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HANDREICHUNG "RELIGIÖSE FEIERN IM MULTIRELIGIÖSEN KONTEXT DER SCHULE"

„Religiöse Feiern im multireligiösen Kontext der Schule“ lautet der Titel einer Arbeitshilfe zum Beginn des neuen Schuljahres für die Fachkonferenzen Evangelische und Katholische Religionslehre und für die Schulleitungen aller Schularten in Baden-Württemberg. Sie bietet Modelle, welche die wachsende kulturelle und religiöse Vielfalt an Schulen und die daraus resultierenden Bedürfnisse angemessen aufnehmen.

Die Arbeitshilfe enthält Impulse und Praxisbeispiele zum Beispiel für multireligiöse Feiern zur Einschulung, zum Schuljahresbeginn oder zum Abschluss des Schuljahres bzw. der Schulzeit, aber auch anlässlich von „Tod und Trauer in der Schule“. Religionslehrerinnen und -lehrer sollen darin unterstützt werden, „Schülerinnen und Schüler zu stärken, dem eigenen Glauben Ausdruck zu verleihen und zugleich den Glauben anderer zu achten“, schreiben die Herausgeber. Dadurch solle die „Schule auch im religiösen Miteinander ein Ort gelebter Identität und Pluralität“ werden. Religiöse Feiern dienten dabei nicht dazu, „andere um der Harmonie willen zu vereinnahmen, indem eigene religiöse Inhalte verschwiegen oder angepasst werden“.

Mit der Handreichung soll einen Schritt über die bisherige Praxis hinausgegangen werden, die Angehörigen anderer Religionen lediglich „in liturgischer Gastfreundschaft“ zu den christlichen Schulgottesdiensten einzuladen. Multireligiöse Feiern können etwa dann sinnvoll sein, wenn es darum gehe, „Leiderfahrung und Trauer gemeinsam Ausdruck zu verleihen und deren Bewältigung zu unterstützen“. Sie seien zu unterscheiden von Schulgottesdiensten etwa zu Weihnachten oder Ostern als „genuin christliche Feste“.

Theologische Vertreterinnen und Vertreter aus Islam, Alevitentum und Judentum waren während der Entstehung der Arbeitshilfe dazu eingeladen, ihre Expertise einzubringen und die verschiedenen Praxisbeispiele kritisch zu begutachten.

Die Autorinnen und Autoren berufen sich auch auf die langjährige, bewährte Tradition der Ökumene in vielen schulischen Handlungsfeldern in Baden-Württemberg. Diese guten Erfahrungen gelte es heute für die neuen Herausforderungen im interreligiösen Miteinander fruchtbar zu machen, heißt es in der Arbeitshilfe.

Herausgeber sind die seitens der Kirchenleitungen für schulische Bildung Verantwortlichen Ute Augustyniak-Dürr (Diözese Rottenburg-Stuttgart), Susanne Orth (Erzdiözese Freiburg), Christoph Schneider-Harpprecht (Evangelische Landeskirche in Baden) und Norbert Lurz (Evangelische Landeskirche in Württemberg).

Sie können hier das Dokument elektronisch herunterladen oder die Arbeitshilfe kostenlos gegen eine Portogebühr im RPI Shop bestellen.

 

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Taizé für Schülerinnen und Schüler

Vom 18.-22. Juli waren 27 Schülerinnen und Schüler aus 5 Gymnasien zusammen mit Lehrerinnen und Pfarrerin Christine Heimburger zusammen in Taizé. Die ökumenische Fahrt wurde von den beiden Schuldekanaten angeboten und bezuschusst, Pfarrerin Heimburger war als Begleitperson dabei, damit auch Schülerinnen ohne Begleitung einer Lehrkraft teilnehmen konnten.

Mit ungefähr 4.000 Jugendlichen aus aller Welt haben wir mit den Brüdern von Taizé Gottesdienste gefeiert, viele anderen Jugendliche getroffen und kennengelernt, Bibeltexte erarbeitet und in kleinen Gruppen mit anderen kreativ umgesetzt, aktiv mitgeholfen (Abwasch, Müll wegbringen, Essen austeilen…) und abends gefeiert… Es war für alle eine intensive Erfahrung von Spiritualität und Begegnung mit jungen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen.

Stellvertretend für viele ein paar Impressionen nach 5 Tagen in Taizé:

„Trotz oder gerade wegen der Einfachheit (Essen, Schlafplatz, etc) ist Taizé ein einzigartiger Ort mit einer einmaligen Atmosphäre. Man kann dort sehr leicht sich vom alltäglichen Stress lösen und einfach man selbst sein, viele nette Leute kennen lernen und Spaß haben.“ (Marlena, Lörrach)

„Durch die besinnlichen Gottesdienste fährt der durch den Alltag gestresste Körper runter und man wird sehr ruhig.“ (Maren, Lörrach)

„Orte wie dieser sind rar gesät auf dieser Welt. Eine Stimmung/Atmosphäre oder viel mehr eine Lebenseinstellung wie sie dort zu finden ist, lässt sich mit Worten kaum beschreiben – mitreißend und fesselnd einerseits, andererseits aber auch ruhig, harmonische, friedvoll und meditativ.“ (Hellena, Lörrach)

„Um Taizé in seiner Ganzheit (die mega coolen Leute und die Sinnlichkeit aber wohl auch die Essensschlagen etc.) beschreiben und verstehen zu können, sollte man einfach seine Koffer packen und selbst hinreisen! Es ist ein völlig neue unerklärliche wunderbare Erfahrung J“ (Mila, Kirchhofen)

 

Das nehme ich mit aus Taizé 2018:

- Vertrauen (Maike, Ballrechten- Dottingen)

- Ja zum Leben sagen. Christianity means life at it’s highest point of intensity (Felicitas, Bad Krozingen)

- offen gegenüber anderen Menschen zu sein (Jannika, Lörrach)

- den Moment mehr zu schätzen und offener zu sein

- man muss die Augen aufmachen um zu sehen, wie schön das eigene Leben ist (Lena, Waldkirch)

- In Taizé wird minimalistisch gelebt und wirklich nur das Nötigste angeschafft. Auch im Alltag kann man und sollte man lernen auf Überflüssiges zu verzichten. (Magdalena, Waldkirch)

 

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Badische Landeskirche stellt Gesprächspapier "Christen und Muslime" vor

Die badische Landeskirche hat für ihre Gemeinden ein Gesprächspapier zum Dialog zwischen christlichen und muslimischen Gläubigen herausgegeben. Ziel der Handreichung ist es, Impulse für interreligiöse Begegnungen zu geben und die Diskussion innerhalb der Kirche anzuregen. Anhand zentraler theologischer Fragestellungen werden u. a. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bibel und Koran aufgezeigt und Anregungen für die kirchliche Praxis formuliert. Bis 2019 soll das Papier in allen Kirchenbezirken diskutiert werden, bevor die Landessynode 2020 aufgrund der Rückmeldungen eine Erklärung verabschiedet.

Das Gesprächspapier orientiert sich am Gedanken einer christlich-muslimischen Weggemeinschaft und will Chancen und Grenzen des Dialogs aufzeigen. „Religiöser Verschiedenheit wollen wir offen und gesprächsbereit begegnen“, erklärte die landeskirchliche Islambeauftragte Elisabeth Hartlieb. Gottes Spuren auch woanders zu vermuten, mache den christlichen Glauben nicht kleiner, sondern bereichere ihn. In diesem Sinn sei das christlich-islamische Gespräch ein wichtiger kirchlicher Auftrag und diene dem gesellschaftlichen Zusammenleben ebenso wie der Vergewisserung über den eigenen Glauben.

Ausgehend von biblischen Perspektiven werden im Gesprächspapier neun theologische Themenfelder beleuchtet. So verbinde das Christentum und den Islam ihre Bezugnahme auf die jeweiligen heiligen Schriften und miteinander verwandte Traditionen. Gleichwohl zeige sich im Verständnis der Sendung Jesu Christi ein zentraler Unterschied. So lasse sich im Koran eine hohe Wertschätzung Jesu als Prophet erkennen, im Christentum sei er Zentrum des Glaubens. Das müsse im interreligiösen Dialog zur Sprache kommen.

Zum Gottesverständnis schreibt das Verfasserteam: „Wir verehren als Christen und Muslime den einen Gott, den wir Christen als dreieinig bekennen.“ Auch im Dialog sei das Bekenntnis zu Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist daher grundlegend. Gemeinsame Herausforderungen zeigten sich im Umgang mit religiöser Gewalt, im Eintreten für Religionsfreiheit sowie in der Ethik. „Gemeinsam mit Menschen muslimischen Glaubens nehmen wir Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wahr“, heißt es programmatisch im Gesprächspapier.
In Bezug auf die praktische Gemeindearbeit wollen die Autoren zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Islam motivieren. Schon jetzt gebe es Ansätze zu gemeinsamen religiösen Feiern oder zur interreligiösen Bildung, die Räume für die Begegnung von christlichen und muslimischen Gläubigen böten. Die aufgezeigten Themen sollen dabei die Grundlage für weitere Schritte bilden. „In der kirchlichen Arbeit ist es von großer Bedeutung, dass die Mitarbeitenden für den interreligiösen Dialog qualifiziert und ermutigt werden“, heißt es in dem Gesprächspapier.
 

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Inspiration für Zukunftsfragen I Katholische und evangelische Kirchenmitarbeiter im Austausch mit der Wirtschaft

Beim ökumenischen Treffen des Evangelischen Pfarrkonvents des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald und der katholischen Dekanatskonferenz des Dekanats Breisach-Neuenburg am 29. Juni 2018 in Bad Krozingen und Heitersheim erhielten etwa 50 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchen Inspiration für die Zukunft.

Die Pfarrer und Pfarrerinnen und die hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen und evangelischen Kirchen stehen vor großen Herausforderungen. Sie fragen sich tagtäglich, wie sie den Menschen unserer Zeit einen neuen Zugang zum Glauben und zum Gemeindeleben vermitteln können. „In dieser Situation hilft es, die Perspektive zu ändern und sich von anderen inspirieren zu lassen“, sagt Bernhard Huber, Dekanatsreferent des Dekanats Breisach-Neuenburg, der das Treffen zusammen mit Kollegen beider Konfessionen organisiert hatte. In sechs Gruppen besuchten sie Unternehmen und Organisationen wie den Brandschutzspezialisten Hekatron in Sulzburg, das inklusive Café Artis in Heitersheim, die Demenz-Wohngemeinschaft Mittendrin in Staufen - eine Einrichtung der Sozialstation Südlicher Breisgau - , das Weingut Franz Herbster in Kirchhofen, das Architekturbüro Helmut Bühler in Staufen und sprachen bei einem Rundgang durch den Wald mit einem Forstwissenschaftler. Leitgedanke dieser Besuche war die Frage, wie diese Unternehmen mit Transformationsprozessen umgehen und welche Anregungen sich daraus für die Arbeit der kirchlichen Mitarbeiter ergeben können.

Drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen sich beim Brandschutzspezialisten Hekatron nur mit Zukunftsfragen, definierten Megatrends wie demografische Entwicklung, Energiewende und Urbanisierung und leiten systematisch ab, was diese Trends für das Unternehmen bedeuten. Ein fest installiertes Innovationsmanagement ermöglicht jedem Mitarbeiter, sich mit neuen Ideen zu beteiligen und die Idee, für die er brennt, bis ganz nach oben zur Geschäftsleitung zu bringen. „Solch ein Gremium gibt es bei uns nicht, viele gute Ideen versanden zwischen den verschiedenen Ebenen“, sagte der evangelischer Pfarrer Eberhard Deusch. „Es gibt zwar einen Kummerkasten und eine Ideenbörse. Inhalte werden dann aber an den Chef und über den an die Gremien verwiesen und dort trägt sie nicht mehr der vor, der für die Idee brennt“, stellte sein katholischer Kollege fest. Intensiv beschäftigt sich Hekatron damit, welches Angebot ihre Kunden brauchen. Ein Ansatz, der die kirchlichen Mitarbeiter überzeugte, die dringend ehrenamtliche Mitarbeiter suchen und bislang eher daran dachten, was sie von potentiellen Ehrenamtlichen erwarten. „Wie machen wir unser Angebot so attraktiv, dass die Leute sich gerne  bei uns engagieren“, fragte ein Teilnehmer. Auch die Mitarbeiter der Demenz-Wohngemeinschaft orientieren sich an den Bedürfnissen ihrer Kunden. Sie fragen sich, was die Bewohner brauchen, eine Sichtweise, die Gemeindereferentin Ulrike Dondrup anregend fand.

Nach dem Austausch  in den Unternehmen trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der St. Bartholomäus-Kirche in Heitersheim zu einem Gottesdienst. Im hinteren Teil der Kirche berichteten sie, was sie inspiriert hat und da kam einiges zusammen. Vom Forst der Hinweis, dass Nachhaltigkeit ganz viel mit Partizipation zu tun hat, beim inklusiven Café Artis, in dem Menschen mit Behinderungen mitarbeiten, der Pioniergeist, im Architekturbüro Helmut Bühler begeisterten die lichten Räume, die Kreativität ermöglichen. Aus dem Weingut Herbster brachte die Gruppe einen Chasselas mit, einen Wein der alten Sorte Gutedel, der später geerntet und anders ausgebaut wird als der traditionelle Markgräfler Schoppenwein. „Wir haben alte gute Worte, vielleicht muss man die neu entdecken“, war das Fazit dieser Gruppe. Mit dem Kanon „Wenn einer alleine träumt“, zogen die Teilnehmer nach vorne ins Kirchenschiff. Inspiration boten an diesem Tag, am Fest  Peter und Paul, auch die beiden Apostel Petrus und Paulus. Am Beginn der Kirche,  in einer Zeit des Umbruchs, gelang es ihnen, trotz vieler unterschiedlicher Sichtweisen im Dialog zu bleiben und neues Wachstum zu entwickeln. „Die Veranstaltung war leicht und doch wesentlich, die Gespräche waren lebendig und anregend, und es war Energie für Neues da. Wir brauchen in unseren Kirchengemeinden neue Haltungen und neue Perspektiven, um tragfähige Schritte in die Zukunft zu gehen. Davon war bei der Veranstaltung etwas zu spüren“, sagt Bernhard Huber, ein Mitglied der ökumenischen Arbeitsgruppe, am Ende der Veranstaltung.

Gabriele Hennicke

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Ökumene trifft Wirtschaft

Beim ökumenischen Treffen des Evangelischen Pfarrkonvents des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald und der katholischen Dekanatskonferenz des Dekanats Breisach-Neuenburg am 29. Juni 2018 in Bad Krozingen und Heitersheim begeben sich die etwa 50 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchen auf die Suche nach Inspiration für die Zukunft.

Jeden Tag stehen die hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchen vor komplexen Herausforderungen. Sie beschäftigt die Frage, wie sie den Menschen unserer Zeit einen neuen Zugang zum Glauben und zum Gemeindeleben vermitteln können. „Die Frage, wie das Evangelium für die Menschen heute plausibel werden kann, fordert uns heraus, neue Wege zu gehen“, sagt Bernhard Huber, Dekanatsreferent des Dekanats Breisach-Neuenburg, „bei der ökumenischen Konferenz wollen wir uns gegenseitig Lust und Mut machen, in die Zukunft zu gehen. Es soll weniger um Pläne und Konzepte gehen, als vielmehr um Inspiration und Ermutigung.“ Die Inspiration erhoffen sich die Kirchenmitarbeiter von Vertretern der lokalen Wirtschaft und anderer Organisationen, die für sich selbst ebenfalls Zukunftsfragen beantworten müssen.

Nach einer gemeinsamen Einführung im Foyer des Universitäts-Herzzentrums Bad Krozingen besuchen die Teilnehmenden in Gruppen Unternehmen und Organisationen wie den Brandschutzspezialisten Hekatron in Sulzburg, einen Vertreter der Forstverwaltung im Wald am Castellberg, das Café Artis in Heitersheim, die Wohngemeinschaft Mittendrin in Staufen, das Weingut Franz Herbster in Kirchhofen und das Architekturbüro Helmut Bühler in Staufen. Dort sind jeweils bestimmte Themen vorgegeben, über die die Teilnehmenden mit den Vertretern der Unternehmen und Organisationen ins Gespräch kommen werden. „Im ersten Moment dachte ich, dass ein mittelständisches Elektrotechnikunternehmen mit der Kirche doch gar nichts zu tun hat und ich habe mich gefragt, wo es wohl Parallelen gäbe. Dann war ich überrascht, wie viele Anknüpfungspunkte es tatsächlich gibt. Ich freue mich, dass sich die „Kirchenleute“ in diese Richtung öffnen. Mich reizt das Zusammentreffen, da ich mir vorstellen kann, dass ich selbst etwas aus den Erkenntnissen herausziehen kann, was für unsere Arbeit an den Zukunftsthemen wichtig sein könnte“, sagt Thomas Litterst, Leiter Normen und Richtlinien bei Hekatron.

Im Anschluss an diesen Austausch treffen sich die Teilnehmenden in der St. Bartholomäus-Kirche, Heitersheim zu einem Gottesdienst, in den die Eindrücke der Begegnungen einfließen werden. Der Abend endet mit einem gemeinsamen Abendessen und Ausklang in der Sulzbach-Strauße in Heitersheim.

Gabriele Hennicke

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Ein Luxusproblem: Zu viel Raum in der Herberge

Der Bezirkskirchenrat des Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald denkt über die Zukunft unserer Häuser nach

Falkau, 24.6.2018. Es ist ein echtes Luxusproblem: Wir haben zu viel Platz. Genauer: Zu viel Raum. Viele Gemeindehäuser unseres Kirchenbezirks haben - in Relation zur Gemeindegliederzahl - eindeutig zu viele Quadratmeter Raumangebot. Das kostet Geld - Geld, dass in Zukunft knapp werden könnte, denn die Kirchenmitgliederzahlen sinken kontinuierlich. Deshalb ist es nur verantwortungsvoll, wenn die Badische Landeskirche - im Rahmen eines Liegenschaftsprojekts - die Gemeinden und die Bezirke anhält, über die Zukunft und die Finanzierung ihrer Häuser nachzudenken.

Doch um wieviel "Raumüberschuss" handelt es sich eigentlich? Das hat die Firma prokiba in den letzten Monaten ermittelt. Sie war mit ihren Mitarbeitern in den Gemeinden zu Gast und hat gemessen, gerechnet und ermittelt. Bei der Klausur des Bezirkskirchenrats am Wochenende in Falkau wurden nun die ermittelten Daten übergeben. Das Ergebnis: Während manche Gemeinden drastisch zu viele Gemeindehaus- und Gebäudeflächen besitzen, haben manche Gemeinden gar zu wenig Platz; andere Gemeinden verfügen über ausreichend Platz und liegen genau im vorgegebenen Rahmen. Daraus ergibt sich die Aufgabe für den Bezirkskirchenrat, hierfür gute und tragfähige Ideen zu spinnen, die dieses "Luxusproblem" zu lösen vermögen - natürlich im Austausch mit den Gemeinden.

Dafür wurde am Wochenende - unter Mithilfe von Beratern - ein Plan entworfen, der in etwa so aussieht: Nachdem die Daten der prokiba an den Bezirkskirchenrat übergeben wurden, wird dieser nun die Gemeinden über ihre jeweilige Situation informieren. Danach wird es eine Klärungsphase geben (Sommer/Herbst), in der jede Gemeinde ihre Zahlen einmal durchsehen, nachvollziehen und prüfen kann. Bei Bedarf können, gemeinsam mit Vertretern des Bezirkskirchenrats und prokiba, Unschlüssigkeiten geklärt werden. Da es dem Bezirkskirchenrat wichtig ist, alle Gemeinden und deren Mitglieder am Nachdenken und Konzipieren der Zukunftslösungen zu beteiligen, wird es im Anschluss an diese Phase vier Regionalkonferenzen geben, bei denen Vorschläge und Konzepte für den Umgang mit den Gemeindeflächen erarbeitet und beraten werden. Die Termine hierfür sind:

21.9. - nördliches Markgräflerland I 12.10. - südliches Markgräflerland I 19.10. Region Hochschwarzwald I 26.10. - Region Kaiserstuhl.

Aus den Beratungsergebnissen dieser Regionalkonferenzen wird der Bezirkskirchenrat bis zum Januar 2019 konkrete Konzepte entwickeln, die bei der Fühjahrssynode 2019 vorgestellt werden. Im März 2019 werden diese Konzepte dann durch den Bezirkskirchenrat beschlossen.

Florian Böcher, Beauftrager für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald

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»Ey, was labersch du?«

Dieser Satz, der inzwischen eine ganz eigene Gattung von sogenannten posts bei youtube (woher ich ihn auch kenne) begründet hat, ging mir durch den Kopf, als Daniel Völker im Lauf des Samstags mit einem breiten Lächeln meinte, er wolle uns nicht »zulabern«.

Viele Worte gab’s trotzdem, Grundlagen, rechtliche & geistliche, wie es die Grundordnung unserer Firma nahelegt, Begründungen, Analysen, Perspektiven, (An-)weisungen und Hinweise auf Grenzen. Alles wurde mit vielen Worten vorgetragen und blieb doch merkwürdig unkonkret, denn: Die eigentliche Arbeit sei ja vor Ort zu leisten und nur möglich mit einiger und eigener Sachkenntnis. »Gut gebrüllt, Löwe!«, ist ein anderer Satz (aus meiner Kindheit, ihr wisst schon, woher), der mir dazu einfällt.

Als wir am Freitag just zu dritt auf das Haus Feldberg-Falkau zusteuerten, kam eine Bekannte freundlich winkend auf uns zu. Auf ihre Frage, was wir hier machen, erwiderte ich: »Wir gehen mit dem Bezirkskirchenrat in Klausur!«, was mir die leicht spöttische Bemerkung eintrug, das klinge ja sehr monastisch. Nun ja, mit ihrem Hintergrund darf man so was sagen. Nur hatte sie nicht recht. Denn so viele Worte wären in jedem Kloster verboten und auch nicht möglich, dank der Schweigezeiten und Stundengebete.

Letztlich ginge alles auch kürzer: Die Landeskirche sorgt sich um die Finanzen 2030 und wie dann alles noch zu stemmen sei. Um das zu ermöglichen, müssten die Flächen um 30% runter. Ein ergebnisoffenes Verfahren kann so was nicht sein.

Aber gut, dann wissen wir wenigstens, woran wir sind. Leider hat uns der Inhalt dieser drei Sätze gefühlt mehrere Stunden gekostet.

Am Ende müssen wir da durch. Die Notwendigkeit des Liegenschaftsprojektes ist für mich nicht strittig. Wir sollten uns bemühen, dass es so wenig Verletzungen gibt wie möglich. Dass es gekränkte Eitelkeit geben wird, damit ist zu rechnen, ebenso wie der Reflex, das sei alles richtig, nur möge man es bitte woanders umsetzen, Nimbys gibt’s auch in der Kirche. Wahrscheinlich werden auch ein paar Kirchenaustritte dazu gehören, ebenso Tränen. Es wäre unnatürlich, wenn Menschen nicht an dem hängen würden, was sie mit aufgebaut haben.

Und dann sollten wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Dazu braucht es Fantasie und Mut, auch die Bereitschaft, über den eigenen Schatten zu springen. Und warum denn nicht mit anderen kooperieren? Ich weiss, dass es die Haltung immer noch gibt: »Da fahr’ ich doch nicht hin, schon gar nicht zu denen ins Nachbardorf!« Aber wenn wir Christinnen und Christen das nicht schaffen, wer denn dann? Über die mögliche Vereinigung der Badischen und der Württembergischen Landeskirche heisst es immer, das geschehe wohl erst am jüngsten Tag. Und die besonders bösen Zungen fügen hinzu: »Und auch da erst am Abend!« Sollte so was das letzte Wort über uns sein? Wir müssten uns schämen.

Einer, der so nicht denken darf und das auch gar nicht will, war auch dabei. Ich wundere mich manchmal über seinen Optimismus und seine Lust am (Um-)gestalten. In solchen Augenblicken weiss ich dann wieder, warum ich selber nie Dekan hätte sein können und wollen, da rege ich mich viel zu sehr auf, siehe oben.

Gesichter erzählen Geschichten, schauen Sie einfach mal rein. In die Kirchengemeinderatssitzung, in der es um das Liegenschaftsprojekt gehen wird, nehmen Sie einen Taschenspiegel mit. Wenn Sie so richtig am Schimpfen sind und sich aufregen, halten Sie sich den mal vor’s Gesicht, vielleicht hilft es weiter. Ich bin überzeugt, dass niemand zu denen gehören will, von denen man sagt: »Er / sie hat sich bis zur Kenntlichkeit entstellt.«

Jörg Zink hat eine Stelle im Filipperbrief so nachgedichtet: »Eure Freundlichkeit lasst alle Menschen spüren, der Herr ist nahe.« So geht es besser, meint

Hellmuth Wolff

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