottet.

Hinter Ostern kommen wir nicht zurück – am Ende. Das ist die Verheißung – jetzt und hier! Kein Scherz – und doch zum Lachen – oder besser: zum Freuen!

Herzliche Grüße, Ihr
Dirk Boch, Schuldekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Deutschland erliegt dem Martin-Schulz-Hype

Diverse Umfragen zeigen: Wechselstimmung macht sich im deutschen Lande breit. Nun möchte ich keine Wahlkampfwerbung für Herrn Schulz machen. Interessant ist es aber doch, was alles in diesen Mann hinein interpretiert wird:

Dieser Tage musste ich herzhaft lachen, da nun der Kanzlerkandidat der SPD mit Chuck Norris, einem Actionhelden der 80/90-er Jahre verglichen wird. Vielleicht kennen Sie ja Chuck Norris-Witze: „Wie viele Liegestütze kann Chuck Norris? – Alle!“ Um nur einen zu nennen.

Auf Martin Schulz umgemünzt lautet nun mein Lieblingswitz: Wenn Martin Schulz ins Wasser springt, wird er nicht nass. Das Wasser wird sozialdemokratisch.

Martin Schulz, ein Mann scheinbar mit Superheldenkräften, dem sogar die Naturgewalten gehorchen?!

Da ist ein Vergleich mit Jesus naheliegend, oder? Und doch wissen die Menschen, dass Martin Schulz eben keine übermenschlichen Fähigkeiten besitzt. In Interviews wird betont, dass man die ehrliche Haut von ihm schätze. Ein Mann, der Missstände direkt anspricht und sich seiner emotionalen Seite nicht schämt.

Als Christ glaube ich, dass Jesus als Sohn Gottes Berge versetzen und Wasser zu Wein verwandeln kann. Doch ist es das, was mich an Jesus so fasziniert? Die Antwort lautet: Nein! Gerade seine Emotionalität bewegt mich. Ein Mann, der mit seinen Nächsten mit leidet, der empathisch ist, sich fürchtet, trauert, wütend und manchmal auch aggressiv ist. Und ja, auch ausgelassen und fröhlich feiern kann. All das ist menschlich, ein Mensch mitten im Leben. Nicht abgehoben. Einer, der sich nicht als etwas Besseres sieht, sondern eben „einer von uns“ ist. Das macht für mich die Strahlkraft Jesu aus.

Ich hoffe, dass eben dieser Jesus Sie in ihrem Alltag inspirieren möge.

Ihr Oliver Zulauf
Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Frühling

Jetzt geht‘s wieder los. Die Schneeglöckchen sind schon raus. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Überall grün, und das wächst und blüht und macht und tut – Das ist doch Wahnsinn mit dem Frühling. Erst die Mandelbäume und die Magnolien, dann die Narzissen, Tulpen, die Apfel- und die Kirschbäume – die stehen da wie riesige Blumensträuße auf den saftig grünen Wiesen. Was das für’n Aufwand ist – allein die Farben! Das ist doch Verschwendung, wenn sie mich fragen!

Also jemand, der rechnen muss, wie unsereins, der würde doch da ganz anders rangehen! Kosten-Nutzen-Plan, zack, fertig. Z.B.: Wieviel Liter Sauerstoff brauchen wir diesen Monat? O.K. - also so und soviel Quadratmeter Blattgrün muss da sein. Nahrungsbedarf, Klima, die biologischen Kreisläufe – das kann man doch heutzutage alles ausrechnen. Ist doch alles erforscht!

Na ja gut. N’ bisschen fürs Auge muss auch da sein, geb ich zu. Aber da draußen – also ich weiß nicht. Der da oben scheint überhaupt nicht zu rechnen. Gott ist es wohl egal, was dabei für ihn rausspringt – der teilt aus – mit vollen Händen und jedes Jahr wieder. Obwohl das nicht leicht sein kann, das jedes Mal wieder so hinzukriegen – na hörn Sie mal, bei der Umweltverschmutzung. Irgendwie Wahnsinn... und das alles nur für uns. Sagen Sie mal selbst: Gott muss ein Verschwender sein!

Rainer Heimburger, Dekan im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Warte ...

Villicht hän sie friener druf gwartet, dass sie endlich volljährig werde, oder uf die erschti eigeni Wohnig. Villicht hän sie druf gwartet, bis s’erscht Chind do gsin isch un spöter do druf, dass d’ Chinder gross werde und irgend wenn uf de eigeni Ruhestand und denn do druf, as sie wieder gsund werde. Un was chunnt denn no? Mängi hän mer scho verzellt, as sie uf de Tod warte, wil sie d’ Schmerze nümmi ushalte, oder d’ Einsamkeit.

In eme Vers us de Bible goht’s um so öbbis: »Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen (Psalm 130,6).« Do goht’s um e Nachtwache. Säll chönnt im Summer no öbbis Schöns si, aber nit, wen mer ellei isch und d’ Chälti eim d’ Bei uffestigt, wenn mer Angst het vor de Gräuscher, wo me nit chennt. Wer so ellei isch un nit weiss, was chunnt, für dä werde d’ Stunde lang un länger.

D’ Läbenschunscht b’stoht wohl do drin, dass mer s’ Warte chönne aneh un derbi nit vergesse, z’ läbe. So Mänge het mit e paar Ziel gwartet, bis er im Ruhestand isch un plötzlich het de Tod uff en gwartet, viel z’ frieh.

Am End isch’s guet, wenn unse Warte e Ziel het, wenn eine s’ Warte mit is teilt un derbi e offenes Ohr het für is. Eine, wo merkt, was es Warte mit is macht, grad, wenn’s umesuscht gsin isch. Glaubet mer, mit Gott cha me au die Zite teile. Mit ihm chönne mir derbi strite und über alles schwätze, was is schwer fallt im Läbe.

S’ chönnt denn sogar eso si, dass mir irgend wenn s’ Gliich erläbe, wie de, wo dä Psalm bätet het: »Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.«

Säll wünscht Euch de Hellmuth Wolff vo Hinterzarte

lesen

Wann haben Sie zuletzt die Kirche gelobt?

Meine Augen blieben dieser Tage an einem Lutherwort hängen.

Luthers Landesherr, Kurfürst Friedrich, war krank geworden. Luther schrieb ihm einen kleinen Traktat: „Vierzehn Tröstungen für Mühselige und Beladene.“

Man schrieb 1519, Frühzeit der Reformation. Eine der Tröstungen geht aufs Konto der Kirche. Da ist Erstaunliches zu lesen: „Wenn ich leide, leide ich nicht mehr allein. Mit mir leiden Christus und alle Christen ... So tragen andere meine Last, ihre Kraft ist meine. … Der Glaube der Kirche kommt meiner Angst zu Hilfe … Eines anderen Gebet ist um mich bekümmert … Mit ihrer Ehre wird meine Schande geehrt … Eine so große Sache ist die Gemeinschaft der Heiligen und die Kirche.“

Ob die Trostgründe Luthers heute trösten können, lasse ich dahingestellt. (Obwohl ich schon angefangen habe zu fragen, wer die Menschen sind, die mir geholfen haben, Christinnen und Christen, die für mich gebetet, mir beigestanden haben auf den schwierigen Wegstrecken meines Lebens.)

Doch jetzt geht es mir darum: Wann habe ich zuletzt einen Christenmenschen erlebt, der ohne offiziell veranlasst zu sein, gesagt hat, was er an seiner Kirche hat, was er an ihr schätzt, wo er ihr dankbar ist?

Es ist, finde ich, typisch evangelisch, seiner Kirche mit kritischer Distanz zu begegnen. Doch wo bleibt die kritische Sympathie für die Kirche?

Die ersten evangelischen Gemeinden zeigten vermutlich ähnliche Schwächen und Fehler wie die heutigen. Luther hat sie dennoch geliebt, auch mit ihren „Ärgernissen und Rotten … Sie singt mit ihrem Herrn auch das Lied: Selig ist, der sich nicht an mir ärgert. " Sie will allerdings „nicht ersehen, sondern geglaubt sein" (aus der Vorrede zur Offenbarung des Johannes).

Ein Grund, meines Erachtens, 'die Kirche' ab und zu auch mal zu loben.

Ihr Rainer Heimburger, Dekan des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald

lesen

Es ist an der Zeit

2017 und Hoffnung, dass es besser wird als 2016? Eher nicht. Trump, Wahlen in Frankreich und Deutschland, Fake News, Hetze in sozialen Netzwerken und vielerorts auch auf der Straße. Ereignisse, die uns bevorstehen und über die berichtet wird, verdrängen oft die Dinge, die schon gelingen. In einer ruhigen Minute am Ende des letzten Jahres habe ich folgende Zeilen geschrieben, die als Refrain mit vielem, was mich sonst noch beschäftigt, zu einem Lied wurden:

Es ist an der Zeit, etwas zu verändern
Es ist an der Zeit für mehr Menschlichkeit
Es ist an der Zeit für Liebe und Wärme in der Welt
Es ist an der Zeit, kommt reicht euch die Hände

Sie sind meine Antwort auf die Machtlosigkeit im Angesicht dessen, was in der Welt passiert. Ein Appell an jeden und jede zum Umdenken zum Besinnen auf das, was wirklich zählt. Um aufzuzeigen, was Christ sein für mich ausmacht. Als Lied werden diese Verse in diesem Jahr noch in vielen Gottesdiensten in Breisach gesungen werden. Als Zeichen der Hoffnung, dass 2017 eben doch ein besseres Jahr werden kann.

lesen